Planet der Affen (USA, 1968)

verfasst am 30.April 2009 von Markus Haage

„Du hast dein Fell abgekratzt. Warum hast du das getan?“
- „In der Welt, die ich verlassen habe, trugen nur junge Leute wie ihr Bärte.“
„Bärte? Bei uns heißt das alles Fell.“

Ihr Wahnsinnigen – ihr habt die Erde in die Luft gejagt! Schrie der Heston – und Recht hatte er. Allein an einem radioaktiven Strand, lediglich von der perfekten Ehefrau begleitet (trägt Bikini, kann nicht sprechen – dafür lächeln, aufgrund der Evolution leichtgläubig und somit leicht manipulierbar), hockt er im knöcheltiefen Wasser und muss feststellen, dass Lady Liberty im Sand versunken ist. Was hier gepflegt als Mörder-Spoiler angesehen werden darf und von den pfiffigen Fox-Marketing-Strategen bereits auf der DVD-Hülle abgedruckt wurde, ist für den Charleton die bittere Erkenntnis, dass er wohl nie wieder seinem Cowboy-Leben frönen und knackigen Mädels in kurzen Höschen am Swimming-Pool hinterblicken darf. Nicht nur das die Erde (und um es genauer zu lokalisieren die amerikanische Ostküste) vor einigen Jahrhunderten durch einen nuklearen Feuersturm zu Nevada mutierte, sondern Mutter Erde hat diesmal den Primaten den Vorzug gelassen und sie zu den ungekrönten Königen der Erde ernannt. Während die Menschen stumm in Fellbikinis im Gras rumlümmeln, regieren die Affen den Planeten – was somit auch den Filmtitel erklären dürfte.

(© 20th Century Fox Film Corp.)

Unwissend was sich hier genau abspielt, stolpert Heston nach einem Raumschiff-Crash mit seinen zwei Astro-Kumpels Landon und Dodge durch die Einöde. Zwar haben sie extragroße USA-Flaggen auf die Ärmel genäht – aber tausende Jahre in der Zukunft ist niemand mehr so richtig von den Signien der U-S-A! beeindruckt. So landet Dodge bei der alljährlichen Jagd im Grab, Landon wird zum medizinischen Versuchskanninchen umfunktioniert (so ’ne Lobotomie ist schon was fieses…) und der Heston darf als Anschauungsobjekt im Käfig rumgammeln. Schade, dass er seine Stimme verloren hat, so könnte er über seine missliche Lage berichten, gut nur das Affen lesen können und Englisch wieder die Lingua Franca ist. So kann er den beiden Schimpansen Cornelius und Zira in Schriftform davon überzeugen, dass er kein einfacher Lump ist und Menschen ein Recht auf Leben haben. Die herrschende Klasse, sowie das Militär, ist davon natürlich nicht sehr angetan – denn wenn Menschen ein Recht auf Leben haben, würde dies ihr Weltbild zerstören – und die Affen wären nicht mehr die führende Spezies auf Erden. Die Tatsache, dass Heston ein hochgebildeter Astronaut von einem „anderem Planeten“ ist, auf denen der Mensch herrscht, hilft ihm natürlich nicht sonderlich weiter. Sein Todesurteil ist unterschrieben – doch Cornelius und Zira ermöglichen ihm mitsamt menschlichen Love-Interest die Flucht in die „verbotene Zone“. Ein Ort, dessen Zutritt jeden Affen untersagt ist. Und das aus gutem Grund…

(© 20th Century Fox Film Corp.)

1986 schickte sich Franklin J. Schaffner an, Pierre Boulles SciFi-Roman „La planète des singes“ auf Zelluloid zu pressen. Über das Ergebnis braucht man nicht lange debattieren: Ein Filmklassiker, der auch nach über 40 Jahren nichts von seinen Qualitäten verloren hat und vier Fortsetzungen, eine Fernsehserie, eine Zeichentrickserie, eine Comic-Reihe, sowie ein Remake nachsichzog. Auch wenn sich Schaffner gerade in Bezug auf das geniale Ende viele Freiheiten genommen hat (Burton versuchte in seinem Remake das Original-Romanende wieder aufzugreifen), so hat er eine kongeniale Adaption geschaffen, die mittlerweile in die unsterblichen Hallen der Pop-Kultur einzog. Von immer wiederkehrenden Zitat-Klassikern wie „You Maniacs! You blew it up! Ah, damn you! God damn you all to hell!“ oder „Take your stinking paws off me, you damned dirty ape!“, über Jays dystopische Zukunftsvision in „Jay and Silent Bob Strike Back“ bis zur abgestürzten Putze in „Mel Brook’s Spaceballs“ – die moderne Filmgeschichte zitiert den „Planet der Affen“ häufig und gerne. Ob es an Hestons Spiel, Schaffners Regie, Serlings (veränderten) End-Twist (den selbst Boulle neidlos lobte), Chambers oscar-prämiertes Make-Up oder Goldsmiths Musik liegt, sei dahingestellt. Es gibt viele Gründe, „Planet der Affen“ den Klassiker- und Kultstatus anzuerkennen. Muss man ihn deshalb gut finden? Natürlich nicht. Muss man ihn aber gesehen haben? Ja, definitiv.

Fatality:
Fünf Schädel für den Beginn der Affen-Saga, der zumindest mit dem ersten Nachfolger „Rückkehr zum Planet der Affen“ einen zwar eigenwilligen, aber würdigen Nachfolger erhielt.

Markus Haage

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Über Markus Haage 2109 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!