Hollywood unter Feuer: “The Hunt” angeblich auch aus politischen Gründen zurückgezogen

verfasst am 15.August 2019 von Markus Haage

Nach den beiden Amokläufen/Massakern in Ohio und Texas hat Universal Pictures die Veröffentlichung von Damon Lindelofs “The Hunt” verschoben. Der Film handelt von einem Urlaubsparadies indem Menschen wie Tiere gejagt werden dürfen. Das Konzept, das auf der Kurzgeschichte “The most dangerous Game” von Richard Connell aus dem Jahre 1924 basiert, ist nicht neu und wurde in unterschiedlicher Form über Jahrzehnte schon zig mal verarbeitet. Man denke nur an “Graf Zaroff – Genie des Bösen” von 1932 oder an “Der Sonne entgegen” (1956), “Harte Ziele” (1993) und “Surviving the Game – Hetzjagd durch die Hölle” (1994). Der Twist des aktuellen Films: Liberale (“linke”) US-Bürger können in “The Hunt” Jagd auf konservative Mitbürger machen und diese vorab aussuchen. Abtreibungsgegner, Waffennarren, fundamentale Christen? Alles auf Wunsch möglich. Diese werden entführt und in Ungarn in einem abgeriegelten Gebiet, dass den USA nachempfunden wurde, gejagt.

Die Jagd beginnt.
(© Universal Pictures)

Der Film versteht sich natürlich als bitterböse Satire, dies scheint aber wohl nicht jedem potentiellen Zuschauer klar zu sein. Da die Idee zum Film von Damon Lindelof, Schöpfer von Serien wie “Lost”, “The Leftovers” oder der neuen “Watchmen”-Adaption, stammt, kann man sicherlich davon ausgehen, dass der Streifen noch einen zusätzlichen Twist parat hält.

Jetzt wurde durch das Branchenblatt The Hollywood Reporter bekannt, dass es noch weitere Gründe für die Verschiebung des Release geben soll. Angeblich erhielten Verantwortliche des Studios Todesdrohungen per E-Mail als auch in den sozialen Netzwerken. Bereits Präsident Donald J. Trump äußerte sich in bekannter Art und Weise auf Twitter, sprach von “racist Hollywood” und vor der Presse negativ über die Produktion. Wobei angemerkt werden muss, dass er zwar nicht explizit “The Hunt” erwähnte, aber dies der einzige aktuelle Film ist, der in das Muster passt.

Selbst der rechtskonservative Sender Fox News, dessen Talking Head und Pundit Sean Hannity sehr enge Beziehungen zu Präsident Trump besitzt – beide sollen täglich miteinander telefonieren -, scheint diese Connection gesehen zu haben und feuerte vorab gegen das Werk.

Natürlich war dem Sender das gesamte Thema eine Berichterstattung auch in anderen Programmen wert. Hier traten sogar Schauspieler wie etwa Robert Davi, ein bekenennder Konservativer, auf.

Nach den Amokläufen in Dayton, Ohio, und El Paso, Texas, soll laut IndieWire.com bereits am 5. Juni die Entscheidung getroffen worden sein, den Film nicht wie geplant am 27. September in den USA zu veröffentlichen. Werbebanner wurden demnach bereits auf dem Universal-Studiogelände abgenommen. Ein Test-Screening am 6. Juni bestätigte wohl daraufhin die Entscheidung. Teile des Test-Publikums reagierten wohl negativ oder gar aufgebracht. Dies ging anscheinend nicht auf die bloße inhaltliche oder inszenatorische Qualität des Werks zurück, sondern einzig und allein auf die politische Ausrichtung.

Sollte dies tatsächlich stimmen, dann wäre es ein weiterer Beleg dafür, wie sehr selbst die großen Studios mittlerweile auch künstlerisch unter Feuer stehen und selbst so simple und bereits zig tausendfach umgesetzte Stoffe wie “The Hunt” nicht mehr ohne Gegenwind produzieren können. Dies könnte aufgrund des ökonomischen Drucks letztlich dazu führen, dass satirische, inhaltlich kontroverse, herausfordernde oder anstößige Werke wie “The Hunt” eben kaum noch eine Chance haben, von einem großen Studio vertrieben zu werden.

Markus Haage

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