Eine Ausstrahlung im katalanischen Regionalfernsehen sorgt für Begeisterung unter hispanischen Fans der französischen Comicfiguren Asterix und Obelix. Eine Beobachtung über ein regionales Kultur-Phänomen.
Es ist eigentlich nicht ganz unser Métier, aber definitiv eine Erwähnung wert: Am 17. Januar 2027 bringt Studiocanal den Animationsklassiker „Asterix der Gallier“ („Astérix le Gaulois“, 1967) erneut in die deutschen Kinos; und zwar als 4k-Restaurierung von 35 mm! Und genau diese restaurierte Version feierte anscheinend bereits Ende September (vielleicht aus Versehen …?) ihre Premiere beim katalanischen Fernsehsender SX3! Dies hat ein spanischer Fan auf der Plattform „X“ (ehemals Twitter) durch Zufall festgestellt.

(© Studiocanal GmbH. All Rights Reserved.)
Gallisches Phänomen
Die Abenteuer von Asterix und Obelix bedürfen wahrhaftig keiner Einführung mehr. Die beiden gallischen Helden dürfen mittlerweile als Ikonen der westeuropäischen Nachkriegs-Popkultur bezeichnet werden, die über Jahrzehnte multimedial und länderübergreifend zelebriert wurden. Nicht nur in Comicheften und Hör- und Videospielen, sondern natürlich auch auf Leinwänden und Mattscheiben, als Animations- sowie Realfilm. Den Anfang machte anno 1967 „Asterix der Gallier“, der eigentlich als Fernsehfilm produziert wurde.
Es folgten vier weitere Zeichentrickfilme („Asterix und Kleopatra“, „Asterix erobert Rom“, „Asterix – Sieg über Cäsar“, „Asterix bei den Briten“), die stilistisch durchaus als eine Art Einheit zu verstehen sind. Erst 1989 kam es mit „Asterix – Operation Hinkelstein“ („Astérix et le Coup du menhir“, 1989) zu einer Art inszenatorischem „Bruch“. Man entwickelte sich weiter; so sehr, dass mittlerweile bereits computergenerierte Animationsserien von Netflix existieren.
Besonders diese ersten fünf Werke haben sich tief in das popkulturelle Gedächtnis einer ganzen Generation eingebrannt; durch stete Wiederaufführungen im Kino oder auch durch Wiederholungen im Fernsehen. Nicht einmal zwingend in ihrer Gänze; manchmal nur in Fragmenten. Szenen und Momente werden noch heute zitiert und referenziert. Man denke hierbei an den Giftkuchen-Song aus „Asterix und Kleopatra“ („Astérix et Cléopâtre“, 1968) oder den berühmten Passierschein A38 aus „Asterix erobert Rom“ („Les Douze Travaux d’Astérix“, 1976), der als geflügeltes Wort seinen Einzug in den alltäglichen Sprachgebrauch fand, um lähmende Bürokratie spöttisch zu umschreiben.
Doch an eine solche Resonanz dachte man Mitte der 1960er-Jahre noch lange nicht, als die Arbeiten am ersten Zeichentrickfilm begannen. Auch wenn dieser vielleicht nicht den Höhepunkt der Reihe darstellt und die Handlung recht übersichtlich ist, besitzt der Film als erster Teil natürlich einen hohen Stellenwert innerhalb der internationalen Fan-Community. Er war der Anfang von dem, was alles noch kommen sollte. Der Anbeginn der Reise. Simpel erzählt, einfach inszeniert, fast schon „intim“ konstruiert; die gesamte Handlung findet rund um das gallische Dorf und somit noch fernab von Britannien, Rom, Griechenland oder Ägypten statt. Doch der Widerstand der beiden gallischen Helden wurde natürlich nicht nur westlich des Limes zur popkulturellen Legende, sondern auch in der ehemaligen römischen Provinz Hispania citerior, dem heutigen Katalonien.
Katalanische Freude
Die Katalanen scheinen über die Jahrzehnte stets das Nachsehen gehabt zu haben. Darauf deutet zumindest eine Ausstrahlung von „Asterix der Gallier“ im katalanischen Fernsehen hin. Als diese vor wenigen Wochen stattfand, wurde es kaum wahrgenommen. Auch nicht von den Fans. Es war eben eine der vielen, vielen Ausstrahlungen. Nichts Besonderes, dachte man. Doch für die Katalanen entpuppte sich genau diese Ausstrahlung als eine Premiere. Dies fiel zumindest einem Zuschauer auf. Wenn auch mit Verspätung.
Noch im März 2026 zeigte der regionale Sender SX3 eine alte SD-Fassung im falschen Bildformat, aber immerhin in der katalanischen Sprachfassung. Die Katalanen, ähnlich wie die Gallier in den Comics, kämpfen seit Jahrzehnten für ihre Unabhängigkeit. Sie sind ihr eigenes „gallisches Dorf“. Auf die Bewahrung der katalanischen Identität, Kultur und Sprache legen sie demnach großen Wert, stehen aber stets in einer verhassten Abhängigkeit von anderen Mächten. Nicht nur der spanischen Krone, sondern auch den Lizenzgebern von Medien, die das – nicht despektierlich gemeint! – kleine Katalonien anscheinend recht stiefmütterlich behandeln. Katalonien ist eben (rein ökonomisch betrachtet) kein großer Markt.
Demnach war wohl auch die einzig offiziell erhältliche Sprachfassung von „Asterix der Gallier“ stets qualitativ der kleinste Nenner. Eben die HD-Fassung (vielleicht auch nur eine hochskalierte SD-Version), die hierzulande schon vor einem Vierteljahrhundert auf DVD veröffentlicht wurde. Der Film war erhältlich, wenn auch in niedriger Qualität. Und im falschen Bildformat. Dies änderte sich mit der erwähnten Fernsehausstrahlung Ende September 2026.
Dass es sich hierbei um ein Versehen gehandelt haben könnte und die neue Restaurierung (zumindest in Spanien) noch gar nicht veröffentlicht werden sollte, wird vermutet. Denn die Ausstrahlung geschah nebenbei; ebenfalls die Platzierung auf dem spanischen Streaming-Dienst, der zum Sender gehört. Es gab vorab keine nennenswerte Ankündigung oder Erwähnung; nicht einmal ein Hinweis, dass es sich für Spanien um eine wohl offiziell erstmalige Ausstrahlung des Films im richtigen Bildformat handelte.

