Dead hate the Living!, The (USA, 2000)

verfasst am 4.Oktober 2009 von Odo

„Denk’ nach. Was würde Bruce Campbell tun?“

Wer bei Sichtung des Filmtitels hellhörig wird und gewisse Parallelen zu einem Zitat aus „Bride of Frankenstein“ erkennt, ist hier goldrichtig. Denn kein zweiter Zombie-Streifen verlangt dem Zuschauer mehr Expertenwissen ab als:

(© WVG Medien GmbH)

David, eingefleischter Horror-Fan und Hobby-Filmer, hält sich für den legitimen Nachfolger von George Romero. Was also liegt näher, als den Einstand ins Regie-Handwerk mit einem klassischen Zombieklopper zu zelebrieren? Da trifft es sich gut, dass auch sein ähnlich untalentierter Kumpel Paul dem Größenwahn verfallen ist und eine steile Karriere im Filmbusiness anstrebt. Allerdings nicht als Regisseur, sondern als Effekte-Guru. Paul saut sein näheres Umfeld nämlich bevorzugt mit Plastik-Gedärmen und Kunstblut ein und betrachtet sich vor seinem inneren Auge bereits als die zukünftige Reinkarnation Tom Savinis. Dass er bis zu seinem herbeigesehnten Karrieresprung noch kleine Brötchen backen muss, ist jedoch selbst Paul klar, also steht er erst mal dem guten David bei dessen Projektrealisierung zur Seite. Unterstützt werden die beiden Geeks von einem kiffenden Rastaman (Kamera), einer taffen Blondine (Mädchen für alles), einem männlichen Komparsen-Duo (Zombie-Statisten) und zwei Schwestern, die sich gegenseitig die Hauptrolle streitig machen.

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Da sich das Budget quasi im nicht existenten Rahmen bewegt, müssen für die Gore-Effekte Hämorrhoiden-Salbe, Gleitcreme, Kondome (trocken, ohne Geschmack) und ähnliche Kuriositäten herhalten. Man ist ja flexibel. Und auch dass kulissentechnisch keine großen Sprünge machbar sind, tangiert David nur peripher. Dann werden die Dreharbeiten eben in ein verwaistes Krankenhaus verlegt, das mit seinem beklemmenden Charme die perfekte Grusel-Kulisse zum Nulltarif bietet.

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Aber es kommt noch besser: In den Tiefen des Bauwerks stößt die Crew auf einen geheimnisvollen Metallsarg, der praktischerweise auch gleich den dazugehörigen Leichnam beinhaltet. Hinüber ist der Kerl ja schon, wozu also die Ordnungshüter auf den Plan rufen? Viel naheliegender ist doch, die aufgefundenen Utensilien gleich in den Film mit einzubauen. So spart man neben Theaterschminke auch noch Personalkosten. Nicht ohne Grund gelten Tote gemeinhin als sehr ökonomisch im Unterhalt, zumal sie sich auch nie beschweren, wenn’s beim Dreh wieder etwas länger dauert.

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Dieses unchristliche Vorhaben erweist sich im Nachhinein jedoch als Schnapsidee, da der Sarg de facto als Übergangsportal in eine andere Dimension fungiert, aus der die Toten wieder ins Leben zurückkehren. Da überrascht es dann auch nur mäßig, dass die für die Dreharbeiten missbrauchte Dekoleiche plötzlich wieder sehr agil wirkt und als Mitbringsel ein paar äußerst menschenunfreundliche Ghouls im Handgepäck hat.

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Bei dem Wiedererweckten handelt es sich um den durchgeknallten Dr. Eibon (*hihi*), der sich vor seiner Karriere als Untoter der Wissenschaft verschrieben hatte. Vorherrschendes Ziel seiner Forschungen war – Überraschung – die Erweckung der Toten, nachdem sein geliebtes Eheweib erkrankte und frühzeitig in die Grube fahren musste. Tragisch. Nun ja, die Auferstehungs-Kiste ist ihm letztendlich auch gelungen – blöd nur, dass er unmittelbar darauf von seinen eigenen Schöpfungen dahingerafft wurde und nun als hüftsteifer Rob Zombie-Verschnitt mächtig Hass auf die Lebenden schiebt. Ausbaden müssen das jetzt David und seine Freunde, die sich in den düsteren Untiefen des alten Sanatoriums einen gnadenlosen Showdown mit Dr. Eibon und Konsorten liefern…

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Bei „The Dead hate the Living!“ scheiden sich die Geister, soviel steht fest. Die Einen loben den Streifen über den grünen Klee, während die Anderen nur angewidert die Nase rümpfen. Das liegt in erster Linie daran, dass es sich hier um ein Machwerk von Horrorfilm-Fans für Horrorfilm-Fans handelt. Und das erkennt eben nur ein Gleichgesinnter, da „TDHTL“ randvoll ist mit Anspielungen aufs Genre. Da zitieren die Protagonisten aus „Geisterstadt der Zombies“, da wird einschlägigen Regisseuren und Darstellern gehuldigt und im Kampf gegen die Untoten Waffen verwendet, die horror- und splatter-gestählten Genossen wohl bekannt vorkommen dürften. Und wer ganz genau hinsieht, entdeckt im Hintergrund schon mal ein dezent platziertes Utensil aus diversen Genre-Klassikern. Für die Kenner unter uns ist das natürlich eine helle Freude. Fürs 08/15-Publikum mangels Durchblick aber eher ermüdend. Damit Ihr versteht was ich meine, folgend ein paar Dialog-Beispiele:

