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Nacht der reitenden Leichen, Die (Spanien, 1968)

verfasst am 25.Januar 2002 von Hellhaim

„Die Templer herrschten grausam über die ganze Provinz und kaum eine Jungfrau, die nicht dem blutigen Ritual zum Opfer fiel. Bis sie der König von Spanien unterwarf und vor Gericht stellte. Sie wurden gehängt und zur Schau gestellt, auf das jeder sehe, das Hexerei verboten sei. Die Krähen aßen ihre toten Augen und blendeten sie so bis zum jüngsten Tag.“

Was muss das Mittelalter grausam gewesen sein. Teufelsanbetende Templer gönnten sich durch Frauenfolter unendliches Leben – und kehren theatralisch als „DIE REITENDEN LEICHEN“ zurück! Was Kreuzritter außer Dienst zum Untod bewegt, bleibt dabei im Dunkeln…

(© Laser Paradise)

Sowie ihr untotes Alter Ego, die reitenden Leichen selber, die es bevorzugen durch finstere Burgruinen zu schleichen. Normalerweise bräuchte man den Film nicht „Die Nacht der reitenden Leichen“ nennen, da es mir zum einem fasst so erscheint, als wäre der Film tagsüber gedreht und im Nachhinein abgedunkelt wurden und, viel wichtiger, die Leichen reiten kaum. Die meiste Zeit schleichen sie. Also, sind es eigentlich die schleichenden Leichen. Oder um es abzukürzen, nur die Schleichen. Laut englischen Originaltitel („Night of the blind dead“) sind es eigentlich auch blinde Leichen. Jedenfalls liegt der Schwerpunkt nicht auf deren Reitkünste, sondern auf deren Stolpereskapaden – bedingt durch minus 20 Dioptrien, also blind.

(© Laser Paradise)
(© Laser Paradise)

Die Schleichen waren fiese Tempelritter, die aus purer Blutlust Menschen töteten. Am liebsten Jungfrauen, jedenfalls taten sie das, als sie noch ein bisschen frischer waren (so vor 800 Jahren). Das gefiel den örtlichen Justizbehörden natürlich nicht und sie wurden recht spektakulär hingerichtet. Ihre Augen haben die Krähen verspeist. Das hindert die galoppierenden Untoten aber nicht daran ihr Hobby fortzuführen. Sie verfügen jetzt nämlich über ein recht ausgeprägten Gehörsinn und finden ihre Opfer ohne Probleme, sogar ein Herzklopfen können sie hören. Und wer sind ihre Opfer? Nun, in diesem Film ist das ein Trupp von drei jungen Leuten. Zwei Frauen, ein Mann (70’er-Gigolo). Man kann sie jetzt schon denken, was passiert: da der Mann ein ganzer Schnurrbartträger ist, stehen natürlich beide Frauen auf ihn und es kommt zum Streit. Eine der Frauen springt daraufhin aus einem fahrenden Zug (WARUM?) und landet mitten in der spanischen Pampa. Die anderen Beiden kriegen das natürlich mit und machen sie sich auf die Suche nach ihr. In der Zwischenzeit macht es sich die eifersüchtige Tante in einem alten Schloss bequem (na, um welches alte Schloss wird es sich hier wohl handeln? Schepper, schepper…) und verbringt dort die Nacht. Und nun kommen sie: die Schleichen! Das Gekreische geht los und das Blut fließt…

(© Laser Paradise)
(© Laser Paradise)

„Die Nacht der reitenden Leichen“ hat all das, was einen guten, alten Untoten-Gruseler ausmacht: düstere Aufnahmen (nagut…abgedunkelt), alte Ruinen, coole Kostüme (1-A-Templerkutten und leere Augenhöhlen), stimmungsvolle Mucke, morbiden Charme und letztendlich auch etwas Spannung. Dazu herrlich trashige Genre-Elemente, von denen ich hier mal die besten im Film nenne:

1. Schreie
Die Opfer in diesem Film, manchmal auch die Untoten, haben im deutschen Synchron (ich nehme an auch im Original) derart lange Schreizeiten (minutenlang, was weiß ich) mit derart kitschigen Schreitönen, dass der Zuschauer vor Lachen mitprahlt.

2. Spannung
Frau flüchtet, will zur Tür – Tür zu! Frau macht Fenster auf – Zombiekopp im Weg! Frau will Treppe hoch – bleibt stecken! Frau ist starr vor Angst – wird umzingelt! Wie aus einem Lehrbuch. Eins zu Eins im Film übernommen. Wirkt heute herrlich vorhersehbar, es passiert genau das, was man erwartet. Köstlich.

3. Schleichen
Die Untoten dieses Films weisen nicht nur eine gute Kostümierung auf, sondern haben außerdem die Geschwindigkeit eines Steinkohlebaggers. Sie kriechen mit Schneckentempo auf ihr Opfer zu, das zwar locker flüchten könnte, aber lieber schreit und die Hände vorm Bauch angezogen hält, als ob sie Gelenkschmerzen hätten. Das ganze wirkt vor allem dann herrlich lustig, wenn sie minutenlang beim Rumwanken gefilmt werden. In anderen Szenen wiederum schlagen sie mit Schwertern auf Leute ein und springen blitzschnell vom Pferd. Ach ja, die Pferde sind im ersten Teil nicht als untot definiert, sollen es aber wohl sein. Sie wurden einfach mit grauen Decken überhangen und sind so schnell wie gewöhnliche Pferde. Trash, eben.
Musikalisch geht es in diesem Film so zu, wie man es von alten Horrorfilmen erwartet. Szenenbedingte Dudelmucke oder herrlich „schaurige“ Gruselmusik. Schauspieler und Statisten sehen nicht nur aus wie Stereotypen, sie reden auch so. Unnütze Dialoge und belanglose Unterhaltungen zeugen von einer vergangenen Filmepoche (die 70’er).

(© Laser Paradise)
(© Laser Paradise)

Fatality:
So muss ein richtiger Gruselfilm sein! Nicht gruselig, nicht spannend. Mit guten Zombie-Bedrängungs-Szenen. Daumen hoch für einen astreinen Grusel-Kracher!

Hellhaim

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