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Galaxina (USA, 1980)

verfasst am 21.August 2010 von Markus Haage

„Ich fresse keine Gitter. Ich bin ein Steinfresser. Steinfresser fressen keine Gitter. Gitterfresser fressen Gitter. Steinfresser fressen Steine. Deswegen heißen wir auch Steinfresser, Arschloch!“

Space, the final frontier… to madness!

(© Crest Movies)

Im futuristischen Jahre 3008 segelt die Menschheit durchs Universum. Mit ihnen die Crew des Polizeikreuzers Infinity bestehend aus dem kalauernden Capt. Cornelius Butt, dem coolen Sgt. Thor, dem lockeren Cowboy Buzz, dem Alien Maurice, dem alten Chinesen Sam Wo und der Roboter-Braut Galaxina. Ihre Aufgabe ist es das Verkehrsaufkommen im Universum zu regeln. Ob die Jungs aber jemals eine Polizeischule von innen gesehen haben, darf bezweifelt werden. Denn eigentlich haben sie alles, was man für ihren Job bräuchte: einen interstellaren Raumkreuzer, Laserpistolen auf Photonenbasis und gar eine kybernetische Putzfrau. Doch ihre eigene Inkompetenz kann selbst das beste Inventar nicht wett machen. Und so trudeln sie durch die Weiten der Galaxis von Fettnäpchen zu Fettnäpchen.

(© Crest Movies)
(© Crest Movies)

Nachdem ein Drittel des Films, gefüllt mit seichten Humor, einigen Zoten und einer ordentlichen Portion Kalauer, abgerissen sind, bekommt die Crew den Auftrag den fulminanten Edelstein Blauer Stern vom Planeten Alter 1 zurückzuholen. Dieser besitzt nicht nur magische Kräfte, mit denen man zum Beherrscher des Universums befördert werden kann, sondern auch eine ganz besondere Anziehungkraft, die finstere Gesellen in seine Nähe treibt. Keine Frage, die Crew der Infinity muss hier ran. Nachdem sie einen lokalen Puff einen Besuch abgestattet haben, begeben sie sich in den 27-jährigen Tiefschlaf. Solange dauert ihre Reise nämlich. Doch auf Alter 1 angekommen müssen sie feststellen, dass nicht nur sie von der Existenz des Blauen Sterns wissen. Neben einer fernen Alien-Rasse, die Harley Davidsons anbetet, wäre da noch der schurkige Ordric, der sich nichts lieber wünscht, als Diktator der unendlichen Weiten zu werden…

(© Crest Movies)
(© Crest Movies)

Freunde, dies ist nur das Storygerüst, auf dem eine fulminante Reise durch die Weiten des Universums angetreten wird. Dieses Universum wurde auf zehn Kilotonnen Jux aufgebaut und das Drehbuch mit dem Blut von Fips Asmussen geschrieben. Anders lässt sich die Ansammlung an flachen Gags nicht mehr erklären. Wie flach? Wäre der Film die Erde, dann wäre die Erde eine Scheibe. Jetzt aber das Gute: hat man sich erst einmal an den Film gewöhnt, so regt er doch sehr zum Schmunzeln an. Es ist stellenweise schon so unlustig, das es eben lustig wird. Manchmal fragt man sich als Zuschauer sogar: Soll ich jetzt darüber lachen? Eigentlich sollte man es nicht tun – doch man muss. Es geht nicht anders.

Eine wirkliche Storyline ist – zumindest in den ersten 40 Minuten – nicht wirklich vorhanden. Die Crew dümpelt vor sich hin und versucht sich ihren monotonen Polizeidienst mit Albernheiten und Späßen spannender zu gestalten. Funktioniert in der Regel nicht, so dass alle Klischeecharaktere an Bord des Raumschiffs ganz nach ihrer charakterlichen Ausrichtung immer und immer wieder aneinandergeraten. Und somit die gesamte Unternehmung erst recht gefährden. Sie sind eigentlich zum Scheitern verurteilt, aber ihre eigenen Charakterzüge, die eben zum Scheitern führen sollten, sind es auch, die sie letztlich – auf vollkommen absurden Wege – zu Gewinnern machen. Quasi das Grundgerüst einer jeden 80er-Klamotte. Von „Revenge of the Nerds“ bis hin zu „Police Academy“. Hier bloß im Weltall. Somit kommt man auch nicht drumherum, in einem Atemzuge den Film „Krieg der Eispiraten“ zu nennen, der eine ähnliche Strategie verfolgt (MakeUp-MashUp und Joke-Choke), doch „Galaxina“ kam sechs Jahre früher heraus. Und im Gegensatz zu den Eispiraten, dürften die Köstumdesigner Galaxinas auf der Arbeit Drogen konsumieren und vollkommen ausrasten. Was hier rumrennt, hätte man nicht mal in die Irrenanstalt von Mos Eisley gelassen.

