“Under ConTROLL”: Wie aus “Goblin 2” ein neuer Film wurde!

verfasst am 18.Oktober 2019 von Markus Haage

Die Geschichte um die deutsche Horror-Komödie “Under ConTROLL” wird immer bizarrer. Mittlerweile berichtet sogar die Bild über den rechtlichen Eklat hinter den Kulissen und die Stars des Films, wie etwa Désirée Nick, fetzen sich öffentlich auf Facebook. Was ist hier passiert?

Alles begann friedlich mit einer an sich schon schrägen, aber belustigenden Idee: “Under ConTROLL” sollte ursprünglich “Goblin 2” heißen und war als offizielle Fortsetzung des italienisch-amerikanischen Trash-Kultfilms “Troll 2” (1990) gedacht. Sogar mit offizieller Absegnung des “Troll 2”-Regisseurs Claudio Fragasso und unter Teilnahme des “Troll 2”-Hauptdarstellers George Hardy. Als Auffrischung der Trailer zum wahnwitzigen Kultfilm.

Für “Goblin 2” konnte das Produktionsteam sogar mehrere zehntausend Euro durch Crowdfunding einnehmen. Zusätzlich wurde der Film durch private Sponsoren und Bankkredite querfinanziert. Vor der Kamera versammelten sich bekannte Gesichter der deutschen Film- und Fernsehlandschaft: Helmut Krauss, Eva Haberman, Ralf Bauer, Lutz van der Horst oder Katy Karrenbauer. Die Dreharbeiten wurden erfolgreich beendet, doch der Film erblickte nie das Licht der Welt. Ursprünglich sollte “Goblin 2” im Jahre 2016 veröffentlicht werden. Zwischenzeitlich wurde ein erster Trailer veröffentlicht, der bereits einen neuen Titel verwendete. Was war passiert?

Die deutsche Produktionsfirma Merkurfilm, die hinter dem Projekt stand, musste anscheinend die Insolvenz während der Nachproduktion anmelden. Schauspielerin Eva Habermann, die auch im Film auftritt, kaufte über ihre Firma Fantomfilm GmbH die Rechte am Filmmaterial aus der Insolvenzmasse heraus, bearbeitete den Streifen für ein Release nach und veröffentlichte den Film nun unter dem neuem Titel “Under ConTROLL”. Die Umbenennung geschah wohl allerdings schon vorher, da man mit “Goblin 2” eine Fortsetzung suggerierte, die eigentlich keine ist oder vielleicht auch aus rechtlichen Gründen keine sein sollte.

Die Weltpremiere von “Under ConTROLL” fand im Oktober 2019 in den USA statt. Anschließend begann eine kleine Kino-Tour durch die USA, die unter anderem Städte wie Harrisburg oder Phildalphia umfassten, an der auch der Darsteller George Hardy teilnahm. Die ersten Reviews von us-amerikanischen Filmberichterstattern werden bereits ins Netz gestellt.

Man könnte nun meinen, dass die rumpelige Produktionsgeschichte letztlich ein glückliches Ende genommen hat und jeder sich freuen sollte, dass der Film noch veröffentlicht werden konnte, doch das Release von “Under ConTROLL” wurde vor allem von ehemaligen Cast- und Crew-Mitgliedern nicht zwingend positiv aufgenommen. Es gab anscheinend “Probleme” hinter den Kulissen, die weit über die Insolvenz von Merkurfilm hinaus gingen, und nun letztlich in zwei unterschiedlichen Filmfassungen resultieren, nämlich “Under ConTROLL” von Schaupsielerin Eva Haberman und “Goblin – Das ist echt Troll” von Regisseur Eric Dean Hordes.

