Wizards of the Lost Kingdom – Magier der verlorenen Welten (USA, 1985)

verfasst am 12.Mai 2005 von Markus Haage

„Der schnellste Weg zur Burg führt durch die Selbstmörder-Höhle. Ein grauenerregender Ort!“

Im allseits-bekannten und sonst so friedfertigen Fantasy-Land XYZ herrscht Ausnahmezustand! Zwischen Laubwald und Pappschloß regiert die Furcht. Der finstere Zauberer Shurka hat den altehrwürdigen König Tylor vom Thron gestoßen und plant nun durch die Hilfe der schwarzen Magie und eines alten Zauberringes seine Schreckensherrschaft nicht nur zu festigen, sondern gar noch auszubauen! Das Volk, gehüllt in Lumpen, scheint machtlos zu sein und das Schicksal des gesamten Landes liegt nun in den Händen des kleinen Zauberer-Azubis Simon, der es schaffte sich zusammen mit seinem grunzendem Kumpel Gulfax durch die Zauberkraft seines Vaters Wulfrick (Hofmagier von Beruf) in den naheliegenden Forst zu beamen. Der von allen Parteien eingeforderte magische Plastik-Ring, der in Kombination mit einem magischen Zauberschwert dem Herrn Shurka die Macht bis in alle Ewigkeit sichern soll, blieb dabei auf der Strecke und befindet sich unwissentlich im Maul einer Styropor-Statue…

(© Best Entertainment)

Nur mit seinem recht unmotivierten Kumpel Gulfax an der Seite, beschließt Simon den finsteren Shurka zu stürzen. Das dieses Unternehmen zumindest in dieser Formation zum Scheitern verurteilt ist, dürfte klar sein, aber zum Glück taucht hinter ein paar Zweigen der Barbaren-Söldner Kor auf, dessen Alter Ego Bo Svenson bereits als „Inglorious Bastard“ die halbe Wehrmacht und US-Army niederslayte – und wer es mit denen aufnehmen konnte, der braucht keine Angst vor Shurkas rot-schwarz-gekleideter Streitmacht zu haben, die ihre Schlachten nach dem Motto „Wer am lautesten gröhlt, gewinnt!“ bestreiten. Ganz im tolkien’schen Gemeinschaftssinne stellen sie sich den Mächten der Finsternis entgegen. Doch bis zur Burg ist es ein langer Weg, der unsere Helden nicht nur in Berührung mit Zyklopen und Zwerge bringt, sondern auch noch durch die Selbstmörder-Höhle führt („Der schnellste Weg zur Burg führt durch die Selbstmörder-Höhle. Ein grauenerregender Ort!“). Hier ist der Weg das Ziel – und der Weg geht durch die Produktionsbüros von Roger Corman…

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„In einem Königreich vor unserer Zeit“ ist ein absoluter Geniestreich seitens Roger Cormans. Auf der einen Seite konnte er all seine übriggebleibenen Requisiten und am Boden liegenden Zelluloidstreifen von vorangegangenen Filmen wiederverwerten (so besteht die komplette Anfangssequenz aus dem Barbaren-Trasher „Deathstalker – Der Todesjäger“), auf der anderen Seite produzierte er sogleich einen Film für zwei Zielgruppen.

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Erstens natürlich für den Trashfilm-Liebhaber, der sich nicht zu schade ist, selbst den größten Mumpitz in seinem Videorecorder zu schleudern. Zweitens für Kleinkinder, die sicherlich von der Story fasziniert sind und bei jedem noch so übel daherhumpelnden Ungeheuer, die gewissenhaft von Profi-Geisterbahn-Darsteller mit Leben erfüllt werden, die Augen aufreißen. Von der Ausstattung und Darstellung her ist der Film auf einem sehr niedrigen Niveau, was für gute Laune am Kaffeetisch sorgt – lediglich Emo-Kids haben hier nichts zu lachen.

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Aber weder die allwissenden Zwerge, die in Gartenlauben hocken, noch die fiesen Monstren, vom Zyklopen bis hin zur gepeinigten Selbstmörder-Seele, machen diesen Film zu einem wahren Speckstück unter den Fantasy-Trashern, sondern der an der Handlung vollkommen desinteressierte Pummel-Flokati Gulfax.

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Gulfax ist der kuschelige, vorzeitliche Fluffi-Kumpel von Nebenan, der sich nur durch Grummel- und Grunz-Laute verständigt, keine eigene Meinung besitzt und dadurch als äußerst treu bezeichnet werden kann. Quasi der Chewbacca des corman’schen Fantasy-Universums. Er bestreitet den gesamten Film nach dem olympischen Motto: Dabei sein ist Alles. Für Kinder bis 6 Jahren ist Gulfax wahrscheinlich die Offenbarung, für etwas ältere Zuschauer aber nicht mehr als ein ausrangiertes Freizeitpark-Maskottchen, welches sich Besorgnis erregend oft in den Schritt fasst und dabei grunzt.

Wer Gulfax bei seinen Abenteuern in Dolby Digital und Widescreen zujubeln möchte, der wird enttäuscht werden. Wer sich aber nicht zu schade ist, ein schwammiges 4:3-VHS-Master mit Mono-Sound in seinen DVD-Player zu jagen, der sollte (nein, muss!) unbedingt bei Best-Buy-Movie vorbeischauen. Die Herren, die uns in regelmäßigen Abständen mit der Vermarktung bereits vergessener Trash-Perlen beglücken, haben „In einem Königreich vor unserer Zeit – Teil 1“ (auf VHS und im TV unter dem Titel „Wizards Of The Lost Kingdom – Magier der verlorenen Welten“) zugleich mit der Pseudo-Fortsetzung auf eine Disk gebrannt. 3 Stunden Fantasy-Nonsense sind vorprogrammiert – und diese sind nicht nur dank Gulfax ein wahres Trashfest.

Markus Haage

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Über Markus Haage 2111 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!