DC gegen Marvel

verfasst am 8.Juni 2011 von AFMBE

Eine Superhelden-Comic-Tradition ist das Beat ´em Up Prinzip. Klassiker wie „Hulk vs. Wolverine“ oder „Spawn vs. Batman“ sind dabei erwähnenswerte Referenztitel, die auch tatsächlich etwas zur Handlung der jeweiligen Einzelreihen beitragen und somit keine reine Prügelorgie darstellen.

(© Dino Entertainment AG)

In der Hoffnung den olympischen Gedanken des Wettkampfs auch auf ihre Universen zu übertragen, entschlossen sich die beiden Comicgrößen Marvel und DC in Mitte der 90er Jahre dazu, ihre Heroen in einem großangelegten Kampf gegeneinander antreten zu lassen – der kreative Name dieses Megaevents:

DC gegen Marvel
(oder im Englischen ebenso ideenreich DC versus Marvel/Marvel versus DC).

Diese kreative Namensgebung deutet bereits eine gewisse Schlichtheit der Handlung an. Das Ereignis letztendlich vernünftig zusammen zu fassen fällt mir schwer, da sowohl zwischen den Handlungsorten als auch den Protagonisten ständig gesprungen wird. Es gilt: Hauptsache alle eierlegenden Wollmilchsäue der jeweiligen Verlage lassen ihre Latexunterwäsche in einem der Bilder aufblitzen. Rezensiert wird hier der deutsche Sammelband „DC gegen Marvel – Sonderband 2“ von Panini aus dem Jahre 1998. Er enthält die Ausgaben 1 bis 3 und 7 der deutschen Reihe – was im Original Marvel vs. DC Ausgaben 1 bis 4 entspricht. Obacht, liebe Leser, es folgen Spoiler!

Mehr oder weniger wurde sogar versucht Handlung in dieses 160-seitige Epos zu integrieren. Rahmenhandlung sind ein roter und ein blauer Typ, die beide wie Statisten aus Tron aussehen. Diese beiden stillen Herren verkörpern die beiden Comicuniversen und gehen (außerhalb des bekannten Kosmos) aufeinander los. Folglich brechen die Grenzen der Realität zusammen und es kommt zu Kämpfen zwischen den Stärksten Kontrahenten der jeweiligen Universen, eben weil es nur eine Welt geben kann – klingt logisch, oder? Es gibt jedoch auch einen „Superhelden“, der sich zu einer Art Wächter und Gatekeeper entwickelt: Access. Kein Hintergrund, keine ernsthafte Rolle, daher vollkommen belanglos. Genauso überflüssig wirkt die Romanze zwischen Jubilee und Robin und die Zusammenarbeit von Peter Parker und Clark Kent. Da wurden wertvolle Seiten verschwendet.

(© Dino Entertainment AG)

Aber konzentrieren wir uns in guter Mortal Kombat Manier auf das Wesentliche:

Thor versus Captain Marvel
Oh Götter, schenkt mir Kraft! Thor schlägt mit Mjölnir die geborgten Kräfte des Olymps aus Captain Marvel.
Sub-Mariner versus Aquaman
Aquaman lässt ´nen Wal auf den Sub-Mariner springen … ´nen Wal, ganz recht.
Quicksilver versus Flash
Auf die Plätze. Fertig. LOS! Flash muss während des Kampfes noch ein Menschen vor einem Feuer retten. Ob dieser edlen Tat lässt Quicksilver einen Moment vom roten Blitz ab, was diesem natürlich für ungefähr hundert schnelle Schläge ausreicht.
Silver Surfer versus Green Lantern
Eine grelle Explosion im Weltraum – und eine Laterne weniger.
Elektra versus Catwoman
Endlich fliegen mal ein paar Messer durch die Gegend – Elektra macht die Katzenfrau fertig.
Wolverine versus Lobo
Der Meister des Frägg wird in einer intergalaktischen Weltraumbar vom Vielfraß zerhackt.
Storm versus Wonder Woman
Obwohl Wonder Woman im Velrauf der Reihe Thors Hammer gefunden hat, hat sie keine Chance gegen eine leibhaftige Göttin.
Spider-Man versus Superboy
Der Superman-Klon segelt an Spider-Man vorbei – mitten in einen Stromkasten. Anscheinend reicht das bisschen aus, um ihn zu Boden zu schicken.
Hulk versus Superman
Ein ehrlicher Kampf, mit ehrlichen Fausthieben mitten ins Gesicht, aber am Ende wird der grüne Riese in einen Berg geschlagen (welcher dann auf ihm einstürzt).
Captain America versus Batman
Die Beiden kämpfen in einem Kanal und als der Kanal geflutet wird, muss Batman Herrn Amerika aus dem Wasser ziehen … zu dieser albernen Zusammenkunft sage ich mal nichts.

Was hat diese Geschichte nun gebracht?
1. Einen neuen Superheldenspielplatz: das Amalgam-Universum. Hier sind die Helden und Schurken aus beiden Universen miteinander verschmolzen. Batman und Wolverine sind zum Beispiel zu Dark Claw geworden.
2. DC und Marvel haben an den vielen, vielen neuen Comicverschmelzungen viel, viel Geld verdient.
3. Ich hingegen habe Zeit und Geld verschwendet.

Die Kämpfe sind nicht länger als drei Seiten, was dazu führt, dass manche Kämpfe einfach verheizt werden. Ganz besonders sind da Green Lantern gegen Silver Surfer und Wolverine gegen Lobo zu erwähnen. Bei Erstgenanntem reden wir immerhin von zwei Cosmic Power Superhelden – da kann man doch wohl auch mal etwas Episches wie einen explodierenden Planeten oder implodierende Sonnen erwarten, aber nein, nichts dergleichen. Ein Panel zeigt eine silbern-grüne Explosion und nur der glatzköpfige Surferdude steht noch – langweiliger ist nur Effi Briest.
Ähnlich sieht es bei Lobo gegen Wolverine aus. Die Location einer Weltraumkneipe ist zwar gut gewählt, aber dass der Kampf dann hinter einem Tresen stattfindet und kaum etwas gezeigt wird, enttäuscht auf ganzer Linie. Wozu lässt man sie gegeneinander antreten, wenn man nichts zeigt? Insgesamt wird den Kombattanten nicht genügend Raum gelassen, was die Atmosphäre des Spektakels vollkommen abtötet.

So gewinnt Marvel mit 6 zu 5. Davon wurden fünf Kämpfe (Superman/Hulk, Superboy/Spider-Man, Wonder Woman/Storm, Lobo/Wolverine, Batman/Captain America) von den amerikanischen Fans entschieden. Leider konnte ich nicht herausfinden wie hoch die Beteiligung war und wie genau die Abstimmungsergebnisse waren.

Fatality:
Wer Schlägereien mag, sollte lieber die alten Bud Spencer und Terrence Hill Filme anschauen… die sind witziger, kreativer und vor allem tiefsinniger.

AFMBE