David: „Das ist Eric. Er wird mal der nächste David Warbeck!“
Nina & Eric: „Wer?“
Paul: „David Warbeck! Der Typ war der zombie-abschlachtende Held in ’The Beyond’!“
Nina: „Wenn dieser Schauspieler so toll ist, wieso haben Eric und ich dann noch nie etwas von ihm gehört?“
David: „Tja…also…offensichtlich seht Ihr Euch nicht genug Horror-Filme an. Glaubt mir, die Kenner der Szene wissen, wer David Warbeck ist!“
Nina: „Soll das vielleicht heißen, dass, wenn Eric seine Karten richtig ausspielt, möglicherweise irgendwann mal eine besessene kleine Gruppe von Leuten wissen wird, wer er ist?“

Die Diskussion um Erics Karriere-Chancen im Horror-Business und Erics Unkenntnis über die Helden der Szene entwickelt sich im Laufe des Films zu einem Running Gag:

David: „Vertrau’ mir, du wirst mal der nächste Dick Miller!“
Eric: „Wer ist Dick Miller?“

(Dick Miller kennt man aus zahlreichen Roger Corman-Streifen und ist spätestens seit seinen Auftritten in „Gremlins“ und „Gremlins 2“ auch der breiten Öffentlichkeit ein Begriff.)

Und so geht das dann in einer Tour:

David (während er von Zombies gejagt wird): „Denk’ nach. Was würde Bruce Campbell tun?“

Marcus (nach einem von Paul für die Dreharbeiten inszenierten Kopfabreiß-Effekt): „Verzehre Dich vor Gram, Gino De Rossi!“

(Gino De Rossi war u.a. für die Maskeneffekte in „Zombi 2“, „Geisterstadt der Zombies“ und „Das Haus an der Friedhofsmauer“ verantwortlich.)

Als beliebtes „Huldigungs-Objekt“ erweist sich vor allem der Herr Fulci (R.i.P.):

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Aber auch auf zahlreiche Genre-Streifen wird illustrativ Bezug genommen:

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Na, alles gefunden bzw. wiedererkannt? Kleinigkeit! Jedoch warten auch weniger offensichtliche Anspielungen darauf, entdeckt zu werden. Mit der wohl raffiniertesten Würdigung eines Klassikers wird der Zuschauer konfrontiert, als sich David und Paul als Zombies tarnen, um unbemerkt aus einem von Untoten belagerten Zimmer zu entkommen. Hier sieht man zunächst den Fressfeind gegen die Türe der besagten Räumlichkeit hämmern. Als dann aber David und Paul selbige öffnen und sich unter ihre vermeintlichen „Kollegen“ mischen, machen diese ob der raffinierten Täuschung auf dem Absatz kehrt und ziehen von dannen. Auf den ersten Blick nur schwer zu durchschauen, aber diese Szene stammt eindeutig, wenn auch leicht abgewandelt, aus „Zombie“ (Stephen tritt als frisch verwandelter Zombie aus dem Fahrstuhl).

Fatality:
Die Idee eines Zombie-Films für Nerds weckt Sympathien. Zumal es auch tatsächlich ziemlich spaßbringend ist, nach den zahlreichen Insider-Gags Ausschau zu halten. Aber leider ist das auch schon der einzige Grund, sich mit „TDHTL“ zu beschäftigen. Versteht mich nicht falsch, das soll keineswegs heißen, dass der Streifen mies ist. Ganz im Gegenteil. Für sein 150.000-Dollar-Budget kommt das Teil erstaunlich solide daher. Die Schauspieler agieren stets authentisch, die musikalische Untermalung liegt klar über dem B-Movie-Durchschnitt und sogar Synchro nebst Originalton wissen zu gefallen. Auch den Masken sieht man das Mager-Budget zu keinem Zeitpunkt an. Hier war man einfach so schlau, keinen Zombie-Massenauflauf zu veranstalten und hat sich stattdessen auf eine Handvoll untoter Kameraden konzentriert, die nach dem Motto „Klasse statt Masse“ eine professionelle Makeup-Behandlung spendiert bekamen.

(© WVG Medien GmbH)
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Leider wird dem Streifen genau diese professionelle Machart zum Verhängnis. Warum? Es fehlt die unfreiwillige Komik, die dilettantischen Darsteller, die miese Porno-Synchro – eben alles, was einen ultimativen Trash-Film ausmacht. Dabei hätte „TDHTL“ genau DAS nötig, um über ein solides Mittelmaß hinauszukommen, denn für eine „seriöse“ Zombiekomödie sind mir die Gags einfach zu spärlich gesät (Knallfrösche mit Fernzünder und die glorreiche Idee, mit einem Fernsehgerät nach Zombies zu werfen, reichen mir als Stimmungsmacher nicht aus). Da greife ich dann doch lieber auf „Shaun of the Dead“ oder „Dead and Breakfast“ zurück. Zumal die trotz FSK 16-Freigabe deutlich mehr splattern, als der ebenfalls jugendfreie „TDHTL“.

Kurzum: Wer sich im Horror- und Splatter-Genre der 70er- und 80er-Jahre heimisch fühlt, sollte „TDHTL“ eine Chance geben. Am besten zusammen mit Gleichgesinnten, da vor allem die gemeinschaftliche Suche nach den zahlreichen Anspielungen aufs Genre Spaß macht. Dafür drei Köppe.

P.S.: Vereinzelt haben sich die Macher auch an CGI-Effekten versucht, was vor allem zu der Erkenntnis führt, dass digitales Feuer nur leidlich mit einem Schmalhans-Budget realisierbar ist. Überzeugt Euch selbst und bemüht mal die YouTube-Suche („Dead Hate the Living – Why CGI sucks“). Ist einen Lacher wert!

Odo

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