Avalon of Excalibur (USA, 1989)

verfasst am 13.Juli 2009 von Markus Haage

„Aradia! Aradia! Aradia!“

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. In der Annahme langsam aber sicher die Barbaren-Sektion mit allen Fantasy-Smashern bald ausgestattet zu haben (Sandalen-Streifen ausgeschlossen), durchstreifte ich ziellos fremde Gefilde und traute meinen Augen kaum. Auf der formschönen Internetseite Die-besten-Horrorfilme.de bot der Webmaster doch tatsächlich ein olles Tape an, welches zumindest vom Cover her an alte Trashzeiten mahnte. Eine barbusige Frau mit Zweihänder in der Hand. Noch besser. Der Titel „Avalon of Excalibur“ klang als ob er aus dem Titel-Bastelbuch für Trashfilme entstammte – erstens, weil er keinerlei Sinn ergab, und zweitens, weil er aus zwei bekannten Schlagwörtern zusammengekleistert wurde. Hmh. Ich raunte die Stirn und stellte fest: den Streifen kenn’ ich nicht! Zwar gibt’s immer noch den ein oder anderen Keulen-Kracher, den wir noch nicht reviewt haben (Stand Juli 2009: „Mächte des Lichts“, „Barbarians“, „Er – Stärker als Feuer und Eisen“,…), aber „Excalibur of Avalon“ schien wirklich Neuland zu sein. Ein Blick in die Unterhose der OFDB-Hure ergab auch nichts substanzielles. Also wagte ich den Sprung ins kalte Wasser: für sechs Euronen erkaufte ich mir dieses Werk und damit 90 Minuten fiesesten Trashs…

(© Spitfire Video International)

Der jute Owen stolpert durch den Forst, als er plötzlich die schmerzverzerrten Schreie einer jungen Dame wahrnimmt. Da er die beiden Erkennungsmerkmale eines 80ies-Fantasyhelden besitzt (Schwert auf’m Rücken und Haar im Nacken), hechtet er auch sofort los, um die arme Clothilde aus den Fängen einer umherwackelnden Wald-Sekte zu befreien…

(© Spitfire Video International)
(© Spitfire Video International)

Ein, zwei Schwerthiebe später ist die Truppe beseitigt, Clothilde befreit (und angezogen) und Keiran, Film-Komiker vom Dienst, nun Owens Sidekick-Buddy. Gemeinsam wandern sie zum Strand – denn: Clothildes Verlobter wurde von der fiesen Donner-Hexe Morgana (kann mit den Augen leuchten) entführt. Und diese wohnt auf einer abgelegenen Insel. Normalerweise würde man sich jetzt ein Boot schnappen und rüberpaddeln, aber nicht unsere Helden. Denn der alte Merlin (hockt am Strand) warnt sie davor. Also werden die zwei Kilometer Entfernung (geschätzt) in voller Kampfmontur geschwommen, dank moderner Schnitttechniken wohl nur 10 Meter. Aber das kühle Nass ist nicht die einzige Herausforderung, denn auf der Insel selber erwarten unsere Heroen Sumpfmonster,…

(© Spitfire Video International)
(© Spitfire Video International)

…sowie Zombies. Na,ja… Also… „Zombies“, halt.

(© Spitfire Video International)
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Als ob das alles noch nicht ausreicht, veranstaltet die fiese Morgana in ihrem Garten auch noch ein Kampfturnier auf Leben und Tod. Keine Frage, hier müssen unsere Hauptdarsteller auch noch mal ran, was sich allerdings nicht als sonderlich schwer erweist, da die Kontrahenten nicht mal ein Schwert halten können.

(© Spitfire Video International)
(© Spitfire Video International)

Aber böse Herrscher machen natürlich immer ihre eigenen Regeln und von daher ist es eigentlich vollkommen egal, wer beim Turnier wie abschneidet. Wenn’s dem Herrscher nicht passt, wird die Faktenlage geändert. So auch hier – und Owen wandert ab ins Kittchen…

(© Spitfire Video International)
(© Spitfire Video International)

Glücklicherweise schaut Merlin vorbei. Rest dürfte klar sein.

(© Spitfire Video International)
(© Spitfire Video International)

Michael Melsack, eigentlich Michael J. Murphy, dürfte selbst kundigen Trashfreunden kein Begriff sein. Der Großteil seiner Werke fand nie den Weg in die heimischen Videoplayer – was wohl daran liegt, dass der Großteil seiner Werke nicht mehr als 3.000 US-Dollar kostete (nicht inflationsbereinigt). Somit ist Melsack wahrer Independent-Künstler, der seine filmischen Visionen komplett aus eigener Tasche finanzierte – dazu gehört auch „Avalon of Excalibur“, der wohl irgendwie zwischen Saufgelage und Morgenkater entstanden ist. Von professioneller Filmkunst ist man hier meilenweit entfernt – der Streifen lässt selbst Italo-Kracher wie „Thor – Der unbesiegbare Barbar“ wie ein Oscar®-Anwärter aussehen. Und das ist positiv gemeint. Ohne Rücksicht auf Verluste scheucht Melsack seine Darsteller von Acker zu Acker um gegen untote Ritter, wabbelige Sumpfmonster und die eigene Filmlogik kämpfen zu lassen. Ab und an merkt man denselbigen Darstellern auch an, dass sie gar nicht wissen wo sie sich überhaupt befinden. Doch bevor sie ihre Gedanken vertiefen können, schmeißt Melsack auch schon wieder irgendwas in die Kamera, dass als antikes, furchteinflössendes Monstrum daherkommen soll. Highlights gibt es viele. So ungefähr 2822 (ein Highlight für jedes Frame). Die deutsche Synchronisation setzt noch einen drauf, das Wort „demotiviert“ stößt hier in Dimensionen vor, die noch nie ein Ohr zuvor gehört hat…

Michael J. Murphy – der Junge hat noch heißeren Kram gedreht. Alles reine Schlock-Produktionen (sprich: unter B-Movie-Qualität), alles (de facto) unveröffentlicht (VHS-Verleihveröffentlichungen in 1000er-Auflage anno 1990 zählen nicht). Da wartet noch einiges auf uns…

Fatality:
Hirnschmelzer. Hier kichert nur derjenige, der mehrere Jahre Trash-Wahnsinn durchlitten hat.

Markus Haage

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Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!