Regisseur James Gunn von “Guardians of the Galaxy Vol. 3” gefeuert!

verfasst am 20.Juli 2018 von Neon Zombie

Wie der Hollywood Reporter berichtet, wurde James Gunn als Regisseur und Drehbuchautor von “Guardians of the Galaxy Vol.3” gefeuert. Disney-Vorsitzender Alan Horn gab dies heute in einem kurzen Statement bekannt:

“The offensive attitudes and statements discovered on James’ Twitter feed are indefensible and inconsistent with our studio’s values, and we have severed our business relationship with him.”

Marvel Studios, die die Guardians-Filme als Teil des Marvel Cinematic Universe (fortan: MCU) produzieren, gehört zum Disney-Konzern. Der Grund für Gunns Rauswurf: Er hat vor Jahren auf Twitter mehrere Tweets als “Joke” gepostet, die als Verharmlosung von Vergewaltigung gewertet werden.

(© James Gunn)

Der konservative Blogger und Autor Jack Posobiec hat diese unter dem Hashtag “#WalkAway” auf seinem Twitter-Profil veröffentlicht. Gunn gehört zur sogenannten Liberal Left von Hollywood und hat insbesondere die letzten Monate massive Kritik an Präsident Trump öffentlich geäußert. Damit machte er sich natürlich auch zur Zielscheibe von Unterstützern des Präsidenten. Die konservative Website The Daily Caller rief sogar dazu auf, Gunn auf der derzeit stattfindenden San Diego Comic Con mit den Tweets zu konfrontieren. Hier sollte er für Sony an einem Panel mitwirken. Sein Auftritt wurde abgesagt.

Als Kind von Troma, für die er auch das Drehbuch zu “Tromeo & Juliet” (2003) schrieb, ist Gunn für seinen derben, provokativen und plakativen Humor bekannt, der auch immer und immer wieder in seine Projekte einfloss, sei es in “Slither” (2006), “Super” (2010) oder “PG Porn” (2008). Dieser Humor besaß auch immer eine starke sexuelle Note. Aber es fällt sicherlich wirklich schwer, diese Art von Humor, die auf seinem Profil über mehrere Jahre von ihm gepostet wurde, zu verteidigen. Gunns Witze waren geschmacklos. Dies steht wohl vollkommen außer Frage. Man muss auch nicht versuchen für diese irgendwelche Ausreden zu finden. Auch braucht man kein Mitleid für Gunn empfinden. Er war damals bereits ein erwachsender Mann von 43 Jahren, der mit beiden Beinen voll im Leben stand und vorab mehrere Filmproduktionen stemmte. Sein gehobener Status in der Öffentlichkeit hätte ihm bewusst sein müssen. Und keine Produktionsfirma muss dies in ihrem Namen mittragen (wobei wiederum Disney als auch Marvel Studios Gunns künstlerische Vergangenheit auch bekannt gewesen sein sollte). Hätte ein normaler Angestellter solche Gags öffentlich gemacht, hätte es von seinem Betrieb dafür auch Konsequenzen gegeben, denn am Ende repräsentieren die Angestellten auch immer das Unternehmen. Des Weiteren besitzt es aber auch einen gewissen Beigeschmack, dass diese alten Tweets nun auf einmal von Trump-Unterstützern ausgegraben wurden, nachdem sich Gunn öffentlich sehr stark gegen die Politik des US-Präsidenten äußerte. Die grundsätzliche Kritik an Gunns Jokes ist natürlich vollkommen legitim, in diesem Kontext aber eben wohl keinerlei Zufall. Dass Disney hier aber eine Null-Toleranz-Politik fährt, dürfte nicht wirklich überraschen, auch wenn es schon eine kleine Sensation an sich darstellte, dass ein kontroverser Künstler wie Gunn als Regisseur überhaupt verpflichtet wurde. Er hat dem MCU einen neuen Drive gegeben und das Cosmic Universe überzeugend und unglaublich kreativ eingebettet.

James Gunn (Mitte) während der Dreharbeiten zu “Vol. 2”.
(Foto: Chuck Zlotnick, © Marvel Studios 2017)

Mittlerweile hat sich Gunn zu Wort gemeldet und sich öffentlich entschuldigt. So sagte er:

My words of nearly a decade ago were, at the time, totally failed and unfortunate efforts to be provocative. I have regretted them for many years since — not just because they were stupid, not at all funny, wildly insensitive, and certainly not provocative like I had hoped, but also because they don’t reflect the person I am today or have been for some time.
“Regardless of how much time has passed, I understand and accept the business decisions taken today. Even these many years later, I take full responsibility for the way I conducted myself then. All I can do now, beyond offering my sincere and heartfelt regret, is to be the best human being I can be: accepting, understanding, committed to equality, and far more thoughtful about my public statements and my obligations to our public discourse. To everyone inside my industry and beyond, I again offer my deepest apologies. Love to all.

Es gilt als ausgeschlossen, dass Gunn (trotz Entschuldigung) zurückkehren wird. Ob man sein Drehbuch für “Vol. 3” noch verwenden wird, steht noch nicht fest. Ursprünglich sollte Gunn die kosmische Seite des Marvel Cinematic Universe nach “Vol. 3” weiter ausbauen. Man kann davon ausgehen, dass dies nun auch nicht mehr geschehen wird. Für Marvel Studios ein kleineres Desaster, da “Vol. 3” bereits 2020 veröffentlicht werden sollte.

Neon Zombie

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