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Transformers: The Last Knight (USA, 2017)

verfasst am 24.Juni 2017 von Markus Haage

Nachdem bereits viermal die Erde durch ein außerirdisches McGuffin bedroht wurde, entschied sich Paramount Pictures nun die Erde auch noch ein fünftes Mal von einem außerirdischen McGuffin bedrohen zu lassen. Dafür krempelte man rückwirkend die gesamte Transformers-Mythologie um. Damit niemand Fragen stellte, wurden einfach im Minutentakt Explosionen gezündet oder in die Kamera geschrien.

Mark Wahlberg darf seinen Testosteron-Überschuss abbauen.
(© Paramount Pictures)

Ich mochte die Transformers-Reihe irgendwie immer. Sie besaß zwar ihre Ecken und Kanten (Stichwort: die furchtbare komplette erste Stunde von Teil 3), aber eben auch ihre Momente. Man denke nur an Bumblebees Cube-Szene im Hoover-Damm, die Wiederauferstehung von Optimus Prime in der ersten Fortsetzung oder die Landung der Transformers auf der Erde in Teil 1. Man kann sich dies ruhig mal als totalen Kontrast in Erinnerung rufen. Besonders besagte Szene von der Landung (siehe Video, ab 1:12 bis 4:56). Das versprühte noch einen regelrechten Sense of Wonder! Das waren schon fast spielberg’sche Momente! Ich mache auch keinen Hehl daraus: Ich liebe den Pathos! Optimus Prime als Anführer! Großartig! Kantige Reden, heroische Aufopferung! Dazu der fantastische Soundtrack! „For today, in the name of freedom, we bring the battle to them!“

Michael Bay während der Dreharbeiten.
(© Paramount Pictures)

Auch mag ich Bay. „Armageddon“, „The Rock“, von mir aus auch „The Island“! Bay war einer der bedeutendsten und einflussreichsten Action-Filmer der letzten 25 Jahre, der das Actionkino tatsächlich maßgeblich transformierte (*no pun intended). Auch wenn ich den vierten Teil namens „Transformers: Ära des Untergangs“ (2014) bereits als viel zu lang und dröge empfand, gab es auch hier wenigstens noch Ideen und Momente, die aufzeigten, was in der Serie steckte. Die außerirdischen Kopfgeldjäger die Jagd auf Optimus Prime machten? Eine großartige Idee, die in ihren Momenten auch großartig inszeniert wurde. Aber schon Teil 4 hätte den Wandel innerhalb der Reihe einleiten müssen, denn der Film war von der Idee tatsächlich anders, im Grunde sogar recht düster. Ein neuer Regisseur hätte das Zepter übernehmen und die Reihe in eine neue Richtung drängen müssen. Bereits nach Teil 3 konnte sich Bay in seiner Inszenierung nicht mehr toppen. Denn alles was man an den Filmen mochte und auch hasste, war hier im Übermaß schon vorhanden. Die hochstilisierten Action-Szenen, der herrlich-triefende Pathos, leider auch die infantilen und teils unnötig obszönen Gags, die vielen unwichtigen Nebenhandlungen sowie die überzogen-schrägen Charaktere, die nur in kleinen Dosen erträglich waren. Doch Paramount hielt an Bay fest. Warum auch nicht? Das Box-Office gab ihm Recht. Also machte er weiter. Unverändert. Und so kommt „Transformers: The last Knight“ nur noch wie eine schlechte Parodie der besten und auch schlechtesten Momente der vorangegangenen Filme vor. Alles, was gut war, gibt es im Überfluss. Leider auch alles, was schlecht war.

