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I am Legend (USA, 2007)

verfasst am 19.Dezember 2007 von Markus Haage

„Gut, ich erzähl’ dir mal was von Gottes Plan. Es gab 6 Milliarden Menschen auf der Erde als die Infektion ausbrach. Das Virus war zu 90% tödlich. Das sind 5,4 Milliarden Menschen. Tod. Kollabiert und ausgeblutet. Tod!“

In den 1950er Jahren verfasste Richard Matheson „Ich bin Legende“, ein Roman, der die Horrorliteratur revolutionierte und eine ganze Generation von kreativen Künstlern, wie etwa Stephen King, George A. Romero oder Clive Barker, inspirierte und sich schnell zu einer Art „Herr der Ringe“ für junge Filmschaffender des phantastischen Genres in den 60ern und 70ern erhob. Der Original-Roman des Films spielt in einer dystopischen Zukunft, in der die Menschheit durch einen Virus ausgerottet wurde. Die wenigen Überlebenden mutierten zu Vampiren. Der letzte (normale) Mensch ist Dr. Robert Neville, der tagsüber Jagd auf die Vampire macht und sich des nachts vor ihnen verstecken muss. Er versucht auch einen Heilmittel zu finden, um die Vampire wieder zu Menschen zu verwandeln und sie, seiner Überzeugung nach, zu heilen. Doch was Robert nicht bewusst ist, ist, dass die Vampire sich schon längst selber akzeptiert haben und eine neue Gesellschaftsform errichteten. Nicht die Vampire sind nun mehr das Abnormale, sondern Neville ist es. Er ist das letzte Überbleibsel der alten Welt. Und für die Vampire eine schreckliche Legende, ein grausamer Mythos, der Todbringer, derjenige, der tagsüber umherschleicht und ihre hilflosen Artgenossen abschlachtet…

Charlton Heston als Dr. Robert Neville in „Der Omega-Mann“ (1971) (© Warner Bros. Ent.)

Natürlich blieb der Roman auch der Filmwelt nicht lange verborgen und so schickte man sich bereits in den 1960er Jahren an, eine Filmversion zu drehen. Matheson schreib dazu selber das Drehbuch, distanzierte sich aber später wegen den berühmt-berüchtigten „kreativen Differenzen“ vom Film. Der Titel war „The last man on earth“ mit Vincent Price in der Hauptrolle. Ironie des Schicksals: obwohl sich Matheson vom Drehbuch distanzierte, sollte dies die originalgetreuste Umsetzung seines Romans sein. In den folgenden Jahren folgten eine weitere Verfilmung mit Charlton Heston als „Der Omega Mann“, die sich recht viele Freiheiten nahm, aber sich als eigenständiges Werk ohne Frage zu einem Klassiker des Endzeit-Genres katapultierte. 2006 folgte dann ein B-Movie-Rip-Off mit Mark Dacascos in der Hauptrolle namens „I am Omega“. Selbst die Simpsons zitierten Mathesons Werk mehrmals, bekanntestes Beispiel dürfte die Horrorfolge „The Homega Man“ aus „Treehouse of Horror Part VIII“ sein (ausgestrahlt 1997, in Deutschland unter dem Titel „Neutronenkrieg und Halloween“ 1998 erschienen). Sogar ein recht populäres Graphic Novel folgte 1999, welches ich natürlich auch jeden Endzeit-Fan nur ans Herz legen kann (dieses Graphic Novel besinnt sich auf den Originalroman).

Der Originalroman von Richard Matheson.
(© Bantam Books)

Die Anhängerschaft des Romans ist bis heute gewaltig, nur eine originalgetreue Adaption fehlte also, bis Warner Bros., die, die Verfilmungsrechte seit den 70er Jahren besitzen, 1996 das offizielle „Go!“ für eine weitere Verfilmung gaben. Bereits 1997 sollte „I am Legend“ verfilmt werden, damals noch mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle (ebenfalls Tom Cruise war im Gespräch) und Ridley Scott auf dem Regiestuhl. Das Filmprojekt hätte 200 Millionen Dollar verschlungen und so schickte man es wieder in die berühmt-berüchtigte „Development Hell“, wo Mark Protosevich seine Version des Films verfasste. Dabei herausgekommen sind letztlich zwei Drehbücher, die die Geschichte unterschiedlich behandeln und aus dessen Material das aktuelle Skript zu „I am Legend“ entstand.

