Galaxis der Gesetzlosen, Die (USA, 1988)

verfasst am 14.Dezember 2010 von Neon Zombie

„Diese Klons sind eine Kombination zwischen Lebewesen und Computer. Sie sind auf Selbstzerstörung programmiert.“

Ach, herrjemine. Hat’s die Erde mal wieder erwischt.

(© Buena Vista Home Video)

Im Jahre 2087 ist unser Planet de facto als unbrauchbar zu bezeichnen. Alle Ressourcen abgegriffen, alle Schlafplätze überbelegt, alles Gemüse gezupft. Umweltverschmutzung, Überbevölkerung und Unterernährung machen dem Homo Sapiens das Leben schwer. Anstatt dies aber zu ändern, entscheiden die obersten Indianer einfach ins Weltall zu düsen und einen neuen Planeten zu finden. Praktisch. Kann man den runterwirtschaften. Tut man es nämlich nicht – so behaupten es die klügsten Köppe der Erde – dann ist die Menschheit vom Aussterben bedroht (o.ä.).

(© Buena Vista Home Video)
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Also geht es mit dem Spaceship Earth Star Voyager ab in die unendlichen Weiten, um einen neuen lebensfähigen Planeten zu finden. Doch die Mission wird jäh unterbrochen, als man plötzlich Kontakt zu einem anderen Raumschiff herstellt. Eine außerirdische Lebensform jenseits unserer Vorstellungskraft? Überdimensionale Wesen mit der Weisheit von tausend Professoren? Vielleicht auch nur das Überbleibsel einer schon längst untergegangenen interstellaren Zivilisation? Nöööö, letztlich dann doch nur ein alter terrestrischer Wuselkopp…

(© Buena Vista Home Video)
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Sein Name: Captain Brown, ehemaliger Commander der Space Explorer. Ist vor ein paar Jahren mit dem gleichen Ziel wie die Earth Star Voyager ins All geknattert. Dann ging’s bergab. Übrig blieb nur Herr Brown. Nach dem Besuch beim Frisör, schaut er sich auf der Voyager erst einmal um, und muss feststellen, dass seine Ex-Freundin nun ein sprechender Computer ist (okay, ihr Geist wurde in den Computer verpflanzt – das biologische Pendant hängt weiter auf der Erde rum). Generell mutigt die Voyager eher wie ein Familientreffen an. Mit an Bord ist ein junges Blondchen deren Bruder bereits unter Captain Brown diente und starb. Der Erschaffer des Raumschiff-Antriebs scheint auch mit dem Brown verbandelt zu sein. Herrje, als ob da jemand ’ne Konfirmation feiert. Alle kennen sich, keiner kann sich leiden. Apropos: dies würde wenigstens zum Rest der Crew passen, ist doch das Gehirn der Gruppe ein 12-jähriger Junge, dessen Intelligenzquotient nicht mehr im messbaren Bereich liegt. Für den Zuschauer somit eine nervtötende Bratze.

(© Buena Vista Home Video)
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Dieser bunte Trupp – von dem immerhin das Schicksal der Menschheit abhängt – stellt allerdings nicht die einzige Ansammlung merkwürdiger Persönlichkeiten dar, die dem Zuschauer von der Mattscheibe grüßen wird. Nachdem die Voyager eine Weile durchs All getrudelt ist, stoßen sie auf einen künstlichen Satelliten. Und jetzt wird’s heiß. Dort fand im Jahre 2020 die sogenannte Welt-Expo statt – doch nach einer Kostenexplosion hat man den Satelliten einfach ins All geschossen – mitsamt der Expo-Mitarbeiter. Seitdem haben sie sich dort ihr eigenes kleines Refugium der Einsamkeit aufgebaut. Angeführt von einem sprechenden Schulterposter namens Vance. Dieser herrscht mit harter Knute (und einem blauschimmernden Armreif, der Laserstrahlen abschießen kann – praktisch).

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Und wenn er mal keine Gladiatorenkämpfe veranstaltet…

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…dann baut er sich kybernetische Kampfkolosse zusammen. Hmh. Vielleicht sollte mal jemand nach Hannover schauen. Gut möglich, dass dort mittlerweile etwas ähnliches von statten geht. Hab’ jedenfalls verdächtigt lange nichts mehr vom Expo-Gelände gehört…

(© Buena Vista Home Video)
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Unser heroischer Trupp kann glücklicherweise den Schergen des Expo-Satelliten entkommen. Gleichzeitig nehmen sie den leicht ramponierten Kampfroboter SJ-400 mit. Aus Mitleid. Aber vielleicht ist er ja noch zu irgendetwas zu gebrauchen, denn bereits eine dritte Partei (der Herr im blauen Pulli) hängt ihnen an den Fersen, die das Ziel der Earth Star Voyager verhindern will…

(© Buena Vista Home Video)

Zehn Storylines, von denen italienische Filmemacher ein ganzes Leben lang zehren könnten, werden hier von Disney mal flux in zwei Spielfilmstunden gepresst. Menschheit vom Aussterben bedroht, ab ins All, neuen Planeten finden. Altes Vorgänger-Raumschiff wird gefunden – mysteriös, mysteriös – einziger Überlebender schließt sich der Crew an. Die schmiert auf einem Satelliten ab, wird von Space-Barbaren bedroht und kann fliehen. Mit im Gepäck ein frustrierter Cybot, der später noch zur Bedrohung wird. Neben den eigentlichen Antagonisten, die, die Crew und ihre Mission total zerfotzen wollen. Puh. Kein Wunder, dass dieses Space-Adventure für B-SciFi unglaubliche zwei Stunden benötigt, um seine Geschichte herunterzurasseln. Dafür wird aber anscheinend alles wiederverwertet, was irgendwie einmal auf die Resterampe von Buena Vista befördert wurde. Ausrangierte Kostüme und halbdemolierte Requisiten bestimmen das Bild. Dazu Neonlichter, Haarspray und Creme-Make-Up. Und wenn irgendwas mal nicht halbwegs überzeugend daherkommt, wird einfach das Licht ausgeknipst oder die Nebelmaschine angeworfen. Kann unter Umständen für die Augen schon einmal recht anstregend werden, zu mal der Film sich (bisher) auch nur im schönst-schwammigen VHS-4:3 präsentiert. Egal, dafür haut der Soundtrack auf die Ohren.

Ansonsten bietet der Streifen recht viel von allem – aber nix substanzielles. Jedes Thema wird halb angerissen, dann schnell wieder fallen gelassen. Zugegeben: Es wird nicht wirklich langweilig, wenn man alle (gefühlte) fünfzehn Minuten das Thema wechselt. Aber dennoch hätte es dem Vehikel besser getan, etwas auf die Bremse zu drücken. Anstatt zwei Stunden einfach 80 Minuten. Anstatt 50 Plots einfach nur drei Killer-Roboter die alles kaputtschießen. Oder Space-Barbaren. Oder ein feindlich gesinntes Konkurrenz-Raumschiff. Irgendwas von alledem. Aber nicht alles auf einmal.

Fatality:
Teils recht hochwertig produziert, kommt der Film zu schnell in Fahrt und verliert dabei den Blick aufs Wesentliche. Dennoch: Für Fans des abseitigen Sci-Fi-Films der 80er Jahre ist es als Kuriosität zweifelsohne einen Blick wert.

Neon Zombie

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Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!