Zurück in die Zukunft (USA, 1985)

verfasst am 11.November 2010 von Markus Haage

„Kein McFly hat es bisher in der Geschichte von Hill Valley zu etwas gebracht!“
- „Ja, aber dann wird sich die Geschichte ändern!“

Tell me, doctor – where are we going this time? Is this the fifties? Or nineteen-ninety-nine? So take me away, I don’t mind. But you’d better promise me, I’ll be back in time!

Doc Brown und Marty. Visionär und Versuchskaninchen (unfreiwillig).
(© MCA/Universal Pictures)

1985: Marty McFly ist das was man als puren Durchschnitt bezeichnen kann – und er weiß, das er wohl nie mehr als Durchschnitt sein wird. Seine Noten sind mittelmäßig, sein Elternhaus typische Unterschicht, seine Rockstar-Träume nicht mehr als eben das. Nur eines unterscheidet ihn von sovielen unbekannten Gesichtern – seine Freundschaft zum Wissenschaftler Dr. Emmet Brown. Das niederschmetternde daran ist aber: Dr.Brown macht den Unterschied, nicht er. Denn Dr.Brown ist zweifelsohne ein verkanntes Genie, wobei dies mehr auf seine eigenbrödlerische Art zurückzuführen ist. Denn sein Leben hat er der Wissenschaft gewidmet – bereits in jungen Jahren arbeitete er an einer Gedankenlese-Maschine (mit mäßigen Erfolg) – so haben die schönen Seiten im Leben (Wein, Weib und Gesang) kein Platz. Und diese Passion soll sich auszahlen. Denn Dr.Brown steht kurz vor dem Durchbruch bei seinem neusten Experiment. Gelingt dieses, könnte es die Welt revolutionieren und grundlegend ändern: Reisen durch die Zeit!

Doc Brown: „Ich erinnere mich noch lebhaft. Ich stand auf dem Klo und wollte ’ne Uhr aufhängen. Der Beckenrand war nass, da rutschte ich aus und schlug hart mit dem Kopf auf. Als ich wieder zu mir kam, hatte ich eine Offenbahrung. Eine Vision. Ich hatte ein Bild in meinem Kopf. Ein Bild hiervon! Dieser Kasten macht Zeitreisen überhaupt erst möglich. Der Fluxkompensator! […] Ich hab fast 30 Jahre und das ganze Erbe meiner Familie gebraucht, um diese Vision wahr werden zu lassen. Mein Gott, ist das schon so lange her?! Seit damals hat sich hier einiges verändert.“

Der DeLorean: Zeitmaschine und Auto-Traum.
(© MCA/Universal Pictures)

Mit einem umgebauten DeLorean ist es ihm gelungen durch die Zeit zu reisen, ob in Zukunft oder Vergangenheit, es gibt keine Grenzen mehr. Doch leider benötigt eine Zeitreise eine Unmenge an Energie und so hat der gute Brown eine Horde libyscher Terroristen hintergangen, um an Plutonium als Energiezufuhr zu gelangen. Und die Terroristen wollen ihr Plutonium wiederhaben. Auf einem Supermarktparkplatz spüren sie ihn auf – genau in dem Moment, in dem er seine Zeitmaschine testet. Marty, als Zeuge mit der Kamera dabei, traut seinen Augen nicht: die Terroristen erschießen Doc Brown! In Panik rettet er sich in den DeLorean – und düst mit Vollgas davon, unwissend das er dadurch den Zeitsprung-Modus einleitet und zurück in die Vergangenheit reist!

Marty: „Doc, man geht nicht einfach so in den Laden an der Ecke und kauft ’ne Portion Plutonium! Haben sie das geklaut?“
Doc Brown: „Natürlich, von einer Gruppe Libischer Nationalisten. Sie wollten von mir ne Bombe gebaut haben. Ich hab das Plutonium genommen und ihnen ne wunderschöne Bombe gegeben. Randvoll mit Schrott aus alten Flippern!“

Um genau zu sein, ins Jahr 1955. Und als ob das noch nicht schlimm genug ist, verliebt sich seine Mutter in ihn, anstatt in seinen Vater, was letztlich die Auslöschung seiner Existenz zur Folge haben könnte. Auch das Plutonium für einen zweiten Zeitsprung ist aufgebraucht, eine alternative Energiequelle muss her! Probleme über Probleme, für dessen Lösung nicht viel Zeit übrig bleibt…

Eine Videobotschaft aus dem Jahre 1985…
(© MCA/Universal Pictures)

