Hard Rock Zombies (USA, 1985)

verfasst am 24.März 2001 von Markus Haage

„Aus dem Grabe gelockt, wird gezombt und gerockt und die Menschheit geschockt.“

Schlägt man das große Buch des Trashsfilms auf (welches noch geschrieben werden muss), so findet man dort sicherlich Perlen wie die hier bereits besprochenen Werke „Troll 2“, „Beast Creatures“ oder „The Devil’s Sword“. Fälschlicherweise wird des öfteren behauptet, dass dies die Speerspitze des inflationären Trashfilms sei. Diese, auch von mir getroffene Aussage, muss ich nun wohl vollkommen revidieren, denn mit dem was „Hard Rock Zombies“ einem bietet, konnte niemand rechen. Niemand. NIEMAND!

(© VCL Communications)

Silent Rage sind die heißesten Newcomer der amerikanischen Hard-Rock-Szene. Ihre Mucke animiert die Jungs zum Head- und die Mädels zum Gangbangen. Kein Wunder. Bei Texten wie „Shake it up baby tooonight! Oh, come on!“ schmeißt jede Frau ihre Würde und ihren Schlüpper weg. Es sei denn sie sind Mütter und somit Teil der besorgten Moral Majority, die zumindest Smalltown, USA in den ’80ern fest in ihrer Zange hatte. Als Jesse und seine Kumpels im kleinen Bergstädtchen Grand Guignol ein Konzert geben möchten, sind die Stadtobersten erbost. Rock’n’Roll versaut den Charakter und „Rock’n’Roll-Musik soll ebenfalls unter bestehende Stadtverbote fallen – wie Zigeunerei, Zirkusveranstaltungen mit Nacktdarbietungen, Tür-zu-Tür-Verkauf von Intimartikeln und Bühnenwerken, die widernatürliche Handlungen provozieren – oder die amerikanische Außenpolitik in Frage stellen.“ – also werden die Schallplatten zerdeppert und das Konzert abgesagt. Doch Silent Rage stehen zu ihrer Mucke und machen das, was ECHTE Rocker eben so machen: die Stadt unsicher.

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Natürlich erzürnt dies die Stadtobersten nur noch mehr, doch zum Glück bietet ihnen ein kauziger, alter Mann an, in seiner Villa zu spielen. Mit Ausnahme der Tatsache, dass dieser Herr die Band zur Belustigung versucht umzubringen, wird das Konzert ein voller Erfolg (falls man sechs Zuschauer als Erfolg verbuchen möchte). Doch beim Mittagessen zeigt der alte Mann sein wahres Gesicht! Er ist nicht einfach nur ein alter, verwirrter Kauz, dem der Bart in der Suppe hängt – sondern Adolf Hitler (*donner*) in Person, der durch einen Deal mit Roosevelt nach Grand Guignol gezogen ist. Nun leuchtet am Essenstisch ein roter Knopf auf – das Zeichen für ihn zurück an die Macht zu kehren und als Einsteig eine flammende Rede zu halten…

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Wer denkt, diese doch sehr freie Übersetzung würde keinerlei Sinn ergeben, dem sei gesagt, das die Original-Rede auch nicht viel sinnvoller ist („Intellectuals tot! Amerikanische Schweine tot! Tot, tot – alles tot! We make pure, we make rein, we make strong! Tomorrow! Today! Today California, tomorrow the world!“). Hier hat das verantwortliche Synchro-Studio zwanghaft versucht, den Charakter Hitler audiotechnisch ins Lächerliche zu ziehen. Hört sich verständlich an, wäre aber unnötig gewesen – denn er ist lächerlich und kann hier von niemanden mehr ernst genommen werden. Er ist eine vollkommen absurde Slapstick-Karikatur im besten Troma-Stil, der von den Hard-Rock-Zombies einen auf die Glocke bekommt. Wer hier krampfhaft versucht historische Parallelen zur realen Persönlichkeit zu ziehen, hat zuviel Freizeit. Oder war Eva Braun etwa wirklich ein Werewolf? Denn mit im Gepäck hat Hitler sein geh- und denkbehindertes Weibsstück, das sich eben von Zeit zu Zeit in einen WEREWOLF im ROLLSTUHL verwandelt (bewaffnet mit einem sichtbar-stumpfen Film-Springmesser) und (gefühlte) 1273 Mal IN DIE KAMERA SCHREIT (ohne sichtbaren Grund!) – sowie seine kleinwüchsigen Enkel, von denen der eine ein deformiertes Gummimonster ist, welches sich zum Ende des Films selbst auffrisst (immerhin mit Messer und Gabel) und der andere versucht eine (lebende) Kuh zu verspeisen (ohne Messer und Gabel).

