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Deep Space (USA, 1987)

verfasst am 5.Januar 2011 von Markus Haage

„Soll ich vielleicht dazu tanzen?“
- „Nein, aber vielleicht möchten sie sich dazu ausziehen...“

Doofes, matschiges Alien macht Radau. Im Grunde können wir hiermit schon zum Fatality schleichen…WENN ES NICHT SO FULMINANT INSZENIERT WÄRE!

(© Empire Video)

In irgendeiner Besenkammer versteckt sich die Forschungselite der US-Army. Umgeben von alten Rechner kontrollieren sie das neueste Geheimprojekt des Militärs. Der Lebenstraum des Mad Scientists Dr. Forsyth. Eine biologische Kampfwaffe, die vieles kann, aber vor allem eins: Menschen töten. Ist sinnvoll, schließlich soll es irgendwann im Felde feindliche Soldaten zerkloppen – ABER wir hätten hier keinen abendfüllenden Spielfilm, wenn nicht irgendetwas daneben gehen könnte. Denn die biologische Kampfwaffe, die auf einem Satelliten in der Umlaufbahn hockt, stürzt auf die Erde nieder. Nu’ haben wir den Salat. General Randolph will, dass der Kampfstoff sofort vernichtet wird. Mittels Knopfdruck scheint dieses möglich. Doch Dr. Forsyth denkt gar nicht daran. Sein Lebenswerk soll nicht einfach so den Weg allen irdischen Lebens gehen!

(© Empire Video)
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Dr. Forsyth: „Sie wollen, dass ich es vernichte? Wie sie befehlen. Das Programm kostete Millionen von Dollar!“
General Randolph: „Sagen sie das den Leuten von der Untersuchungskomission! Drücken sie die Knöpfe!“
Dr. Forsyth: „Also, dann lassen sie mich allein.“
General Randolph: „Okay. Und drücken sie die richtigen Knöpfe. Die Richtigen!“

Was prinzipiell bedeutet, dass es nun in freier Wildbahn alles zerdreschen darf, was sich ihm in den Weg stellt. Die ersten Opfer: ein neugieriges Pärchen, welches nicht widerstehen konnte, die Absturzstelle aufzusuchen…

(© Empire Video)
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Und wie der Leser gut erkennen kann: Die biologische Kampfwaffe hat sich weiterentwickelt! Aus einem dicken unförmigen Brocken schnellen nun Tentakel hervor. Und diese Tentakel hängen an einer großmäuligen Latex-Bestie (tritt später in Erscheinung). Somit haben wir es Schwarz auf Weiß: Die US-Armee hat ein Monster erschaffen! Oje.

(© Empire Video)
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Das bleibt nicht ohne Folgen: nachdem die ersten Opfer gefunden werden, nimmt sich die Polizei den merkwürdigen Vorkommnissen an. Man gut, dass wir uns in den 80ern befinden. Ein Jahrzehnt, in dem jeder Großstadt-Bulle Eier so dick wie Kirchenglocken zwischen den Beinen baumeln hatte. Von daher hat das Monster jetzt schon einmal ein mächtiges Problem: Detective Ian McLemore. Der hat zwar anfangs keinen Plan, was überhaupt vor sich geht, dafür aber auch keine Angst, es aufzuklären. Was bei den Leichenresten, die das Monster hinterlässt, nicht zwingend selbstverständlich ist. Zusammen mit seinem Sidekick Jerry macht er sich auf die Jagd,..

(© Empire Video)
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Jerry Merris: „Ian, wo zum Teufel steckst du?“
Ian McLemore: „Hier. Was ist los? Es ist 1.30 Uhr!“
Jerry Merris: „Aber nachmittags!“

…vorher darf er aber noch seine Kollegin Carla Sandbourn bei einem Rendevouz mit seinem Dudelsack beeindrucken. Und ja, es ist ein Trashfilm. Und nein, Dudelsack ist hier kein Synonym für die männlichen Geschlechtsteile. Er tritt hier wirklich mit einem Dudelsack auf. Gott weiß warum. Beachtung sollte man dennoch seinen unglaublichen Flirttechniken schenken. Der taffe Cop Ian McLemore weiß was er will und wie man es kriegt. Ohne Umschweife. Ohne Anstand. Ohne Probleme.