Doc Brown: „Marty, tut mir wirklich Leid! Aber die einzige Energiequelle, die im Stande ist 1.21 Gigawatt Leistung zu produzieren, ist ein Blitz!“

Der Zeitsprung ist geschafft!
(© MCA/Universal Pictures)

1985 konnte wohl niemand ahnen, dass eine der größten Blu-ray-Veröffentlichungen im Jahre 2010 eine unterbudgetierte Zeitreise-Komödie sein würde, in der eine jugendliche Mutter sich in ihren späteren Sohn verlieben würde. Doch das was heutzutage gemeinhin als Klassiker des 80er-Jahre-Kinos gilt und sich unweigerlich ins pop-kulturelle Gedächnis einer ganzen Generation einbrannte, wurde 1981, als Regisseur Robert Zemeckis und Autor Bob Gale das erste Drehbuch zum Film schrieben, nicht mal ansatzweise von den Filmstudios als ernstgemeinte Produktion angesehen, die auch nur einen Hauch von Erfolg haben könnte. Zwar sicherte sich Columbia Pictures die Erst-Options-Rechte, aber wohl auch nur weil sie sich eine zukünftige Zusammenarbeit mit Robert Zemeckis erhofften – aber nicht um eine, sagen wir mal, außergewöhnliche Komödie zu drehen, in der ein Teenager mit einem Kühlschrank auf einer Atombombenwelle durch die Zeit reist. Und wer sich nun fragt, was dies mit „Zurück in die Zukunft“ zu tun? Nun, alles. Denn im ersten Drehbuch wurde Marty McFly noch mit Pepsi-Cola und spaltbaren Material durch die Zeit gejagt, um dann auf einem Atombombentestgelände in einem Kühlschrank wiederzurückzukehren. Wie wir alle wissen, wurde das Drehbuch weiterentwickelt und verändert, denn schließlich liegen zwischen dem ersten Draft und dem fertigen Film ganze vier Jahre – dennoch blieb die Idee mit dem zeitreisenden Kühlschrank bis zur Vorproduktion erhalten. Lediglich aufgrund von Bedanken, dass Kinder den Film nachahmen und selber in einen Kühlschrank steigen würden, ließ man diese Idee wieder fallen. Dies war nicht die einzige obskure Idee, die letztendlich für einen vollkommen anderen Film gesorgt hätte. Executive Producer Sheinberg war gar der Überzeugung, man solle den Film in „Spaceman from Pluto“ umbenennen, da der eigentlich Titel zu einem sicheren Flop führen würde. Glücklicherweise ignorierte Steven Spielberg, in seiner Position des Executive Producers, diese Anweisung. Doch die größte Änderung fand erst während des Drehs statt, um genau zu sein, fünf Wochen nach Drehstart.

Eric Stoltz als Marty McFly.
(© MCA/Universal Pictures)

„Eric just didn’t have enough Marty McFly in him to make it believable. And he is intense, and he’s more of the method school of acting, and he’s a very internal actor, as opposed to a guy who has a lot of physicality to him. He does stuff with his eyes, and with his face, and he’s a real good actor – he made it into the finals because he is a good actor, but it just wasn’t coming across.“
Bob Gale im Interview mit VoicesfromKrypton.com

Ursprünglich spielte auf Wunsch von Producer Sheinberg Eric Stoltz die Hauptrolle im Film. Zemeckis’ und Spielbergs Favorit war von Anfang an Michael J. Fox, doch konnte dieser aus seinem Vertrag bei der Sitcom „Family Ties“ nicht heraus. Nachdem bereits rund 40% des Films abgedreht wurden, schnitt Zemeckis das Material zusammen und kam zu dem Entschluss, dass Stoltz für die Rolle einfach nicht geeignet sei. Ihm fehle die komödiantische Leichtigkeit, um den Film zu tragen – trotz seiner hohen dramatischen Qualifikationen. Nach einem kurzem Gespräch mit Spielberg und Sheinberg, wurde kurzerhand entschieden Stoltz zu ersetzen. Fox war zwar immer noch an „Family Ties“ gebunden, es konnte allerdings ein Deal mit der TV-Serie ausgehandelt werden, die es Fox ermöglichte, die Hauptrolle zu übernehmen.

