Barbarian (Rumänien, 2003)

verfasst am 13.Dezember 2009 von Neon Zombie

„Remember, Munkars sorcery is strong and beware his power to manipulate the weak! Good luck, Kane - and may the elements guide you!“

Ah, Barbaren, Helden der Urzeit. Kernige Keulenschwinger, die in knappen Klötenwärmern über die Steppe hopsen, um finsteren Zauberern den Weltherrschaftsanspruch aus dem Kopf zu schlagen (wörtlich gemeint). Sie sind die Heroen der Wälder und Kiesgruben. Nicht nur kräftig in den Armen, sondern auch noch in den Beinen, weswegen sie nie ein Pferd brauchen und selbst im schlimmsten Sturme wacker über die Äcker purzeln. Sie leben friedlich in ihren Hütten, solange bis selbige von bösen Herrscharen nieder gebrannt werden. Mitsamt Freunden und Verwandten. Doch wenn man sie einmal reizt, kämpfen sie komplette Königreiche nieder. Alleine bezwingen sie Armeen aus Tausenden von Kriegern. Das ist er, der…

(© New Concorde)

Gleich zu Beginn begrüßt uns wieder die allseits beliebte Stimme aus dem Off und führt uns in die mystische Welt Rumäniens ein. Ein finstrer Herrscher (wer auch sonst) unterjocht den Wald. Dazu hat er tapfere Recken mit falschsitzendem Helm und roten Umhang durch den Laub gejagt, damit diese alle Widerständler niedermetzeln. Gesagt, getan. Geht recht fix. Das Böse hat den Forst fest im Griff…

(© New Concorde)
(© New Concorde)

Off-Stimme: „An army, clobbed in red, marches under the order of a dark lord, whose whill is bent on total domination!“

Jetzt herrscht Tod und Terror. Rücksichtslos wird alles niedergemäht, was den dunklen Mächten vor die LARP-Waffen kommt. Ob Bauern, Barbaren – selbst junge Mädels sind nicht mehr sicher. Frei nach dem Motto „Letzte Ausfahrt: Brooklyn“ geht auch hier die Moral flöten…

(© New Concorde)
(© New Concorde)

Zum Glück gibt’s aber ’nen Helden (Name: Kane, Merkmal: starre Gesichtsmuskeln) mit Pfeil und Bogen, der alles und jeden niederbattlet. Zuerst rettet er eine holde Maid vor fiesen Häschern, die dem armen Ding im Laub gegen ihren Willen den Schornstein bürsten wollten, dann bürstet er ihn selber. Mit ihrem Willen. Natürlich. Und das nicht nur einmal im Film. Ganz im Gegenteil.

(© New Concorde)

Um es gleich vorwegzugreifen: er darf sich auch im ganzen Film an jungen Dingern vergreifen. Sogar an der Königstochter. Vor den Augen ihres Vaters. Eben dem König. Was man dafür alles getan haben muss, damit Vaterherz dies durchgehen lässt? Monster verkloppen. Und zwar viele.

(© New Concorde)
(© New Concorde)
(© New Concorde)
(© New Concorde)

Um die finstere Mär etwas aufzuhellen, hat die holde Maid vom Anfang des Films dankenswerterweise auch gleich einen Sidekick mit im Gepäck. Wir wissen nicht was es ist, geschweige denn was es überhaupt darstellen soll, aber wer glaubt, dass Cormans Gulfax aus „Wizards of the lost Kingdom – Magier der verlorenen Welten“ die Sperrspitze der internationalen Nonsense-Filmcharaktere darstellen würde, der hat sich erheblich getäuscht. Denn bei Woobie, so sein Name, bricht jeder zusammen. Und ja, er kann reden.

(© New Concorde)
(© New Concorde)

Wer die Lauscher richtig aufgestellt hat, dem wird zugleich auch noch auffallen, dass der Ton etwas dumpf klingt. Dies liegt an keinem brachialen Audio-Codec, sondern viel mehr an der Tatsache, dass der gesamte Streifen nachsynchronisiert wurde. Trotz des amerikanischen Muskelpakets in der Hauptrolle haben wir es hier de facto mit einer rumänischen Produktion zu tun. Jetzt wird mir auch so einiges klar…

(© New Concorde)

Was nun inhaltich noch kommt, dürfte jeden erfahrenen Kämpfer auf dem Gebiet des Barbarenfilms nicht weiter überraschen. Der dunkle Lord Munkar schickt seine Mannen los, um den tapferen Recken niederzustrecken. Funktioniert aber nicht. Mit Muskeln und Charme donnert er durch jedes Verlies. Auch Pappburgen können hier nicht standhalten. Es ist nur eine Frage der Zeit bis der Film sich der 90 Minuten-Marke nähert, dann ist Sense. Und das Gute siegt. Same old story. Eigentlich könnten wir jetzt hier abbrechen, um in die wohlverdiente Raucherpause zu gehen und dem Film die unterhaltsame Standard-Bewertung 3 Köppe zu vergeben, aber halt! „Barbarian“ ist anders. Denn was man hier zu sehen bekommt, erinnert nicht nur an gute alte Trashzeiten, es ist die Reinkarnation des Übertrashs, den wir lieben, verehren, achten und von dem wir uns so gerne unterhalten lassen. Was die Cast und Crew uns hier bietet ist schlichtweg genial. So genial, dass man spätestens ab Minute Zwei vollkommen zusammenbricht. Trash-Luschen, die noch nie gegen wabbelige Monster kämpften, in glitzernde Paralleluniversen abdrifteten oder zusehen musste wie die Erde in einen von Cyborgs inszenierten Nuklearfeuer verbrannte, werden hier bitterlich weinen. Sie werden sich fragen, warum es solche Produktionen überhaupt gibt – und wir werden antworten: WEIL GOTT ES SO WOLLTE! Der wird sich dabei schon was gedacht haben. Basta.

Was „Barbarian“ zu einem Knallbonbon macht, könnte man ausschweifend beschreiben, was letztlich aber doch nur die Spitze des Eisberges darstellen würde. In jeder verdammten Minute taucht aus dem Gebüsch irgendein Rumäne auf, der entweder durch sein Kostüm oder seine Darstellung beim Zuschauer für Atemnot sorgt. Als besonderes Sahnehäubchen: Der Herrscher dieser unbeholfenen dunklen Mächte ist – zu aller Überraschung – Martin Kove! Maddin, der alte Halunke, der bereits als fieser Karate-Lehrer Mr.Miyagis Zögling fertig machen wollte, römert hier als Oberschurke durchs Bild. Natürlich ist sein Auftritt recht beschränkt, aber reicht es immerhin für ein marketing-strategischen Credit. Denn auch nur so bin ich auf diese Perle aufmerksam geworden…

(© New Concorde)
(© New Concorde)

Und durch die wild hereingeschnitten Szenen aus dem Barbaren-Smasher „Der Todesjäger“ natürlich. Ja, auch das gibt’s hier: Film-Recycling. Natürlich, gehört ja wie Titten, Latex und Hütten zu jedem guten Fantasy-Heuler…

(© New Concorde)
(© New Concorde)

Fatality:
Einfach nur 5 Schädel. Muss sein.

Neon Zombie

Über Neon Zombie 2021 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!