Am 28. Mai 2026 luden Sony Pictures, Amazon MGM Studios und Mattel nach Berlin ein, um die Premiere von „Masters of the Universe“ zu präsentieren. Ein Event, welches nicht nur die Rückkehr der Heroen von Eternia auf der großen Leinwand zelebrieren, sondern andere Filmpremieren weit in denn Schatten stellen sollte.

(© Markus Haage. All Rights Reserved.)
Über Jahrzehnte hielt sich das Gerücht einer Neuverfilmung von Mattels populärer Toyline „Masters of the Universe“. In den frühen 1980er-Jahren dominierte diese wie kaum eine andere Reihe die Spielzeugläden. Doch Aufstieg und Fall der „Meister des Universums“ lagen dicht beieinander. 1983 gestartet, war der Hype vier Jahre später schon vorbei. Noch 1986 erzielte man nur in den USA einen Jahresumsatz von rund 400 Millionen US-Dollar (nicht inflationsbereinigt); 1987 waren es nur noch sieben Millionen US-Dollar. Man versuchte die Reihe zu diesem Zeitpunkt bereits neu auszurichten; auch mithilfe einer Realverfilmung des amerikanisch-israelischen Filmstudios Cannon Films. Das Resultat, die Realverfilmung „Masters of the Universe“ (1987) mit Dolph Lundgren in der Hauptrolle, stellt zwar heutzutage einen von Fans liebgewonnen 80er-Fantasy-Kultfilm dar, damals konnte er den Untergang der Heroen Eternias aber nicht mehr aufhalten. Es blieb die einzige Verfilmung des Stoffes. Bis zum Jahr 2026; fast vier Jahrzehnte später.
Zwischenzeitlich entwickelten sich die Masters von einem Nischen-Phänomen zu einer Ikone. Kaum eine andere Zeichentrick- und Spielzeugserie steht so sehr für die 1980er-Jahre. Demnach nicht überraschend, dass man stets versuchte, sie für eine neue Generation neu aufzubereiten – mehrere Zeichentrickserien entstanden über die Jahrzehnte –, doch eine Realverfilmung befand sich seit 2009 in der sogenannten Development Hell. Netflix überlegte kurzfristig sich dem Stoff anzunehmen, letztlich setzte Amazon MGM Studios die Geschichte neu um, mit dem erklärten Ziel diese für ein junges Publikum aufzubereiten, ohne dabei allerdings die Wurzeln zu ignorieren.
Dass das Filmstudio des größten Online-Händlers der Welt vollends hinter dem Film steht, erkennt man nicht nur an der Produktion selber – bis zu 200 Millionen US-Dollar soll investiert wurden sein –, sondern auch an der Promotion. Was früher die Norm war, stellt heute eine Seltenheit dar: eine multimediale, selbstbewusste Promotion. Amazon MGM Studios kleckerte nicht, sie klotzten. Und zwar mächtig. Jeder sollte es wissen: Die „Masters of the Universe“ sind auf die große Leinwand zurückgekehrt.

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Bereits zur Weltpremiere fuhr man alles auf, was die Traumfabrik zu bieten hatte. Vor dem legendären Grauman’s Chinese Theatre (nun TCL Chinese Theatre) wurde Castle Grayskull errichtet und eine offizielle Übergabe des Zauberschwerts von Dolph Lundgren an Nicholas Galitzine inszeniert. Der alte He-Man traf auf den neuen. In Los Angeles blieb man aber nicht. Die offizielle Europa-Premiere in Großbritannien fand in Anwesenheit von Queens Brian May statt, der auch Teile des Soundtracks eingespielt hat. In London wurde der Film auch gedreht. Als großes Finale der Welt-Tournee entschied man sich für Berlin. Amazon MGM Studios, Mattel und Sony Pictures, die den Kino-Vertrieb übernommen haben, luden ein. Man war sich bewusst, dass insbesondere für die starke deutschsprachige Community die Veröffentlichung eines neuen Realfilms ein Event darstellt. Demnach organisierte man auch keine klassische Filmpremiere, sondern eine große Show mit einem Eternia-Twist versehen, die fast den ganzen Tag andauern sollte.
Vor dem UCI Luxe East Side Gallery Kino nahe der Uber-Arena baute man keinen roten, sondern einen lila Teppich auf, der direkt vor die Pforten von Castle Grayskull – oder eher einem Nachbau – führte. Stars und Sternchen formierten sich davor, um auf Skeletors Thron Platz zu nehmen oder das ausgestellte Zauberschwert in die Höhe zu heben und dabei den legendären Spruch „Bei der Macht von Castle Grayskull …“ auszurufen. Neon Zombie®, als Vertreter der Presse, wurde direkt davor platziert; und somit nicht nur neben Sat.1, ProSieben und dem ZDF, sondern auch dem Rolling Stone®-Magazin. Dessen Chefredakteur Sassan Niasseri kam mit seinem Sohn zur Filmpremiere, der sein eigenes Zauberschwert mitnahm und es sich von den Darstellern signieren ließ.

