Die Debatte um James Gunn verschärft sich

verfasst am 23.Juli 2018 von Markus Haage

Die Debatte um James Gunn geht nicht nur munter weiter, sondern verschärft sich auch. Mittlerweile haben sich mehrere Künstler zu Wort gemeldet und für Gunn Stellung bezogen. Darunter Regisseur Joe Carnahan, Produzent Lloyd Kaufmann als auch Schauspieler Dave Bautista. Andere Darsteller haben sich zwar auch geäußert, halten sich aber noch (verhältnismässig) neutral zurück. Auch wurde von Fans eine Petition ins Leben gerufen, die bereits fast mehr als 200.000 Unterschriften umfasst. Allerdings kann diese nur als Ausdruck der Unzufriedenheit gewertet werden. Ändern tut sie wohl (nach derzeitigem Stand) nichts.

James Gunn wurde als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent von “Guardians of the Galaxy Vol. 3” gefeuert, nachdem konservative Blogger alte Tweets und Facebook-Kommentare gefunden haben, in denen er sich über Vergewaltigung und Pädophilie lustig macht. Gunn sagte dazu, dass er die Jokes bereut, sie nie ernst gemeint waren und nur den Versuch darstellten, zu provozieren. Verteidiger von Gunn halten Disneys Reaktion (Inhaber von Marvel Studios) für vollkommen überzogen. Den ganzen Hintergrund findet ihr hier.

Wie immer muss man die ganze Geschichte aber differenzierter betrachten.

Gunn hat diese Jokes in einem dokumentierten Zeitraum von mehreren Jahren (2008-2012) gemacht, als er zwischen 42 und 46 Jahre alt war (Gunn ist Jahrgang 1966). Also keine Jugendsünde und kein einmaliger Vorfall. Erst mit seinem Engagement bei Marvel Studios endeten diese Art von Jokes plötzlich. Noch 2012 machte er sich darüber lustig, dass man Catwoman als Lesbe ja wieder “umbiegen” könne, wenn Tony Stark sie nur richtig durchnehmen würde. Dafür entschuldigte er sich zwar, aber es ist hier schon ein gewisses irritierendes Muster zu erkennen. Mitleid mit Gunn ist sicherlich nicht angebracht. Aber natürlich ist Gunn auch ein Kind Tromas. Sein Humor ist provokativ, plakativ, überzogen, derb und sehr oft sexuell. Dies spiegeln auch seine früheren Werke wie “Slither” (2006), “PG Porn” (2008), “Super” (2010) oder “Tromeo & Juliet” (2003) wieder. Auch das sollte man bei der Bewertung nicht vergessen. Auch muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden, dass bisher keinerlei Vorwürfe gegen Gunn vorliegen, die in irgendeiner Weise auch nur suggerieren würden, dass er sich jemals schlecht verhalten hätte. Es geht also “nur” um die Jokes.

James Gunn am Set von “Guardians … Vol. 2”.
( Foto: Chuck Zlotnick, © 2016 Marvel. All Rights Reserved.)

Auf der anderen Seite muss man sich aber auch nichts vormachen: Die alten “Jokes” von Gunn wurden natürlich nicht zufällig herausgekramt. Gunn kritisierte vor allem in den letzten Wochen Präsident Trump öffentlich auf Facebook und Twitter sehr scharf. Dass ausgerechnet konservative Blogger, die Trumps Politik verteidigen, diese Jokes nun veröffentlicht haben, ist natürlich kein Zufall. Sie geben es ja auch unumwunden zu und feieren ihren “Sieg”.

Dave Bautista, Darsteller des Drax, hat dies auch öffentlich zur Sprache gebracht.

Es gilt wohl als ausgeschlossen, dass Disney seine Meinung ändern wird, da schließlich der Chairman Alan Horn die Entlassung von Gunn höchstpersönlich kommunizierte und man Roseanne Barr wegen mehrere Tweets vor wenigen Wochen ebenfalls kündigte (ABC gehört zu Disney), weil man ihr unter anderem Rassismus vorwarf. Roseanne Barr, zu deren komödiantischen Merkmal die große Klappe seit Jahrzehnten gehört, entschuldigte sich zwar umgehend, aber hier forderte wiederum die links-liberale Seite den Rauswurf. ABC (Disney) folgte diesem.

Die politische Debatte in den USA ist vollkommen vergiftet und wird mittlerweile fast täglich von Vorwürfen und Beschuldigungen begleitet. Es geht kaum noch um Inhalte. Dies hat natürlich auch für Künstler folgen, die sich kaum noch trauen politisch Stellung zu beziehen (egal für welche Seite) oder ihre politischen Überzeugungen in ihren Arbeiten einfließen zu lassen. Die Gefahr: Kunstprodukte ohne Ecken und Kanten. Die großen Corporations sind natürlich nicht an Skandalen oder Diskussionen interessiert. Sie wollen unterhalten. Und zwar jeden zahlenden Kunden, egal aus welchem politischen Lager der Zuschauer kommt. Für die Kunst kann dies ein Desaster ein.

Markus Haage

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Über Markus Haage 2111 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!