Das erste Skript, verfasst 1997 von John Logan, galt als Basis für den geplanten Ridley Scott-Film und der Grund warum damals 200 Millionen Dollar veranschlagt wurden wird schnell klar: die Vampire aus dem Originalroman werden nun Hemozyten genannt. Tierähnliche Mutanten, die ihrem Instinkt-folgend Jagd auf Neville machen und ihn am Ende bis in eine entlegene (und natürlich verlassene) Wüstenstadt folgen. Den Showdown überlebt Neville knapp und wird in der Schlusssequenz von einem nicht-infizierten Jungen gefunden. Dieses Drehbuch hebte sich gewaltig von Original-Roman ab. Die Darstellung der Infizierten erinnert allerdings enorm an die aktuelle Filmversion und dies war auch das Hauptproblem, da die Darstellung der Infizierten nur mit Einsatz von CGI überzeugend umsetzbar gewesen wäre. 1997 ein zu kostspieliges Unterfangen. Also gab man ein neues Drehbuch in Auftrag, mit der Bedingung die Infizierten wieder menschen-ähnlicher zu gestalten.

Das zweite Drehbuch wurde im Jahr 2000 von Mark Protosevich verfasst und gilt, für mich persönlich, als kongeniale Adaption (vom dürren Happy End abgesehen, welches aber nach eigener Aussage Protosevichs geändert werden sollte). Leider lehnte Alan F. Horn, Chef von Warner Bros, das Drehbuch ab. Die Gründe hierfür sind unbekannt, marketing-strategischer Natur dürften diese allerdings sein, denn Protosevichs „I am Legend“ war alles andere als ein Gruselschocker oder Endzeit-Actioner. Protosevichs Version ist bitter-böse, düster, abscheulich, brutal und eine wahre Hommage an Mathesons Originalroman. In diesem Drehbuch kennen die Infizierten Nevilles Versteck und ähnlich wie in „Der Omega Mann“ versuchen sie es Nacht für Nacht einzunehmen, während Neville tagsüber Jagd auf sie selber macht. Diese Infizierten sind aber keine tier-ähnlichen Mutanten, sondern eine sich neue etablierende Gesellschaftsform, mit okkulten und barbarischen Merkmalen. Sie sehen sich als die Zukunft der Menschheit an. Als der neue Neanderthaler, der den Cro-Magnum-Menschen überholt. Neville ist nur ein Relikt aus der alten Zeit, das krampfhaft versucht seine Spezies Mensch, sich selber, am Leben zu erhalten. Die Infizierten, auch hier Hemozyten genannt, sehen in der „Spezies“ Mensch allerdings nur Nahrung und so werden in den Katakomben New Yorks, den alten U-Bahn-Schächten, Menschen als Schlachtvieh gezeugt. Unzählige junge (normale) Frauen sind an Betten gefesselt – nur zu einem Zweck: um sich fortzupflanzen. Die Babys werden herangezogen um Blut zu geben und später geschlachtet zu werden. Lebensnotwendige Nahrung für die Hemozyten. Mitleid erfahren die Menschen nicht. Warum auch? Die Hemozyten behandeln die Menschen nicht besser als die Menschen die Tiere und für die Hemozyten sind die Menschen nichts anderes als Tiere…