Links: Das Poster zu “Under ConTROLL”. Rechts: Das DVD-Cover zu Hordes’ Version.
(© Fantomfilm GmbH, Eric Dean Hordes)

Eric Dean Hordes hat nun seinen Cut in Deutschland unter dem Titel “Goblin – Das ist echt Troll” auf DVD angekündigt, den man auf Amazon.de bereits vorbestellen kann. Hordes wurde in der Zwischenzeit von den Rechtsanwälten Habermans aufgefordert, den Vertrieb seines Cuts einzustellen, da er keinerlei Vertriebsrechte besitzen soll, allerdings ist der Film weiterhin auf populären Online-Plattformen zu bestellen (Stand: 24.10.2019, 14:17 Uhr). Anscheinend bemühte sich Hordes auf eigene Faust sogar um eine FSK-Freigabe. Das DVD-Cover suggeriert dies zumindest. Aber bei dem Release auf DVD soll es wohl nicht bleiben. Die BILD-Zeitung hatte zudem angekündigt, dass sie Hordes’ Version “Goblin – Das ist echt Troll” ab Freitag, dem 25.10.2019, für 48 Stunden streamen wird. Somit existieren nun offiziell anscheinend zwei Fassungen des Films.

(© Bild)

Der BILD-Artikel zum Release des Films wurde aber bereits einen Tag später offline genommen und ist derzeit nicht mehr abrufbar. “Goblin – Das ist echt Troll” ging nicht, wie angekündigt, um 12 Uhr online. Man kann nur mutmaßen, warum dies der Fall ist.

Mittlerweile tritt Regisseur Hordes auch in populären Web-Sendungen auf, um seine Version der Geschichte zu erzählen. Hierbei behauptet er, dass er von einem Privatdetektiv verfolgt, die Insolvenz absichtlich herbeigeführt und ihm sämtliche Arbeitsmaterialien zur Fertigstellung des Projekts entzogen worden.

Teile des Casts des Films springen ihm öffentlich bei und kritisieren auf Facebook (Wo auch sonst?) die Fantomfilm GmbH als auch Eva Habermann massiv. Unter anderem auch der verstorbene Schauspieler und Synchronsprecher Helmut Krauss, der dafür sogar eine Videobotschaft im Juni diesen Jahres produziert hat. Auch Schauspielerin Désirée Nick schoß öffentlich gegen die Fantomfilm GmbH. Laut der Berichterstattung des Online-Portals Web.de hatte man Nick Geld angeboten, damit sie unterschreibt, dass ihre Performance nun den neuen Rechteinhabern gehöre.

(© Désirée Nick)

Journalist, Drehbuch- und Romanautor Torsten Dewi hat als Erster auf seinem Blog Wortvogel.de über den Konflikt hinter den Kulissen geschrieben. Nehmt euch einen Pott Kaffee, die Geschichte beginnt hier, geht hier weiter, und hier und … hier … und … hier. Für seine Berichterstattung auf seinem privaten Blog Wortvogel.de musste Dewi auch auf seiner privaten Facebook-Seite Kritik von Cast- und Crewmitglieder einstecken, die dem Regisseur Hordes zur Seite stehen. Ihrer Meinung nach, sei Dewis Berichterstattung zu Nahe an Habermans Version der Vorfälle.

(© Jörg Steegmüller)

Wobei erwähnt werden muss, dass auch Unterstützer der Gegenseite sich nicht zurückhalten und Regisseur Hordes wiederum ebenfalls öffentlich kritisieren.

(© Christian Weber)

Für Außenstehende ist dies alles schwer zu beurteilen und es bleiben viele Fragen offen. Dies stellt somit letztlich nur eine ganz grobe Zusammenfassung dar, die keinen Wert auf absolute Korrektheit legen kann. Dazu widersprechen sich die Aussagen der jeweiligen Seiten teils zu sehr. Es bleibt zu hoffen, dass beide Seiten sich noch einigen und im besten Fall vielleicht eine Heimmedien-Version mit beiden Fassungen veröffentlichen können. Es wäre zumindest durchaus interessant, die unterschiedlichen Version sehen zu können.

Markus Haage

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Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!