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„Masters of the Universe“ (USA, 2026)

verfasst am 4.Juni 2026 von Markus Haage

Nach fast vier Jahrzehnten kehren die „Masters of the Universe“ auf die große Leinwand zurück und versuchen hierbei Fans unterschiedlicher Generationen und Interpretationen der Vorlage zusammenzubringen. Eine fast unmögliche Aufgabe, die auf eine fast schon irritierend unterhaltsame Art und Weise mit Bravour gelingt.

Offizielle Synopsis: Nach 15 Jahren der Trennung führt das Schwert der Macht Prinz Adam (Nicholas Galitzine) zurück nach Eternia und er entdeckt, dass seine Heimat unter der heimtückischen Herrschaft von Skeletor (Jared Leto) in Trümmern liegt. Um seine Familie und seine Welt zu retten, muss sich Adam mit seinen engsten Verbündeten zusammenschließen – Teela (Camila Mendes) und Man-At-Arms (Idris Elba) – und sein wahres Schicksal als He-Man annehmen, den mächtigsten Mann des Universums.

Über Jahrzehnte hielt sich das Gerücht einer Neuverfilmung von Mattels populärer Toyline „Masters of the Universe“. Mitte der 1980er-Jahre dominierte diese wie kaum eine andere Reihe die Spielzeugläden. Doch diese Dominanz war tatsächlich nur von relativ kurzer Dauer. 1983 gestartet, war der große Hype vier Jahre später schon vorbei. Noch 1986 erzielte man nur in den USA einen Jahresumsatz von rund 400 Millionen US-Dollar (nicht inflationsbereinigt); 1987 waren es nur noch sieben Millionen US-Dollar. Man versuchte die Reihe zu diesem Zeitpunkt bereits neu auszurichten – man denke hierbei nur an „She-Ra – Prinzessin der Macht“ („She-Ra – Princess of Power“, 1985–1987) oder auch an das unveröffentlichte Spin-off „The Powers of Grayskull“ (1987) –, doch geholfen hatte es letztlich nichts. Dem rasanten Aufstieg der „Giganten des Universums“, wie sie in Deutschland anfangs hießen, folgte ein ebenso rasanter Fall, der auch die Realverfilmung des amerikanisch-israelischen Filmstudios Cannon Films mit nach unten riss. „Masters of the Universe“ (1987) mit Dolph Lundgren und Frank Langella in den Hauptrollen stellt zwar heutzutage einen von Fans liebgewonnen 80er-Fantasy-Kultfilm dar, damals konnte er den (kommerziellen) Untergang der Heroen Eternias aber nicht mehr aufhalten. Es blieb die einzige Realverfilmung des Stoffes. Bis zum Jahr 2026; fast vier Jahrzehnte später.

Die Jahre dazwischen waren von vielen Neustarts geprägt. 1990 unternahm man mit „Die neuen Abenteuer des He-Man“ („The New Adventures of He-Man“, 1990–1991) eine radikale Neuausrichtung. He-Man reiste eintausend Jahre in die Zukunft auf einen neuen Planeten und veränderte sogleich sein Aussehen. Aus dem bulligen 80er-Bodybuilder wurde ein sportlicher 90er-Athlet. Aber auch diese Abänderungen haben nicht geholfen. Das Konzept ließ sich nicht übertragen. War He-Man vielleicht einfach nur ein Kind seiner Zeit, das nur kurzfristig als Phänomen eine bestimmte Zielgruppe begeistern konnte? Vielleicht. In den 1990er-Jahren wurde es ruhig um die Meister des Universums. Erst 2002 wurden sie mit der Animationsserie „Masters of the Universe“ (2002–2004) wiederbelebt. Kein Hit, aber der vielleicht nötige Impuls, um die Welt Eternias erneut ins Rampenlicht zu rücken.

