USA: Red-Band-Trailer im Netz bald Vergangenheit?

verfasst am 30.März 2010 von Neon Zombie

Folgende News wurde ursprünglich für Schnittberichte.com von mir verfasst und befindet sich lediglich der Vollständigkeit halber in unserem Archiv.

Seit 2 Jahren hat bei der Online-Bewerbung von R-Rated-Filmen ein beachtlicher Trend eingesetzt: immer öfter werden Produktionen, die nach dem US-Rating-System nicht für Kinder oder Jugendliche freigegeben sind (somit eine höhere Freigabe als PG-13 erhalten haben), mit sogenannten Red-Band-Trailern beworben.

Wie die New York Times berichtet, wurden von 2000 bis 2006 gerade einmal 30 Filme mit Red-Band-Trailern im Netz beworben – während die Zahl alleine für das Jahr 2009 auf 79 angestiegen ist. Der Grund für diesen gewaltigen Anstieg ist natürlich simpel: gerade unter jüngeren Zuschauergruppen erweisen sich die Trailer sehr großer Beliebtheit. Während viele US-Kinoketten die Veröffentlichung von Red-Band-Trailern (auch zu R-Rated-Filmen) verweigern, haben Online-Portale wie MySpace die Einbindung dieser Trailer offen begrüßt und unterstützt. Filmstudios versuchen nun seit Monaten, Anbieter wie etwa iTunes davon zu überzeugen, ebenfalls Red-Band-Trailer zu veröffentlichen – natürlich mit dem Ziel, die konsumstarke junge Zuschauergruppe zu erreichen.

Abgesehen von der Tatsache, dass Red-Band-Trailer Gewalt oftmals nur als Gimmick präsentieren und keinen wirklichen inhaltlichen Mehrwert bieten, sieht die Federal Trade Commission (eine unabhängig arbeitende Bundesbehörde der USA) in der Beliebtheit und Verbreitung – insbesondere aufgrund ihres schnellen, kurzen und wie für Trailer typisch-sensationellen Charakters – eine besorgniserregende Entwicklung. Die FTC weist ausdrücklich daraufhin, dass nichts dagegen einzuwenden sei, diese Trailer der passenden Zuschauergruppe (Erwachsene) zu präsentieren. Allerdings würde die Filmindustrie mit der Einbindung der Red-Band-Trailer insbesondere bei unzähligen Jugend-Portalen, gezielt junge Zuschauer anvisieren – ähnlich wie das rauchende Zeichentrick-Maskottchen Joe Camel vom Tabakhersteller R.J. Reynolds Tobacco. Die bekannte Joe-Camel-Werbung wurde 1994 in den USA in der Öffentlichkeit untersagt, nun macht sich unter Filmfans die Sorge breit, das dies auch für Red-Band-Trailer gilt. Zwar würden diese i.d.R. nur durch eine Alters-Verifizierung zugänglich sein, allerdings weiß wohl jeder, dass diese sehr einfach (durch die Eingabe eines falschen Geburtsjahres) zu umgehen sei und es kaum andere Möglichkeiten gibt (nicht unter Preisgabe persönlicher Daten) die Trailer zu sehen.

Die Untersuchung der FTC wird weitergehen – somit steht das Thema zumindest bei der US-Bundesbehörde unter Beobachtung. Ob es letztlich zu einem kompletten Bann von Red-Band-Trailern kommen wird, ist anzuzweifeln, allerdings könnte eine weitaus strengere Überprüfung der bisherigen Jugendschutz-Mechanismen (Age-Gate, etc.) durchaus umgesetzt werden.

Neon Zombie

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