Ich könnte noch weiter ins Detail gehen, möchte aber von Protosevichs Drehbuch nicht zuviel verraten. Es ist verdammt harter, aber auch sehr gut durchdachter Stoff und wahrscheinlich deswegen unverfilmbar. Wenn man bedenkt, dass der Streifen ebenfalls ein Millionenbudget verschlungen hätte, so versteht man die Bedenken von Warners Chef. Bei aller Liebe zum Material, aber so aufwendige Filme mit einem so extrem-hohen Budget müssen Geld einspielen. Das ist nun einmal eine simple Tatsache, eine Regel des Spiels. Also heuerte man Oscar-Preisträger Akiva Goldsman (Drehbuch zu „A beautiful Mind“, „I, Robot“, aber auch „Batman und Robin“) an, um zusammen mit Protosevich an einem neuen Skript zu arbeiten. Zwischenzeitlich gab Arnold Schwarzenegger die Rechte an Will Smith ab, der den Film bereits 2002 realisieren wollte, mit Michael Bay auf dem Regiestuhl. Dazu kam es bekanntermaßen nicht und es dauerte noch weitere 4 Jahre bis das Projekt endlich ins Rollen kam. Auf dem Regiestuhl befand sich nun „Constantine“-Regisseur Francis Lawrence und dessen Version ließ bei den Fans anfänglich keine große Freude aufkommen. Die ersten Teaser-Poster ließen nicht viel gutes verheißen. Man befürchtete eine Art „I, Robot“ – nur mit Mutanten. Nun spätestens seitdem der erste Trailer erschien und die alten Teaser-Plakate von grundauf erneuert wurden (quasi das gesamte Grunddesign für das Marketingkonzept wurde verworfen), konnten die Fans aufatmen. Auch die anfängliche Skepsis, dass Will Smith als Robert Neville den Film nicht alleine tragen könnte, sollten sich nicht bewahrheiten, lediglich der Wunsch nach einer orignalgetreuen Umsetzung konnte sich nicht erfüllen…

Will Smith als Robert Neville.
(© Warner Bros. Ent.)

Wir schreiben das Jahr 2012. Vor genau drei Jahren hat eine Seuche, der sogenannte Krippen-Virus, 90% der Menschheit dahingerafft. Die wenigen Überlebenden waren entweder immun oder mutierten zu vampir-ähnlichen Monstern, für die UV-Licht tödlich ist. Der letzte lebende Mensch in New York ist Robert Neville, dessen gesamte Familie kurz vor der Evakuierung der Stadt gestorben ist. Von Gewissensbissen geplagt und kurz vor dem Wahnsinn versucht er ein Gegenmittel zu finden, in der Hoffung die Mutanten heilen zu können. Doch diese sehen in ihm ihren natürlichen Feind und machen des nachts Jagd auf ihn. Neville bleibt nichts anderes übrig als jede Nacht versteckt in seinem Haus auszuharren und zu hoffen, dass die Mutanten ihn nicht aufspüren werden. Als sein einziger und bester Freund Sam, ein Hund, bei einem Angriff gebissen wird und ebenfalls anfängt zu mutieren, entschließt er sich ihn umzubringen. Nun vollkommen allein und dem Wahnsinn verfallen entscheidet er sich Selbstmord zu begehen, in dem er sich nachts rauswagt und nur auf die Mutanten zu wartend, um soviele von ihnen mit sich in den Tod zu reißen…doch in genau dieser Sekunde geschieht etwas Unfassbares und er wird quasi dazu gezwungen neue Hoffnung zu schöpfen…

Als Fan des Originalromans bin ich zwar etwas darüber enttäuscht, dass es (wieder einmal) keine originalgetreue Umsetzung auf die Leinwand schaffte und das kongeniale Drehbuch von Protosevich ebenfalls fallengelassen wurde, der Film an sich zählt für mich allerdings zu den Highlights des Jahres 2007. Will Smith gibt hier wohl die Performance seiner Karriere ab und spätestens bei einer Szene in der Videothek, in der er eine Schaufensterpuppe regelrecht anfleht sein stilles „Hallo“ zu erwidern, hat er seine schauspielerische Stärke einem Massenpublikum offenbart. Nicht viele Schauspieler schaffen dies, schon gar nicht wenn sie als reine action- oder comedylastige Darsteller gelten. Allein diese kurze Szene ist so emotional und gleichzeitig so einfach in Szene gesetzt, dass sie alle Kritiker der Smith´schen Schauspielkunst zum Schweigen bringen sollte. Trotz aller Unkenrufe kann ich sagen, dass ich mir nach dieser Performance niemand anderes in der Rolle des Robert Neville vorstellen möchte als Will Smith. Inwiefern die deutsche Synchronisation es schafft dieses Schauspiel ins Deutsche zu übertragen bleibt offen.