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Streng genommen war es vielleicht auch eine Weltpremiere. Denn bisher ist nur in Deutschland die Aufführung dieser restaurierten Version angekündigt, wobei man davon ausgehen kann, dass diese auch in Frankreich erscheinen wird. Die (versehentliche?) Fernsehausstrahlung und Platzierung als abrufbarer Stream hätte demnach auch eine größere Bedeutung für das gesamte Fandom. Ob es sich aber tatsächlich um genau diese neue Restauration handelt, ist noch nicht verifiziert, auch wenn viele Indizien darauf hinweisen.
Eine Restauration, wie die Götter sie befehlen
Aber selbst wenn dies nicht der Fall war, stellt für die Spanier oder zumindest die katalanischen Fans diese Ausstrahlung trotzdem eine kleine Sensation dar und erlaubt uns Außenstehende einen faszinierenden Einblick in eine vertraut wirkende, aber dennoch etwas fremde Fan-Welt. Denn in Spanien glaubt man anscheinend nicht mal mehr an ein physisches Release des Films, was für uns Deutsche aufgrund der Popularität der Figuren absurd klingen mag; wurde „Asterix der Gallier“ (und alle anderen Animationsfilme der Reihe) doch ausgiebig über Jahrzehnte in unzähligen Editionen ausgewertet – sogar in unterschiedlichen Sprachfassungen! Nur zum ersten Film existieren hierzulande drei offizielle Synchronisationen; eine sogar im sächsischen Dialekt! Dass die Filme hierzulande demnach mehr Liebe erfahren haben, scheint sogar den Spaniern bewusst zu sein. In der Diskussion um die Ausstrahlung der Restaurierung wird mehrmals begeistert erwähnt, dass „Asterix der Gallier“ zum 60-jährigen Jubiläum sogar eine Kinoauswertung in Deutschland erhalten wird.

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Besondere Beachtung erhält aber auch das erwähnte Bildformat. Für die Katalanen stellt auch dieses eine Besonderheit dar, was darauf schließen lässt, dass sie das Werk bisher nur im Breitbildformat zu sehen bekamen. „Asterix der Gallier“ wurde ursprünglich für das französische Fernsehen produziert; somit bewusst im Format 1.33:1 (4:3). Dieses Format ist somit kein „open matte“ (nach klassischem Verständnis), wie man es von Realfilmen kennt. Die Entscheidung für ein Kino-Release des Films kam erst nach Beendigung der Produktion.
Das Breitbild-Format (1,78:1) für das Kino nutzte man somit erst nachträglich und veränderte damit den Bildausschnitt. Die Breitbild-Version stellt streng genommen somit das falsche Bildformat dar, da es bei der Produktion nie eingeplant war. Die Katalanen konnten den Film somit anscheinend über Jahrzehnte nur im Breitbildformat sehen; nie im ursprünglichen Originalformat (4:3). Wollte man es dennoch tun, musste man auf ausländische Veröffentlichungen zurückgreifen, die wenigstens die spanische Tonspur beinhalteten. Diese Versionen kamen allerdings mit eigenen, fremdsprachigen Titeleinblendungen. Die vorliegende Restauration verwendet nun die originalen französischsprachigen Credits. Die Freude seitens der katalanischen Fans ist dementsprechend groß: „Eine [Restauration], wie Gott sie befiehlt!“
Der Fernsehsender bietet den Film als Stream an. Natürlich nur in katalanischer Sprache. Da die Rechtslage unsicher ist – und die Veröffentlichung vielleicht doch ein Versehen war –, verzichte ich auf einen Link. Spanische Fans von Asterix und Obelix können sich demnach freuen. Und gerade weil die Bevölkerung von Germania libera im direkten Vergleich verwöhnt ist, sei den Katalanen ihre Freude auch von Herzen gegönnt. Als Außenstehender jenseits des Limes ein faszinierendes Phänomen.
‐ Markus Haage
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