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Im Angesicht der Hölle (Kanada, 1987)

verfasst am 23.März 2009 von Markus Haage

„You’ve overstepped your line again, Bub. There’s a creator’s highest law that keeps you in your dark place and yet you and your brethren still insist on coming into this world and trying to steal a place in the world of the living. When will you ever learn?“

John Fasano – merkt euch diesen Namen!

(© RCA/Columbia Pictures Video GmbH)

In einem alten Farmhaus geht’s zur Sache: Eine Familie wird von einem dampfendem Skelett aus dem Backofen niedergemetzelt. Zehn Jahre später mietet sich die Band „The Tritonz“ in eben diesem Farmhaus ein, um dort ihr neues Album aufzunehmen (ach, ja…zur Standardeinrichtung eines jeden verlassenen Farmhauses gehört ein Tonstudio). Damit beginnt der Horror.

(© RCA/Columbia Pictures Video GmbH)
(© RCA/Columbia Pictures Video GmbH)

„The Edge of Hell“ (auf Bootleg-DVD als „Rock ’n’ Roll Nightmare“ erschienen) wird als einer der wenigen Trashfilmen seinem Titel (wohl mehr unfrei- als willig) gerecht – denn ALLES an diesem Film befindet sich am Abgrund zur Hölle. Genaugenommen ist es bereits abgestürzt. Ob es vielleicht daran lag, dass Hauptdarsteller Jon Mikl Thor, selbstbezeichnend ein lebendes Kunstwerk (Metalsänger und Comicheld in Personalunion), den Streifen produziert und geschrieben hat, NUR um für seine Musikkarriere etwas mehr Publicity zu erhalten? Jedenfalls würde dies die langen Musikpassagen erklären. Ein Drittel des Streifens widmet sich der Band beim musizieren, ein weiteres Drittel darf ein (unbekannter) Killer umherschleichen und die Band, inklusive Groupies, niederslayen, das restliche Drittel wird sich glorreichen Sexszenen zwischen Lattenrost und Duschvorhang gewidmet. Dazwischen wird ein noch bissel Raum frei geschaufelt, um erwähnte Storybrocken miteinander zu verbinden. Was nicht wirklich funktioniert. Aber schmeißt die Logik von Bord, bei „Im Angesicht der Hölle“ kann man das Geschehene kaum erklären. Und dies macht den Streifen zu einer wahren Haubitze, nein, ATOMBOMBE des Trashfilms.

(© RCA/Columbia Pictures Video GmbH)
(© RCA/Columbia Pictures Video GmbH)

Wie bereits erwähnt nutzen die Tritonz das alte Farmhaus als neues Tonstudio und anfänglich scheint auch alles dufte zu laufen. Die Mucke rockt, die Mädels ebenso, nur eben die Untermieter machen Ärger, so dass nach und nach alle Bandmitglieder und ihr weiblicher Anhang das Zeitliche segnen müssen. Wer sie umbringt? Weiß der Geier! Aber es muss wohl eine Verbindung zu den abstrusen Latex-Monstern in Größenkategorie C geben, die rauchend und quietschend durchs Haus poltern…

(© RCA/Columbia Pictures Video GmbH)
(© RCA/Columbia Pictures Video GmbH)

Vielleicht liegt es auch am DEIWEL (rechts oben) selber, der sich gegen Ende des Films blicken lässt. In recht ungewohnter und SEHR starrer Form wackelt er mit seinem Kopp in die Kamera. Wird hier etwa der Judgement Day vorbereitet? Alles was wir wissen ist, dass der Bandleader in Wirklichkeit Thor, Odins Sohn, ist und den Teufel, sowie seine Monstren, zerdrescht…

(© RCA/Columbia Pictures Video GmbH)

Muss man sich ungefähr so vorstellen…

(© RCA/Columbia Pictures Video GmbH)
(© RCA/Columbia Pictures Video GmbH)

Oder: Wer die Suchfunktion eines globalen Videonetzwerkes beherrscht, solle dort das Codewort „Rock ’n’ Roll Nightmare“ eingeben und fündig werden.

Um das Geschehene noch mal zu erläutern (mehr zu verarbeiten): Glam-Rock-Band zieht in ein verlassenens Farmhaus, in dem vor zehn Jahren eine Familie von einem Backofen-Monster gegeekt wurde, um dort ihr neues Album aufzunehmen. Eine unbekannte Macht tötet die gesamte Band. Am Ende darf Thor, Odins Sohn und Bandleader, Satan in Zeitlupe verprügeln. Und verprügeln ist hier wörtlich gemeint. Genauso wie Zeitlupe (das gesamte Finale macht gefühlte 70% des Films aus). Der Rest ist aufgefüllt mit Musik, Sexszenen, Dialogen, die das Storygerüst aufrechterhalten sollen (bricht aber in Minute Drei bereits vollkommen zusammen) und merkwürdigen Brabbelmonstern.

(© RCA/Columbia Pictures Video GmbH)
(© RCA/Columbia Pictures Video GmbH)

Eingangs erwähnte ich den Namen John Fasano – merkt ihn euch. Dieser Herr ist nämlich als Regieling für vorliegendes Werk verantwortlich und ebenfalls für Gassenhauer wie „Freakshow – …der Sound aus dem Jenseits“ (stilistisch ähnliche Chose, bloß ein NOCH größeres Gummimasken-Massaker) und „The Jitters“. Bedeutet: Wir haben hier einen Erstlings-Regisseur hinter und einen alten Glam-Rocker vor der Kamera – und beide wollen’s wissen.

Fatality:
Stellt das Bier kalt. Das sind Fünfe.

P.S.: Der heiße Kram wurde in Deutschland nur auf VHS aufgelegt. Verleihauflage anno 1988 (mono, Vollbild), dann indiziert. Die Amis dürfen sich über eine DVD-Auflage freuen. Ein Import lohnt sich (auch wenn die geniale deutsche Schluder-Synchro wohl auf ewig verloren ist…).

Markus Haage

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Über Markus Haage 2118 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!