(© Crest Movies)
(© Crest Movies)
(© Crest Movies)
(© Crest Movies)
(© Crest Movies)
(© Crest Movies)

Natürlich hat man auch die beiden derbsten Merkmale – das wilde Kostümdesign und die flachen Zoten – miteinander verbunden. Aber wenn das passiert, herrscht beim Zuschauer Atemnot…ob im intergalaktischen Puff…

(© Crest Movies)
(© Crest Movies)

Capt. Cornelius Butt: „Auf Krypton 3 hatte ich mal eine, die sah aus wie ein verblödeter Büffel. Naja, wenigstens riechst du besser.“

…oder bei der Fütterung der inhaftierten Aliens mit Steinen.

(© Crest Movies)
(© Crest Movies)

Capt. Cornelius Butt: „Steinfresser! Wie geht’s dir denn, Fußabtreter?“
Steinfresser: „Der Tag war schon im Eimer bevor du gekommen bist, blödes Erden-Arschloch.“
Capt. Cornelius Butt: „Kennste schon den Neusten? Von dem Typen, wart’ mal, der in die Irrenanstallt kommt? Der fragt den Wächter, ob irgendwelche verrückten Ausländer entsprungen sind. Der Wächter sagt, nö – wieso? Sagt der Typ, jemand ist mit meiner Frau abgehauen! HAHAHA!“
Steinfresser: „Über den Witz würde nicht mal ein toter Mogu vom Stern Pogu lachen. Erzhäl’ mal deiner Mannschaft deine Witze. Das ist Folter! Das bring’ ich vor die Vereinten Galaxien! Ich hab’ auch ohne dich schon genug Probleme! Scheiße. Wirklich, was man hier alles mitmachen muss für das bisschen Essen.“

Highlight stellt aber ein gescheiterter Fluchtversuch der Crew dar, bei dem sie in ihrem eigenen Gefängnis hocken und Steinfresser zum Auffuttern der Gitterstäbe überreden wollen…

(© Crest Movies)
(© Crest Movies)

Sgt. Thor: „Das Gitter! Friss das Gitter!“
Steinfresser: „Ich fresse keine Gitter. Ich bin ein Steinfresser. Steinfresser fressen keine Gitter. Gitterfresser fressen Gitter. Steinfresser fressen Steine. Deswegen heißen wir auch Steinfresser, Arschloch!“

Das dies alles natürlich niemals das stabile Fundament eines ernstzunehmenden SciFi-Films hätte bilden sollen ist klar. „Galaxina“ war von Anfang an als Parodie geplant und dies ist im Grunde auch gelungen. Denn der Streifen persifliert alles, was das damalige Science-Fiction-Kino auszeichnete. Ob „Krieg der Sterne“, „Alien“ oder „Star Trek“, sogar Carpenters „Dark Star“ und Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ kommen zum Zuge UND der ostdeutsche Sci-Fi-Knaller „Der schweigende Stern“ (!!!). Eben alles was in den 70ern eine gewisse Popularität genoss, wird direkt veralbert oder zumindest zitiert. Die Frage ist bloß, war das alles Absicht? Wollen wir es nicht einmal aussprechen, es unterhält schließlich. Sehr gut sogar.

Fatality:
Warum „Galaxina“ es unter Trashfans so schwer hat, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Es ist eine kunterbunte, selbstironische Blödel-Fahrt durch die Tiefen des Weltraums und an den Rand des guten Geschmacks, die sich zu keinem Zeitpunkt ernst nimmt. Nicht jeder Gag sitzt, das ist klar. Wobei man aber sagen muss, dass gerade Humor von jeder Person vollkommen unterschiedlich aufgefasst wird. Aber wenn man sich erst einmal dran gewöhnt hat, prustet man um sein Leben.

Markus Haage

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Über Markus Haage 2118 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!