Omega Mann, Der (USA, 1971)

verfasst am 25.Juni 2006 von Markus Haage

„Die Familie ist alles! Wir haben die Welt geläutert! Außer uns, der Familie, existiert überhaupt nichts! Die Familie!“

Charlton Heston! Nach seinen Rollen als Moses, Ben Hur, El Cid und George Taylor kehrt das Alphamännchen des US-Kinos zurück – und zwar als DER OMEGA MANN!

Der letzte Mensch auf Erden…
(© Warner Bros. Ent.)

Die Welt nach dem bakteriologischen Overkill: Durch einen Grenzkrieg zwischen China und der Sowjetunion ist die Menschheit fast vollständig ausgerottet. Grund: Biologische Massenvernichtungswaffen. Diese haben einen aggressiven und scheinbar unaufhaltbaren Virus freigesetzt. Es dauert nur wenige Wochen und die Menschheit ist dahingerafft. Einer der wenigen Überlebenden ist Robert Neville, ein Wissenschaftler im Dienst der US-Armee. Kurz bevor die tödliche Seuche auch die USA heimsuchte, konnte er ein Gegenmittel entwickeln, welches er sich in letzter Minute selber injizierte. Doch die Entwicklung scheint zu spät gekommen zu sein, denn ein paar Jahre nach der globalen Katastrophe scheint er der einzige (normale) Mensch auf Erden zu sein, denn diejenigen, die nicht gestorben sind, mutierten. Tagsüber fährt Neville durch die verlassenen Schluchten von Los Angeles, immer auf der Suche nach anderen Überlebenden oder auf der Jagd nach den Anhängern von Matthias. Matthias, ehemaliger Fernsehprediger, hat eine größere Gruppe Mutanten um sich gescharrt. Doch für ihr Überlebenden mussten sie einen hohen Preis zahlen. Ihre Haut und Haare sind ausgebleicht und sie tragen tiefe Narben von Exemen, verursacht durch die Seuche. UV-Strahlung wäre für ihre empfindliche Haut fast tödlich und so schleichen sie nachts durch die Straßen L.A.s auf der Suche nach Neville, dem sie zu ihrem Feindbild erklärt haben. Der letzte seiner Art, der Art Mensch, die für diese Katastrophe in ihrem technologischen Fortschrittswahn verantwortlich war…

Nie wieder Menschheit.
(© Warner Bros. Ent.)

Boris Sagals Film ist ohne Frage einer der Klassiker des Endzeit-Genres, der über alles verfügt, was man sich für einen Untergangs-Schinken nur wünschen kann und leider etwas unterbewertet wird. Zugegeben, es gibt so manch eine Stelle im Film, die aus heutiger Sicht mehr als nur ulkig daherkommt. Wenn die Seuche um sich greift und die Menschen PLÖTZLICH in einem Anfall von Over-Acting zusammensacken, fällt es dem Zuschauer schon sehr schwer sich ein Lächeln zu verkneifen. Ganz zu schweigen von den Kontaktlinsen, die nicht richtig sitzen, dem dickflüssigen, hellroten Kunstblut oder den Autos, die im „verlassenen“ Los Angeles im Hintergrund auf der Stadt-Autobahn umherdüsen. Auch die ein oder andere schauspielerische Leistung erscheint etwas überdramatisiert. Fast wie in einem Shakesspeare-Drama, gespielt von übermotivierten Youngsters, aber dies alles ist nicht unbedingt allzu negativ zu bewerten – für mich jedenfalls nicht – denn dafür bekommt der Zuschauer etwas serviert, was man nicht kopieren oder von vornherein dirigieren kann und das nur ganz wenige Filme (insbesondere aus diesem Genre) vorweisen können, nämlich Charme. Der Film lebt ohne Frage von solchen Einstellungen und Szenen und zieht daraus seine Stärken. Anspiel-Tipp: Nevilles Inquisition. Heston wird als Ketzer vor den jubelnden Mutanten vorgeführt und Richtung Scheiterhaufen befördert. Die Musik, der Schnitt, die Dialoge – das ist fantastisches Sci-Fi-Kino der 70er in Reinkultur! Alleine diese ikonische Szene stellt schon einen Klassiker für sich dar.

Die Familie ist alles!
(© Warner Bros. Ent.)

Des Weiteren hat auch die aufgrund der damaligen Möglichkeiten aufgezwungene Limitierung auf rein physische SFX einen schönen Vorteil. Anstatt nervtötender CGI-Zeitlupen-Action bekommt man hier noch, nennen-wir-es-mal, ehrliche Action dargeboten. Wenn Charlton Heston mit seinem Jeep durch die Straßen kracht, dann tut er das einfach. Diskussion zu Ende. Ganz simpel. Dafür bedarf es keiner Zeitlupen oder Totalen aus einem Hubschrauber. Und wenn ein Mutant vor ihm steht, dann schnappt er sich sein gutes, altes MG und ballert ihn über den Haufen. Klingt stumpf, wirkt allerdings sehr erfrischend. Paradoxerweise, da der Streifen nun auch schon mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel hat…

Auch inhaltlich kann „Der Omega Mann“ durchweg überzeugen, auch wenn der Streifen von einigen Fans des Original-Romans „I am Legend“, auf dem der Film basiert, gerade deswegen hart kritisiert wird. Man kann die Fans sicherlich verstehen. Sie haben sich nach dem (guten) B-Horror „Last Man on Earth“ mit Vincent Price in der Hauptrolle, wohl eine getreuere Adaption erhofft, aber diese Neu-Interpretation ergibt mehr Sinn. Ein bloße Verfilmung sollte man nur vornehmen, wenn man auch wirklich von der Geschichte 100% überzeugt ist, bzw. auch die Möglichkeit sieht, diese glaubwürdig auf die Leinwand zu projizieren. Da im Original-Roman die Mutanten Vampire sind und in den 70ern das Thema „Blutsauger auf der Leinwand“ bereits durch unzählige „Hammer“-Produktionen ziemlich ausgelutscht war, kann man nachvollziehen, dass man hier die Thematik veränderte. Noch ein Vampir-Film war wohl für das Produkionsstudio nicht vorstellbar und mit den technik-verabscheuenden Mutanten, die sich in einer religiös-radikalen Sekte nach alt-testamentarischen Vorbild zusammengefunden haben, hat man auch einen hervorragenden Ersatz gefunden.

Hervorheben muss ich persönlich noch einmal den Score des Films. Als Soundtrack-Fan behaupte ich einfach mal, dass „Der Omega Mann“ einen der besten musikalischen Untermalungen aller Zeiten besitzt. Ein Muss für jede Sammlung – leider heute nur noch sehr schwer aufzutreiben. Hier hat Ron Grainer, der Komponist, wirklich einen Klassiker geschaffen, der seltsamerweise nicht so sehr bekannt zu sein scheint. Vielleicht wird sich dieses ja noch ändern. Hoffentlich.

Fatality:
Ein Endzeitfilm der Extraklasse. Sicherlich, einige Szenen regen aus heutiger Sicht zum Schmunzeln an, nichtsdestotrotz verfügt der Film über eine grandiose Atmosphäre bedingt durch die handwerklich solide Regie- und Kameraarbeit, die überzeugenden (Haupt-)Darsteller (in erster Linie Charlton Heston als Neville und Anthony Zerbe als Matthias) und die fantastische Musik. Ein Muss für Fans des Genres.

Markus Haage

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Über Markus Haage 2109 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!