(© Empire Video)
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Carla Sandbourn: „Soll ich vielleicht dazu tanzen?“
Ian McLemore: „Nein, aber vielleicht möchten sie sich dazu ausziehen…“

Die Rumdudelei verschafft ihn somit Zugang zu Sandbourns Unterhose, das Monster lässt sich davon allerdings nicht sonderlich beeindrucken, denn das hockt weiter im Halbdunkeln und wartet darauf ahnungslose Passanten zwischen seine patschigen Klauen zu zermürben. McLemore steht vor einem Problem: wie will er dieses Monstrum nur besiegen? Ganz einfach: In dem man die Kräfte der Wissenschaft, der Astrologie und der modernen Baumfäll-Technik miteinander kombiniert…

(© Empire Video)

Gebt Fred Olen Ray 1,5 Millionen Dollar (nicht inflationsbereinigt) und er bastelt euch ’ne Trash-Kanone zusammen, die den geneigten Zuschauer vom Hocker feuert. Richtig gelesen, 1,5 Millionen Dollar machte man locker, damit ein gescheitertes Militärexperiment gescheiterten Existenzen einen gescheiten Scheitel ziehen kann. Und das Geld wurde wahrlich gut anglegt. Von der Leinwand grinst ein ungelenkiges Latex-Monster – mit Tentakeln und Patschhänden – welches jeden auffrisst, der zur Klischee-Gilde der Filmcharaktere gehört. Verliebtes Pärchen, alter Suffkopp – alles wird hier vom Monster weggefotzt. Generell spult der Streifen nur alle möglichen Klischees herunter, dies macht er aber zumindest auf sehr selbstironische Art und Weise. Anders kann man das Gezeigte auch nicht wirklich erklären. Oder Fred Olen Ray war besoffen. Auch möglich. Denn zur oben angerissenen Storyline gesellen sich noch weitere Absurditäten der abseitigen Filmwelt. Ob US-amerikanische Geheimdienstler oder Wahrsagerinnen mit Astro-Touch. Alles findet seinen Platz obwohl gar keiner da ist. Egal, irgendwie wird’s schon reingequetscht. Für den Filmfreund mit Geschmack von daher von äußerst hoher unterhaltsamer Ergiebigkeit.

Mag auch daran liegen, dass Olen Ray hier keine totalen Nulpen vor der Kamera rumlaufen lässt. Als Hauptdarsteller begegnet uns Charles Napier, der immerhin eine der vielseitigsten Schauspiel-Karrieren der Filmwelt besitzt. Fans von B-Movies dürfte sein kantiges Grinsen bestens bekannt sein. Ob im Insekten-Horror „Skeeter“, Endzeit-Trash „Future Zone“ oder Grusel-Slasher „Maniac Cop 2“ – der Napier war dabei. Aber genauso in „Das Schweigen der Lämmer“, „Philadelphia“, „The Manchurian Candidate“, „Rambo 2“ oder „Austin Powers“. Mit von der Partie ist ebenfalls der alte Schwede Bo Svenson. Immerhin der Original „Inglorious Bastard“. Jetzt weiß man schon einmal für was wenigstens ein Teil des Budgets draufging…denn ansonsten ist das nicht so wirklich zu erkennen.

Was wohl auch erklärt, warum der Rest mit teils brachialem Nonsens-Humor gefühlt wird, der im Grunde nicht wirklich humorig ist, aber es (paradoxerweise) somit eben doch ist. Ansonsten wird literweise Blut ans Set gekarrt um damit die Wände neuzustreichen. Denn der Streifen ist trotz seines FSK 18-Siegels wohl der König des Off-Screen-Todes. Entweder schreit jeder entsetzt in die Kamera oder das Blut wird von den Praktikanten gegen die Wände gefeuert. Der Film bietet somit trotzdem genug, um allen Lobhudeleien gerecht zu werden. Und wenn’s nur der geile Soundtrack ist. So wunderschön kann Eintönigkeit klingen.

Fatality:
Endlich mal wieder ein richtig straighter 80er-Trash-Knaller. Keine Orgien, einfach nur ein fettes Monster.

Markus Haage

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Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!