„There was a certain type of people they were bringing in and Eric Stoltz came in and the scenes were playing better when he was playing it, but it wasn’t quite as light or comic. But he was a better actor than the other people that were coming in.“
Crispin Glover im Interview mit Zap2It.com

Mit Fox in der Hauptrolle wurde das Projekt neugestartet und entwickelte sich letztlich zu einem der wichtigsten internationalen Kassenschlager und Kultklassiker der 80er Jahre. Natürlich lag dies nicht nur an Fox – doch besaß er einfach die natürliche Leichtfüßigkeit die – zugegebenermaßen sehr absurde – Storyline zu tragen und damit auch für den Zuschauer glaubwürdig zu machen. Denn genauso wie der Zuschauer stürzt Fox unbeholfen ins Jahre 1955 und kann nicht glauben, dass er gerade durch die Zeit gereist ist. Für ihn ist das Jahr 1955 eine unbekannte Welt. Für ihn alltägliche Gegenstände und Redensarten existieren noch nicht oder sind ihm wiederum gänzlich unbekannt. Zemeckis und Gale spannen den Zuschauer bei diesem irrwitzigen Erfahrungstrip mit ein.

Marty: „Geben Sie, geben Sie, geben Sie… geben Sie mir ’ne Cola Light!“
Gastwirt: „Meinst du damit ’ne leichte Cola, oder was?“
Marty: „Na gut, dann geben Sie eben ’ne Pepsi Ohne.“
Gastwirt: „Ohne zu Bezahlen? Dann bist du hier aber falsch.“
Marty: „Geben Sie mir einfach irgendwas, wo kein Zucker drin ist, ok?“
Gastwirt: „Was, wo kein Zucker drin ist…“

Michael J. Fox konnte vor allem die Komik der absurden Situation übertragen.
(© MCA/Universal Pictures)

Die größte Stärke zieht der Film aber aus seiner Detailverliebtheit. Zemeckis und Gale haben sehr pingelig darauf geachtet, dass das in sich geschlossene Universum von Hill Valley nicht nur Sinn ergibt und in seinen eigenen Grenzen überzeugend funktionieren kann, sondern es auch mit zahlreichen eigenen kleinen Seitenhieben und Twists versehen. So sehen wir am Anfang des Films den Werbewagen eines Bürgermeisterkandidaten namens Goldie Wilson, der anscheinend um jede Stimme kämpft. Im Jahre 1955 ist es dieser Goldie Wilson, der als Putzhilfe im Cafe arbeitet und von Marty den Tipp bekommt, er könne sich ja mal als Bürgermeister bewerben. Die Twin-Pines-Mall, auf dessen Parkplatz Doc Brown den DeLorean testet, hingegen, wird zum Ende des Films zur Lone-Pine-Mall, da Marty bei seinem Zeitsprung eine der Pinien umgefahren hat. Dies sind wirklich nur die offensichtlichsten Änderungen, der Film ist voller liebenswerter Selbstzitate und Seitenhiebe. Diese Selbstzitate ziehen sich übrigens durch die gesamte Trilogie. Und sei es nur die Texaco-Tankstelle, die in unterschiedlicher Form ewiger Bestandteil von Hill Valleys Marktplatz ist.

Interessant ist hierbei auch der sozial-kulturelle Kommentar, den die Macher ebenfalls gekonnt einbauten. Der Marktplatz des Hill Valleys im Jahre 1985 wirkt alt und verlassen. Die meisten kleinen Geschäfte haben geschlossen. Im Jahre 1955 hingegen, ist er belebt. Kein Wunder, 1955 gab es ja auch noch nicht die Lone-Pine-Mall, das große Einkaufszentrum auf der grünen Wiese außerhalb des Stadtkerns, welches die Kundschaft aus der Stadt herausgezogen hat. Eine traurige Entwicklung, die mittlerweile wohl auch jeder deutsche Kleinstädtler kennt. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle übrigens auch noch den Marktplatz an sich, der die Form eines Fluxkompensators aufweist. Ein weiterer versteckter Seitenhieb – denn es ist der Marktplatz von Hill Valley an dem alle Charaktere zusammenkommen und an dem die Geschichte sich maßgeblich verändert. Quasi der Ankerpunkt der gesamten Trilogie. Aber schiebt man selbst alle diese kleinen Dinge beiseite, die den Film immens bereichern, so bleibt immer noch eine äußerst unterhaltsame und liebevoll geschriebene Geschichte übrig. Es gibt kaum eine Sekunde des Films, die überflüssig wirkt. Die Schauspieler scheinen – trotz des Hauptrollen-Fauxpas – für ihre Rollen geboren zu sein. Die Musik von Alan Silvestri komponiert, darf mittlerweile selber als Klassiker für sich stehen und den Test der Zeit, hat der Streifen als Gesamtwerk bereits überstanden. Und welches Kind der 80er bekommt bei dem Filmtrailer keine Gänsehaut und erinnert sich nicht daran, wie es auf einem imaginären Skateboard am Bettpfosten der Eltern hing?

Markus Haage

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Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!