Lost World – Die letzte Kolonie (USA, 1987)

verfasst am 11.Oktober 2010 von Markus Haage

„Eine ziemlich beschissene Situation.“

Apokalypse. ¡Olé!

(© Warner Home Video)

„Wir schreiben das Jahr 2087. Vor 57 Jahren haben die beiden größten Armeen der Welt den totalen Krieg angefangen. Nach 15 Jahren ununterbrochener Kämpfe, bei der jede nur denkbare Atomwaffe zum Einsatz kam, war der größte Teil der Erdbevölkerung vernichtet. Den Überlebenden wurde ein böser Streich gespielt. Obwohl gelegentlich Wolken am Himmel aufziehen, hat es seit 50 Jahren nicht geregnet. Eine ziemlich beschissene Situation.“

Nach gefühlten drei Milliarden Endzeit-Filmen, fällt es einem Reviewer immer schwerer schwungvolle Einleitungen zu ein und derselben Thematik zu schreiben. Insbesondere da die meisten Endzeit-Filme aus den 80ern, die gleiche Thematik zu Grunde liegen haben. Apokalypse. Wüste. Wasserknappheit. Gute Gemeinschaft mit Wasser. Fiese Gang ohne Wasser. Sanddüne. Klopperei. Ende im Gelände. Jedes weitere Wort trägt somit nur zur Inflation der restlichen Reviews zu diesen Themegebiet bei. Deswegen gehen wir jetzt den Weg des geringsten Widerstandes. Bitte sehr, die Story…

(© Warner Home Video, Neon-Zombie.net)

Verziert wird dieses Story-Grundgerüst mit einigen genre-typischen Amüsements: neben dem allseits-bekannten Dünen-Mayhem, werden wir auch noch in die bedrückenden Großstadtschluchten von Dystopia entführt. Dort treffen wir auch fiese Häscher und böse Mutanten. Cyberpunks und Neonlicht. Viel Kunstnebel und noch viel mehr Sperrmüll. Dafür geile Masken, die direkt aus dem Videospiel „Super Marios Bros. 2“ stammen könnten.

(© Warner Home Video)
(© Warner Home Video)

Auch die böse Gegenseite ist weitaus bunter ausgestattet als die Genre-Norm es üblicherweise hergibt. Hier donnert nicht irgendeine wilde Motorrad-Gang über den Bildschirm, sondern eine weißgekleidete Sekte, die das Wasser als Schlüssel zur Erfüllung ihrer Großmachtphantasien sieht.

(© Warner Home Video)
(© Warner Home Video)

Selbstredend ufert die ganze Chose in einem fulminanten Finale, in dem Michael Paré (immerhin) mit seinen Söldnerjungs die einsame Wasser-Siedlung Lost Wells von allem Übel befreien darf. Und damit nicht alles umsonst gewesen ist, fängt es am Ende nach fünzig Jahren auch noch an zu regnen, was eigentlich bedeutet, das alles umsonst war. Hmh.

Man braucht nicht sehr lange drumherum reden, „Lost World – Die letzte Kolonie“ stellt ein filmisches Sammelsurium zahlreicher Endzeit-Apokalypsen der 80er dar. Dazu gemischt wird das klassische „Sieben Samurai“-Muster. Arme, schutzlose Gemeinde, bittet Söldner gegen ruchlose Banditen um Hilfe. Dann wird sich gekloppt. Dennoch muss man feststellen, dass sich der Streifen von seinen Genrekollegen allein schon aus produktionstechnischer Sicht abhebt. Hier wird routiniert der B-Standard heruntergeleiert, aber ohne Kopfschmerzen zu verursachen. Das ist in diesem Genre schon sehr viel wert.

Fatality:
Eine der vielen kurzweiligen B-Smasher aus der Endzeit-Grube. Kam allerdings zeitlich viel zu spät, um sich überhaupt irgendwie behaupten zu können. Denn als „Lost World – Die letzte Kolonie“ in die Videotheken trudelte, war bereits die nächste SciFi-Welle am anrollen: Aliens, in allen Formen und Farben. Die Apokalypse hatte ausgedient, nun sollten extraterrestrische Bösewichte den Markt erobern. Man merkt es dem Streifen an, dem schnöden Endzeit-Film ist die Puste ausgegangen. Aber Bruce Dern, der hier eine ziemlich gottgefällige Rolle auf den Leib geschrieben bekam, hat noch genug Luft in den Lungen, um unterhaltsam von der Mattscheibe zu grölen. Somit für Endzeit-Fans einen Blick wert.

Markus Haage

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Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!