Den wird man nicht mehr los.
(© Paramount Pictures)

Eine echte Handlung gibt es nicht mehr. Die Charaktere werden wie Kugeln in einem Flipperautomaten hin- und hergeschossen. Von Texas nach Kuba über (und in) den Atlantik nach England. Die unterschiedlichen Settings dienen nur noch als Kulisse für kreative Shots, ringen der Story aber keinerlei erzählerischen Mehrwert mehr ab, weil sie schlichtweg inhaltlich nicht genutzt werden. Das nervt. Man fiebert mit den Charakteren nicht mit, weil sie einfach nur flach sind. Sie bieten dem Zuschauer nichts. Sie wachsen nicht. Sie existieren einfach und bekommen lediglich oberflächliche Charaktereigenschaften verpasst, die in der Regel nur als Vorlage für die unzähligen infantilen und flachen Gags dienen. Dies betrifft sogar einen renommierten Charakterschauspieler wie Sir Anthony Hopkins. Seine Rolle ist großartig, er hat auch seine Momente, wird aber selber von Bay in den Kakao gezogen. Am Ende läuft Hopkins nur noch durch das Bild, streckt den Mittelfinger und streitet sich mit seinem Transformers-Butler. Warum? Ich weiß es nicht. Er müsste eigentlich der zentrale Charakter sein, der die gesamte „geheime“ Historie der Transformers auf Erden hätte verbinden können, vielleicht sogar eine Art „Obi-Wan“ der Reihe. Ein bedeutsamer Charakter mit eleganten Flashbacks, emotionalen Momenten, spannenden Twists. Am Ende soll aber auch er nur einen Zweck erfüllen: Neue Settings präsentieren und die Reihe für ein Cinematic Universe vorbereiten. Das ist aufgrund des Schicksals von Hopkins’ Charakter regelrecht tragisch, da man bei diesen nichts mehr empfindet.

Jetzt wird auch noch bei der Artus-Sage geplündert…
(© Paramount Pictures)

„Transformers: The last Knight“ besitzt unzählige großartige Ideen und Momente, die nicht genutzt werden und nur noch als Vorlage für das Eyecandy dienen. Selbst die Artus-Connection funktioniert eigentlich (überraschend!) gut, wird von Bay aber inhaltlich nur als loser Aufhänger gesehen. Es ist mal was anderes. Das war’s. Die mittelalterliche Eröffnungsschlacht, die eigentlich wirklich bedrohlich und inhaltlich sehr bedeutsam wirken sollte, wird auch hier durch Parodie-Charaktere zerstört. Man kann diesen Opener sehr gut mit der Eröffnung von Ridley Scotts „Gladiator“ (2000) vergleichen, die ästhetischen Ähnlichkeiten sind sogar verblüffend stark. Aber selbst Scott wusste, dass diese epische Eröffnungsschlacht in seinem Film nur funktioniert, wenn die Charaktere vorab etabliert werden (wenigstens kurz), damit die Zuschauer auch eine emotionale Verbindung zu ihnen und zum Geschehen herstellen können. Selbst dies tut Bay nicht. Ganz im Gegenteil: Der erlösende Merlin wird sogar als versoffener Depp dargestellt, der ein Betrüger und kein Magier ist. Er kann dies auch ruhig sein, es wäre eigentlich auch ein charmanter Twist, aber die komödiantische Art und Weise passt nicht zur Situation im Film. Man wünscht diesem Deppen den Tod. Man fiebert eben nicht mit ihm mit. Aber es ist eigentlich auch egal. Der ganze Artus-Teil ist halt nur ein Aufhänger für die lärmende Action.

Optimus Prime, mal gut, mal böse.
(© Paramount Pictures)