In den folgenden Jahren erkannte Mattel das Potenzial wieder; veröffentlichte eben nicht nur zum Reboot von 2002 neue Figuren und Sets, sondern auch zur klassischen Reihe, die sich vor allem an die nun erwachsenen Kinder der 1980er-Jahre richtete. Diese hielten den Hype aufrecht; auch wenn es eher ein Nischen-Phänomen unter Sammlern blieb. Genug für liebevoll gemachte Fanzines und Websites, Conventions und Retro-Dokus, aber eben (noch) nicht genug, um einen großangelegten Reset für ein modernes globales Massenpublikum zu rechtfertigen. Auch die Masters blieben in den 80ern hängen; eine echte Evolution war noch nicht zu erkennen. Vielleicht wollte die Fanbase dies auch gar nicht.

Die vielen Neuinterpretationen der klassischen Serie.
© Mattel, Filmation Associates, Netflix)

Spätestens seit 2009 war auch eine neue Realverfilmung dauerhaft im Gespräch. Regisseure machten Pitches, Autoren verfassten Treatments und Drehbücher, Produzenten positionierten sich öffentlich, doch über eine Vorproduktionsphase kam kein Projekt hinaus. Das, was an die Öffentlichkeit drang, ließ stets eine hyper-seriöse Umsetzung vermuten. Wohl auch dem damaligen Trend geschuldet, sollten die Heroen Eternias oftmals realistisch und „gritty“ dargestellt werden. Ein Epos entstehen, welches vielleicht an „Conan der Barbar“ (1981), „Legende“ (1985) oder die „Herr der Ringe“-Trilogie (2001–2003) angelehnt ist.

Aber war „Masters of the Universe“ wirklich jemals „gritty“? Die Filmation-Animationsserie entwickelte sich zwar zu einem 80ies-Kult, wird heutzutage allerdings oft nostalgisch stark verklärt. Dies wurde schon bei Veröffentlichung von Netflix’ Anime-Mini-Serie „Masters of the Universe: Revelation“ (2022) extrem deutlich. Die teils absurd überzogene Kritik basierte oftmals nicht auf Fakten, sondern eher einer Idealisierung, wenn nicht schon Glorifizierung der eigenen kindlichen Fantasie. Fairerweise muss erwähnt werden, dass die Fabellehre Eternias sich oft widersprach; und dies bereits im ersten Lauf. Die Europa-Hörspiele deckten sich mythologisch nicht mit der Filmation-Serie, die wiederum von den Marvel- als auch den Spielzeugfiguren beigelegten Mini-Comics inhaltlich abwich. Und gerade diese Zeichentrick-Serie, die die meisten Fans immer noch am stärksten mit „Masters of the Universe“ assoziieren, dient nun als Vorlage für die aktuelle Neuverfilmung. Eine Cartoon-Serie, die mit 140 Episoden in einem Abwasch herunter produziert wurde und Storylines behandelte, in denen Skeletor einen Clown entführt, weil der Circus anstatt auf Snake Mountain lieber in Randors Palast gastiert. Allerdings eben auch eine Cartoon-Serie, dessen Intro, insbesondere Titelmusik, sich tief ins popkulturelle Gedächtnis einer ganzen Generation eingebrannt hat.

Alle Interpretationen hoben sich teils drastisch von der Vorlage ab; nur Kevin Smiths Spin-off-Sequel versuchte noch daran anzuschließen, dies aber eben nicht tonalisch, sondern als große Hommage des gesamten ersten 80er-Runs. Es birgt einer gewissen Ironie, dass Regisseur Travis Knight sich im Gegensatz zu all seinen Vorgängern bei seiner Realverfilmung eben den vergessenen Klamauk der Filmation-Serie als größtes Vorbild annimmt und damit wohl die getreueste Neuinterpretation des Stoffes inszeniert.