Das Ende naht…
(© Warner Bros. Ent.)

Ebenfalls die Darstellung der Infizierten gefällt, auch wenn das irgendwie schwammige CGI zugegebenermaßen nicht immer überzeugend ist (da die Infizierten allerdings NUR als CGI in Erscheinung treten kann man sich, oder konnte ich mich, sehr schnell daran gewöhnen; so störend wie in anderen Reviews dargestellt empfand ich es letztlich nicht…),. Hier wäre weniger zweifelsohne mehr gewesen, vor allem da die Infizierten bereits nach gut 20 Minuten vollends enthüllt werden, die eigentliche Krux des Films. Der gesamte Streifen ist viel zu kurz und hastig, aber der Grund dafür wohl mehr als offenkundig (150 Mille Budget, Massenpublikum…usw.). Nun die erste Stunde ist weit von einem actionlastigen Werk entfernt, dennoch merkt man dem Film die Bemühungen, die Infizierten so früh wie möglich einzubauen, zu deutlich an. Hier geht einiges an Atmosphäre verloren. Lässt sich hoffen das auf DVD ein Directors Cut erscheint, der zumindest dem Anfang des Films gute 10 – 15 Minuten hinzufügt, um wenigstens in Bezug auf die Infizierten mehr Spannung aufzubauen. Schade, denn die erste Anzeichen für weiteres Leben im verlassen New York sind wahrlich genial inszeniert wurden. Wenn man die Infizierten zuerst nur hört, wenn es nur angedeutet wird, das da irgendwo in den mächtigen Gebäuden, die den dann so klein wirkenden Will Smith umzingeln, noch was ist, oder wenn die Infizierten nachts durch die Straßen rennen, um Smith ausfindig zu machen, dann ist Gänsehaut pur angesagt. Ich möchte es nicht zu sehr hervorheben, aber ich rieche hier eine Oscarnominierung für das beste Sounddesign und einen der Hauptgründe warum man sich dieses Werk unbedingt im Kino anschauen und ANHÖREN sollte. Einziges wirkliches inhaltliches Manko ist der religiöse Charakter des Films, der etwas zwanghaft versucht Nevilles Charakter zu ikonisieren und auch nicht vollends sinnvoll gestrickt ist. Dies hätte man entweder ganz weglassen sollen, oder wie schon erwähnt mit einfach mehr investierter Zeit vertiefen sollen. So wirkt es etwas holprig und unausgegoren.

Wer übrigens weiter in die Welt von „I am Legend“ eintauchen möchte, der sollte sich auch die geniale Vorgeschichte zum Film nicht entgehen lassen. So wurden für den Kinostart zu „I am Legend“ mehrere Comics produziert, deren Inhalt auf Charaktere des Film zurückgreift.

Fatality:
„I am Legend“ ist eine großartige Interpretation von Mathesons Roman (keine Hommage, keine wirkliche Adaption…dass muss ich für die Fans des Buchs nochmal verdeutlichen, ich bewerte den Film als reine Interpretation des Stoffes), die allerdings auch ihre leichten Ecken und Kanten hat. Der Film ist leider mit 101 Minuten (inklusive 10 Minuten Abspann) viel zu kurz geraten, besonders das letzte Drittel wirkt zu hastig. Ebenfalls das Ende sieht mehr nach einem Kompromiss aus und wer Protosevichs Drehbuch gelesen hat, wird die vertane Chance auf eben dieses Drehbuch sehr bedauern. Nichtsdestotrotz ist Smiths Performance großartig, das gesamte Setting mehr als nur beeindruckend. Ich vergebe für den Film 4 Köppe (1 Extra-Kopp wird reserviert, falls folgendes eintritt…:) und hoffe auf eine Art Directors oder Extended Cut auf DVD, der hoffentlich das Ende etwas mehr ausbalanciert und mit der Offenbarung der Infizierten sich mehr Zeit lässt.

Markus Haage

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Über Markus Haage 2118 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!