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Wer glaubt das alles sei an Absurditäten nicht mehr zu toppen, dem sei gesagt, dass dies nicht mal als Spitze des Eisberges bezeichnet werden kann…denn erst jetzt beginnt die eigentliche Handlung…

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Hitlers teuflischer Plan sieht nicht nur die Weltherrschaft vor, sondern die Ermordung von Silent Rage! Seine Untergebenen (eine Dauerwelle in Leggins, sowie eine kahlköpfige Hornbrille in schwarzer Uniform) führen den Befehl aus und die Band wird unter drei Zentimeter Blumenerde beerdigt – doch zum Glück hat Jesse vor seinem Tod eine Melodie aus dem Mittelalter aufgenommen, die Tote wieder zum Leben erwecken kann…

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Was jetzt kommt dürfte klar sein: zum Leben wiedererweckt, rächt sich die Band an Hitler und seinen braunen Kameraden, die sich ebenfalls in Zombies verwandeln und daraufhin Grand Guignol terrorisieren. Ein alter Kauz rät den Stadtbewohnern sich mit Plakaten von Köpfen zu bewaffnen, da Zombies ja bekanntermaßen ANGST vor KÖPFEN haben.

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Natürlich ist das Quatsch. Ergebnis der Aktion: totaler Mayhem. Letzte Hoffnung für die Stadt sind nun Silent Rage – die sich allerdings zwischenzeitlich als untote Rocker wieder auf Tour befinden…

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Ppppppfffffffffffffffffffffff… „Hard Rock Zombies“ ist knallhart. Wen man glaubt das Wildeste überstanden zu haben, kommt es noch dicker. Viel dicker. Der indische Regisseur Krishna Shah präsentiert uns in seinem letzten Werk als Regisseur (was’n Zufall…) eine Achterbahnfahrt des kineastischen Grauens – grauenhaft gut. Wenn man bedenkt, dass dieser Streifen eigentlich nur als Gag, als kleines und gewollt schrilles Intermezzo für Krishnas Teen-Comedy „American Drive-In“ geplant war, dann wundert einem nichts mehr, denn 90% des Films wirken arg improvisiert. Ansonsten kann man sich das Dargebotene, welches gegen jedweden Geschmack verstößt, nicht erklären. Nicht falsch verstehen – genau deswegen ziehen wir uns diesen Shit ja rein, aber man muss schon mit aller Macht darauf hinweisen, dass Werke wie „Die Grube des Grauens“ oder „Bionic Ninja – Formel des Todes“ im direkten Vergleich wie Oscar-Dramen wirken. „Hard Rock Zombies“ ist kein Trashfilm – es ist DER Trashfilm – untermalt mit dem wohl genialsten Soundtrack aller Zeiten.

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Damit der Film halbwegs auf eine abendfüllende Länge kommt, versuchte der Regisseur in bester Bollywood-Tradition mit vollkommen deplatzierten musikalischen Montagen von teilweise fünf Minuten Länge die Spieldauer auf 90 Minuten zu zwingen. Es hat funktioniert – zumindest in der Original-Fassung. Aufgrund seiner skurilen Hitler-Karikaturen wurden der Film in Deutschland derbe  zerschnitten – das komplette Finale fehlt. Wer allerdings vorhatte nun direkt in seine Videothek des Vertrauens zu stiefeln, um das Werk zu ergattern, wird wohl eh enttäuscht werden, denn „Hard Rock Zombies“ wurde 1986 in einer sehr geringen Verleihauflage nur auf VHS veröffentlicht – und ward seitdem nicht mehr gesehen…

Markus Haage

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Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!