Die Helden Eternias vor den Toren Castle Grayskulls.
© 2026 Amazon MGM Studios Content Services LLC

„Masters of the Universe“ verschwendet kaum Zeit, steigt mit einem epochalen Chorgesang komponiert von Daniel Pemberton und zu den Gitarren-Riffs von Brian May direkt ein. Eternia in seiner Blütezeit wird präsentiert, doch dessen Untergang ist bereits dramaturgisch zementiert. Skeletor (Jared Leto), dunkle Omnipotenz von Snake Mountain, hat zum Angriff geblasen und nimmt nicht nur Eternis, sondern auch Castle Grayskull ein. King Randor wird gefangen genommen, sein Sohn Adam (Nicholas Galitzine), muss auf die Erde, dem Heimatplaneten seiner Mutter, fliehen. Fünfzehn Jahre später hat Skeletor Eternis noch immer im Griff, aber Adam, nun Büroangestellter, träumt davon, nach Eternia zurückzukehren. Doch dafür benötigt er das Zauberschwert …

Nur dieser Handlungsstrang könnte einen ganzen Film füllen. Doch „Masters of the Universe“ ist daran gar nicht wirklich interessiert. Die reale Welt wird nur zitiert, wenige Schauplätze präsentiert. Wir erfahren nur wenig über den irdischen Adam; müssen auch nicht wirklich viel wissen. Mit Lichtgeschwindigkeit geht es nach weniger als 25 Minuten nach Eternia, wo Adam zusammen mit Teela (Camila Mendes) nicht nur die Gegenwehr organisiert, sondern ihn als Erlöserfigur auch mit dem Zauberschwert zusammenführen will, damit die Kraft von Grayskull auf ihn übergeht und Skeletor geschlagen werden kann.

Alle wilden Eigenheiten der Story werden mit vielen selbstironische Gags weggeschmunzelt. Der Film will sich stets bewusst sein, dass die bunte Vorlage nur schwer in eine filmische Realität zu übertragen ist – zumindest, wenn man ihr getreu sein möchte –, also nimmt man sich selber nicht vollends ernst. Jeder Gag funktioniert, auch wenn diese in ihrer schieren Masse vielleicht etwas zu viel sind oder manch ein dramaturgischer Moment dadurch verwässert wird. Manch ein Fan würde hier von einer Art Demontage sprechen, aber schaut man sich das Werk genau an, so stellt dies eher eine liebevolle Hommage dar. Nicht nur auf die Filmation Cartoons, sondern das gesamte Franchise. Cannons Realverfilmung findet genauso seinen Platz wie die zahlreichen Mems, die vor rund fünfzehn Jahren vornehmlich den selbst ernannten Herren der Finsternis, Skeletor, parodierten. Und ja, auch das Lied „What’s Up?“ wird angespielt. Die Meister des Universums werden aber nicht zu Witzfiguren (v)erklärt; man lacht nicht über sie, sondern über die Besonderheiten des eigenen Fandoms der letzten Dekaden.

Skeletor, die böse Omnipotenz von Eternia.
© 2026 Amazon MGM Studios Content Services LLC

Somit werden auch die erwähnten Mems reichhaltig zitiert; und dies auf eine solch mutige Weise, dass man Regisseur Knight eigentlich nur applaudieren kann. Vieles dürfte nicht funktionieren, tut es aber dennoch. Knight präsentiert Eternia und dessen Eigenheiten mit einer Leichtigkeit, die Respekt abverlangt. Unterstützt wird er dabei von einem fantastischen Cast, von dem besonders Jared Leto als Skeletor hervorsticht. Er spielt keinen tragischen Schurken, versucht erst gar nicht an Langellas shakespearesken Spiel aus dem Jahre 1987 heranzukommen (dazu ist die Figur auch nicht geschrieben worden), sondern interpretiert seinen Skeletor getreu der Vorlage aus der Zeichentrickserie. Arrogant und brutal, aber genauso unsicher und tölpelhaft.

