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Eine Faust geht in den Himmel: Ein kleiner Nachruf auf einen großen Menschen

verfasst am 28.Juni 2016 von Markus Haage

Bud Spencer ist verstorben. Im gesegneten Alter von 86 Jahren verstarb er im Kreise seiner Familie. Sein letztes Wort soll schlicht “Grazie!” gewesen sein. Ein Dank an seine Familie, vielleicht auch an das Leben, welches er voll auskostete.

Carlo Pedersoli, so sein gebürtiger Name, war nicht nur Schauspieler, sondern auch Olympionike, Komponist, Sänger, Akademiker, Fabrikarbeiter, Pilot, Erfinder, Unternehmer und Autor. Im deutschen Sprachraum dürfte er aber in erster Linie als legendärer Filmpartner von Terence Hill bekannt sein. In den 1970er- und 80er-Jahren bildeten sie ein sprichwörtliches schlagkräftiges Duo und feierten mit ihren Komödien unglaubliche Erfolge. Kinder dieser Zeit kamen um sie nicht herum. In allen Filmen spielte Bud die ehrliche Haut, den Unbeugsamen, der als kleiner Mann in große Ereignisse gezogen wird. Die Geschichten waren einfach gestrickt, für jeden Zuschauer aller Altersklassen nachvollziehbar. Sie besaßen ihren ganz eigenen Charme, den man nicht kopieren konnte. In der deutschen Sprachfassung wurden die Filme zusätzlich durch das Brandt’sche Schnodderdeutsch aufgepeppt. Eine eigenwillige und lebensnahe Art der Synchronisation durch Synchronregisseur Rainer Brandt.

Dem Film blieb Bud Spencer immer treu. Noch im Jahre 2010 spielte er mit 80 Jahren im italienischen Fernsehen die Hauptrolle in der Serie ” I delitti del cuoco”.

Neben dem Film widmete sich Spencer zahlreichen anderen Aktivitäten. Er war zwar in Neapel geboren, doch wanderte seine Familie früh nach Argentinien aus. Dort arbeitete er zeitweise in einer Fabrik als auch als Sekretär in der italienischen Botschaft. Als er nach Italien zurückkehrte widmete er sich seiner ersten großen Leidenschaft, dem Schwimmen, und nahm sogar zweimalig an den Olympischen Spielen teil. 2011 wurde das städtische Freibad im baden-württembergischen Schießtal nach ihm benannt. Dort nahm er 1950 an Schwimmmeisterschaften teil. Zwischenzeitlich begann er ein Jura-Studium, welches er nach sechs Semestern abschloss. Nachdem er aufgrund einer Einladung der Universität von Yale einige Monate in den USA verbrachte, beendete er seine Schwimmkarriere und unterschrieb einem Vertrag beim Musiklabel RCA. Dort wurde er als Komponist engagiert. Ein Jahr später gründete er seine eigene TV-Produktionsfirma und produzierte Tierdokumentationen für das italienische Fernsehen. 1967 bekam er das Angebot zusammen mit Terence Hill in dem Western “Gott vergibt… Django nie!” mitzuspielen. Auch wenn es sich hierbei um einen ernsten Westernfilm handelte, war dies der Anbeginn des vielleicht berühmtesten italienischen Filmduos. Durch seine Filme begeisterte er sich für die Fliegerei, so dass er den Pilotenschein absolvierte und 1981 seine eigene Fluglinie Mistral Air gründete, die er später wieder verkaufte. Heute gehört sie zur italienischen Post. Zwischen den Jahren meldete er auch mehrere Patente an. So erfand er eine Schrotflinte mit drei Läufen. 2011 veröffentlichte er seine Biographie, die es in Deutschland auf Platz 1 der Bestsellerliste schaffte. Im Zuge der Buchveröffentlichung besuchte er Deutschland noch einmal und wurde von zehntausenden Fans begeistert gefeiert. Ein würdiger Abschluss seiner beeindruckenden Karriere.

Bud Spencer war ein Großer, vielleicht zu groß für nur ein Leben.

Markus Haage

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Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!