Man sitzt verstört im Kino, weil nur noch gelärmt wird. Jeder Handlungsort dient nur als oberflächliches Bindeglied zwischen den einzelnen Actionszenen, die in ihrer Inszenierung redundant wirken. Man kennt es alles. Ein Déjà-vu jagt das nächste. Sogar die Explosionsblumen sind dieselben wie in den Vorgängerfilmen! Eine inszenatorische Steigerung war nach Teil 3 wohl auch nicht mehr möglich. Zumindest nicht für Bay. Er spult hier seine Routine ab, hat sich inszenatorisch und ästhetisch selber überholt oder gar verbraucht. Seine Action ist auf unglaublich hohem Niveau – nur wenige Regisseure können soetwas in dieser Qualität abliefern! – aber man kennt es bereits aus vier überlangen, vorangegangenen Filmen. Es gibt keine Überraschungen mehr. Es gibt keine Twists. Es gibt nur noch Lärm. Man langweilt sich. Man ist genervt. Die wenigen ruhigen Momente werden mit Nonsens von unbedeutenden Nebencharakteren gefüllt, wo man sich nach einer Weile fragt, was dies alles überhaupt noch mit der Handlung zu tun hat. Es wird nur noch Zeit mit flachen, obszönen Gags und schlechten Albernheiten geschunden, weil man dann eben doch nicht durchweg 140 Minuten Action zeigen kann. Es geht nichts voran und wenn es dann doch vorangehen muss, kommt irgendein Gimmick daher und die Charaktere werden zum nächsten Schauplatz zwangstransportiert. Am Ende des Films taucht sogar Megatron mit seiner Gang wieder auf! Warum? ICH WEIß ES NICHT! Zu meiner eigenen Überraschung hatte ich bereits vollkommen vergessen, dass er am Ende des ersten Drittels überhaupt eingeführt wurde, wo er in schlecht-kopierter „Suicide Squad“-Manier seine neue Truppe an Decepticons zusammenstellt. Sogar mit Einblendung der jeweiligen Namen. Warum? Keine Ahnung. Das sind nur noch Versatzstücke, lose Ideen, die aneinander getackert und in den Film gestopft werden.

Es darf zerstört werden.
(© Paramount Pictures)

Es gibt ein, zwei großartige Momente. Szenen, bei denen man das Gefühl hat, dass man aus diesem Franchise etwas vollkommen Neues machen oder man sich inhaltlich wirklich episch weiter entwickeln könnte. Beispielsweise als Optimus Prime zum ersten Mal nach Jahrhunderten die Stimme von Bumblebee hört. Das sind die Charaktere mit denen wir mitfiebern sollten. Hier gab es eine Entwicklung! Das hatte Herz! Das war Drama! Da gab es Emotionen! Es gab etwas für das es sich zu kämpfen lohnt! Eine echte emotionale Verbindung zwischen zwei Charakteren! Also für den Zuschauer auch etwas wofür es sich lohnen würde, mitzufiebern! Aber all diese Szenen und Momente gehen dann doch wieder im Lärm unter. Sie werden nicht konsequent weitergeführt oder weitergedacht. Sie existieren kurz und bleiben nutzlos liegen oder parodieren sich selber (Stichwort: Orgel). Selbst der größte innovative Twist, der bereits in den Trailern angekündigt wurde, – Optimus Prime wird böse – ist inhaltlich vollkommen wert- und damit sinnlos, weil man nichts darauf aufbaut. Aber es führt zu der von mir erwähnten Szene mit Bumblebee. Immerhin. Am Ende ist Bay aber wahrscheinlich gar nicht mehr daran interessiert eine Geschichte zu erzählen. Die Ideen bleiben Ideen, die letztlich nur noch die unglaublich redundanten Actionsequenzen aneinanderreihen sollen. Und das ärgert am meisten. Das Budget ist vorhanden, das Talent ist vorhanden, die Ideen sind vorhanden. Es gibt so viele tolle Momente innerhalb der ganzen Reihe (und auch in diesem Film!) und es wird immer und immer wieder brach liegen gelassen oder durch absurde Eigenheiten (schräge Nebencharaktere, infantiler Humor) zerstört.

Der ganze Lärm belästigt den Zuschauer nur noch. Ich war kurz davor, das Kino zu verlassen. Wenigstens für eine kurze Pause. Das meine ich ernst. Ich hatte einfach keine Lust mehr auf die redundante Action, die hysterischen Charaktere, die schlechten Sex-Gags, die erzwungenen Action-Pausen, die inhaltlich zu nichts führten. „Transformers: The last Knight“ ist ein Film, der mich schlichtweg nur noch genervt hat. Und das haben nicht mal schlechte Filme geschafft.

So sehr es mich fast schon schmerzt: Aber Bay sollte nun endgültig als Regisseur der Reihe zurücktreten. Er hat bewiesen, dass er den Filmen nichts Neues mehr abringen kann oder überhaupt will. Ein anderer Regisseur wird sicherlich keine so imposante Action inszenieren, aber dafür vielleicht endlich mal eine Geschichte mit echten Charakteren erzählen. Das Potential ist vorhanden.

Markus Haage

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Über Markus Haage 2118 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!