Castle Grayskull; magisches Zentrum von Eternia.
© 2026 Amazon MGM Studios Content Services LLC

Man kann dem Film sicherlich vorwerfen, dass er inhaltlich den Weg des geringsten Widerstands geht und sich dramaturgisch den etablierten Mechanismen einer Marvel-Produktion unterwirft – schon vorab wurden Vergleiche zu Comic-Verfilmungen wie „Thor“ (2011) oder „Guardians of the Galaxy“ (2014) gezogen –, fairerweise sollte allerdings erwähnt werden, dass das erklärte Ziel eben der rasante Einstieg in diese wilde Welt ist; eine Welt, die aus Show-Effekten zusammengehalten wurde. Knight kann nur das Material zitieren, welches auch tatsächlich vorhanden ist. Und dieses Quellmaterial war stets ein wilder Zirkus an teils widersprüchlichen Konzepten. Das erklärte Ziel war es letztlich, stets Spielzeug zu verkaufen. Was (in erster Linie) zehnjährige Jungs begeisterte, wurde umgesetzt. Ansonsten lässt sich der legendäre Bashosaurus auch nicht erklären. Die Mythologie (oder Logik) dahinter kam erst später und wurde passend gemacht, wenn es nicht passen sollte. Und es passte selten. Eternia ist eine Welt der absoluten Fantasie, in der Menschen, Fischmänner, Steinmonster, fliegende Kobolde, Zauberer und sprechende Roboter miteinander leben oder sich einander bekämpfen. Schon die New York Times merkte 2007 folgendes an:

„Aided by the early ’80s deregulation of ads, Mattel, Hasbro and others created cartoons that were essentially program-length commercials. These cartoons, like ‚He-Man and the Masters of the Universe‘ or ‚Care Bears,‘ promoted toy lines in their story plots and led to an endless wave of toys based on television and movie characters.“
Gary S. Cross, „Toys for Snaps“, The New York Times, 2007.

„Masters of the Universe“ ist sich dieser Historie durchaus bewusst, ignoriert sie nicht, sondern kokettiert damit. Adam bleibt das Kind, dessen Erinnerungen an Eternis das moderne Eternia formen werden. Meck-A-Neck, Ram Man aber auch Fisto sind Wortschöpfungen, die der Fantasie des jungen Adams im Asyl auf Erden entsprang. Die Heroen von Eternia sind darüber eher verwundert; fragen am Ende gar, ob er für sich selber auch einen Namen kreiert hat. „He-Man“, ist die Antwort. Diese Dekonstruktion ist eben nicht despektierlich, sondern eine liebevolle Hommage an die eigentliche Zielgruppe des Films: Kinder und deren kindliche Fantasie. Schon „The Lego Movie“ (2007) versuchte dies in seine Geschichte einzuweben und daran zu erinnern, dass Lego eben für Kinder aller Altersgruppen gedacht ist und der Fantasie keine Grenzen gesetzt werden sollten.

„Masters of the Universe“ möchte nicht sinnieren oder glorifizieren, sondern zelebrieren. Nicht einmal die Welt oder die Mythologie, sondern die pure Begeisterung, die einst jeder nun sarkastische Erwachsene in sich trug, als er die Figuren in den Händen hielt und auf dem Teppichboden des eigenen Kinderzimmers gegeneinander antreten ließ. Ob es geplant war oder nicht, „Masters of the Universe“ vollbringt eine bemerkenswerte Leistung: Er stellt eine Großproduktion von 170 Millionen US-Dollar-Budget frei von zwanghaftem Zynismus oder aufgezwungenen Hyper-Realismus dar, der eben nicht mit Biegen und Brechen versucht, sich sklavisch irgendeiner Logik zu unterwerfen. Es ist ein Film, der – platt ausgedrückt – einfach nur unverschämt viel Freude bereitet.

Aus Adam wird He-Man.
© 2026 Amazon MGM Studios Content Services LLC

Und so präsentiert „Masters of the Universe“ am Ende einen riesigen Mix aus Ideen, der mehr als vier Jahrzehnte an Masters-Historie zitieren möchte und wohl deswegen als Einstieg in diese gigantische Welt dramaturgisch einfach zusammengestrickt wurde. Auf dem Blatt Papier dürfte dies alles gar nicht funktionieren. Es tut es trotzdem. Warum? Weil der Film stets hoffnungsvoll bleibt. „Masters of the Universe“ ist der Hopecore-Blockbuster des Jahres, der mit einer fast schon infantilen Freude und frei von jeglichem Zynismus dieser Tage die gesamte Historie Eternias zelebriert.

Markus Haage

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Über Markus Haage 2303 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!