Neon-Zombie-Panel im Filmretroshop: William Lustig (Oktober 2019)

verfasst am 11.Oktober 2019 von Markus Haage

Es mag sich absurd lesen, entspricht aber dennoch der Realität: Am Samstag, dem 5. Oktober 2019, betrat Kult-Regisseur William Lustig den Filmretroshop in Löhne, um dort zusammen mit Fans seine Karriere Revue passieren zu lassen. Ein einmaliges, weil auch sehr intimes Event, von dem man vielleicht noch in Jahren sprechen wird.

William Lustig beim Panel vor einem deutschen “Maniac”-Plakat.
(© Neon-Zombie.net)

William Lustig ist Fans des Horrorkinos ein fester Begriff. Bereits mit 24 Jahren inszenierte er den wegweisenden Slasherfilm “Maniac” (1980) mit Joe Spinell in der Hauptrolle. Der Kultklassiker war hierzulande fast vierzig Jahre beschlagnahmt (umgangssprachlich “verboten”) und konnte erst im September 2019 von Sony Pictures und Nameless Media frei geklagt werden. Danach folgte eine Reihe von weiteren Kultfilmen. “Streetfighters” (“Vigilante”, 1982), die “Maniac Cop”-Trilogie (1989–1993) oder “Der Sunset Killer” (“Relentless”, 1989), ein Film, der drei Fortsetzungen nach sich zog. Seit Ende der 1990er begann er vor allem als Film-Restaurator zu arbeiten und präsentierte über sein eigenes Label Blue Underground zahlreiche Genreklassiker restauriert im neuen Gewand. Sei es als Beispiele Lucio Fulcis “Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies” (“Zombie 2”, 1979) oder “Forke des Todes” (“The Prowler”, 1981). Beide Filme sind in Deutschland noch beschlagnahmt (Stand: Oktober 2019). Auch unter deutschen Fans erfreuen sich die Veröffentlichungen von Blue Underground großer Beliebtheit. Wer auf das Horrorkino der 1970er und -80er-Jahre steht, kommt somit um Lustigs Restaurationen als auch sein Schaffen als Filmemacher nicht herum.

Gleiches galt wohl auch für sein Auftreten im Filmretroshop. Trotz knapper Ankündigung, nur weniger als 42 Stunden vor der eigentlichen Veranstaltung, fanden sich rund vierzig treue Fans, eine kleine, aber sehr passionierte Fan-Gemeinde, am 5. Oktober 2019 um 15.30 Uhr im Filmretroshop Löhne, der einzigen VHS-Videothek Europas, ein, um William Lustig persönlich zu treffen. Präsentiert wurde das Panel vom Neon Zombie-Magazin. Chefredakteur und Herausgeber Markus Haage, der auch diese Zeilen verfasst, moderierte das Panel (und ist darüber irritiert, von sich selber in der dritten Person zu schreiben).

Die Schaufensterpuppe sorgt noch heute für Schrecken.
(© Neon-Zombie.net)

Im Filmretroshop fand gleichzeitig das erste Schocktoberfest statt. Brezeln, Leberkäse und Bier wurde aufgefahren. Lederhosen waren keine Pflicht, wurden allerdings getragen. Es musste für William ein irritierender Anblick gewesen sein, als US-amerikanischer Kult-Filmemacher aus New York City mitten in der norddeutschen Provinz in einer VHS-Videothek zwischen Lederhosen und Neonlampen zu stehen. Man sah ihm aber sichtlich an, dass er seinen Spaß an diesem kuriosen Mix hatte. Vorab nahm ich ihn bereits in ein uriges, sehr traditionelles Restaurant namens “Die Knolle” in Bünde mit. Es sollte sich gelohnt haben. So sehr, dass wir vollkommen überfüttert auf der Couch zum Panel saßen. Hier war er bereit für mehr als eine Stunde Fragen zu seiner gesamten Karriere zu beantworten. Ein klassisches Interview unter den Augen der Fans, die es auf Sofas sitzend oder drumherum stehend aufmerksam verfolgten. Von seinen Anfängen im Pornofilm über die Produktion des Kultklassikers “Maniac” und seinen Direct-to-Video-Ausflügen, bis zu seinem Label Blue Underground, blickten wir auf fast fünfzig Jahre Filmgeschichte zurück. Anschließend durften die angereisten Fans noch Fragen stellen. Auch hier war William sehr geduldig und schmunzelte über die ein oder andere Frage.

William mit den Retromaniacs.
(© Neon-Zombie.net)

Es war nicht vorauszusehen, aber William gefiel es im Filmretroshop so gut, dass er nach dem offiziellen Neon-Zombie-Panel noch länger als beabsichtigt blieb. In aller Ruhe unterhielt er sich mit einzelnen Fans persönlich, stand für Autogramme und Fotos zur Verfügung und diskutierte selbst über die Comicadaption seiner Werke. Erst weit nach achtzehn Uhr verließ er wieder den Filmretroshop. Auf dem Weg zu meinem Auto hielt er aber mehrmals an den VHS-Regalen an und nahm sich den ein oder anderen Kultklassiker mit. Er scheint eine Schwäche für die Actionfilme der 1970er-Jahre zu besitzen. Insbesondere von Charles Bronson und Jean-Paul Belmondo.

Auf dem Rückweg zu seinem Hotel nach Dortmund versicherte er mir persönlich, wie begeistert er von dem Event gewesen ist, und dass es für ihn eine große Freude gewesen ist. Alle Beteiligten können dies wohl nur bestätigen. Eine Wiederholung mit einem anderen Genre-Star ist bereits in der Planung.

Das Panel wird auf dem kommenden Release der ungeschnitten Fassung von “Maniac” aus dem Hause Sony Pictures und Nameless Media veröffentlicht werden.

Markus Haage

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Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!