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Neben den Hauptdarstellern Nicholas Galitzine (He-Man) und Camila Mendes (Teela) war auch Regisseur Travis Knight anwesend, der den Film zusammen mit Benjamin Bach, Chef von Sony Pictures Deutschland, unter frenetischen Jubel der Fans gegen 19.30 Uhr auf der großen Leinwand präsentierte. Ungefähr. Denn der ursprüngliche Zeitplan konnte nicht ganz eingehalten werden. Zu viel gab es zu erleben und zu unternehmen. Dies war wohl auch den Besuchern eines Konzerts der Uber-Arena bewusst, die sich rings auf der Terrasse der Arena formierten und von oben herab das Event bestaunten.

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Bereits am Nachmittag lud Amazon MGM zu einer Fan-Experience ein, bei der man interaktiv die Welten von Eternia erleben oder Cocktails mit Skeletor-Eiswürfeln schlürfen konnte. Für den kleinen Hunger gab es Donuts, jedes im Look eines Heroen oder Schurken gestaltet. Man legte wahrhaftig Wert auf die kleinen Details. Dies setzte sich auch fort. Mattel präsentierte am Nachmittag noch ihre neue Toyline – selbstredend muss zur neuen Realverfilmung auch eine neue Spielzeug-Reihe produziert werden und diese kann sich qualitativ tatsächlich sehen lassen – bevor es dann zur eigentlichen Premiere ging. Das offizielle Eröffnungsevent auf dem lila Teppich hielt tatsächlich fast zweieinhalb Stunden an.
Das Moderatoren-Duo Daniel Boschmann, eigentlich morgens im Frühstücksfernsehen auf Sat.1 zu sehen, und Dominik Porschen, heizte die Fans auf die anwesenden Stars ein. Eigentlich mussten sie das nicht, denn so gut wie jeder war bereits aufgeheizt. Nicht nur wegen der prallen Sonne, sondern weil die Reihen mit Masters-Fans gefüllt waren. Einige ließen es sich nicht nehmen, gar kostümiert anzureisen. Eines der Highlights: She-Ra mit Bart. Dies ist Eternia; hier darf jeder alles auf die ganze eigne Weise zelebrieren.

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Wie viele Kinos für die Premiere gebucht wurden, kann nur geschätzt werden. Es wurden Karten für Kino 1 als auch Kino 8 vergeben; und alle Kinos waren ausgebucht. Die Stars, die den Film einleiten sollten, konnten natürlich nicht omnipräsent sein, weswegen sie „lediglich“ den größten Kinosaal mit IMAX-Projektion (Kino 1) persönlich besuchten. Allerdings wurden die Besucher in den anderen Sälen nicht allein gelassen. Ein Live-Stream auf die Leinwand projiziert ließ sie am Geschehen teilhaben. Als die Lichter sich verdunkelten, drifteten Hunderte von Gästen für mehr als zwei Stunden in die Welt von Eternia ab. Es wurde gelacht, es wurde viel applaudiert, insbesondere am Ende. Negative Stimmen waren kaum zu vernehmen. Selten zuvor nahm man eine Filmpremiere mit solch extrem positiven Vibes war. Und dies passte auch perfekt zum Film selber, den man – ohne etwas zu spoilern – als „100 % Hopecore“ bezeichnen kann (siehe Review). Ein Feel-Good-Fantasy-Actioner, der mit einer kindlichen Freude die Welt von Eternia, aber auch dessen Fandom zelebriert.

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Dass die Fans diese Welt nicht verlassen wollten, spürte man nach der Premiere sofort. Dies lag nicht nur am Retro-Wohnzimmer, welches von Nerdistan TV im Kino-Forum errichtet und für zahlreiche Foto-OPs genutzt wurde, sondern auch an den Fans selber. Die Begeisterung über den Film und das eigene Fandom war groß. Sicherlich auch, weil im Gegensatz zu zahlreichen anderen Premieren die Basis berücksichtigt wurde. Anstatt den Raum nur mit seelenlosen Influencern zu füllen, die sich in Selfie-Orgien ergeben, lud man vor allem Fans aus der Nische ein. Somit konnte man erfreulich wahrnehmen, dass die zahlreichen Publisher aus der Fan-Szene, wie etwa PlanetEternia.de, Retrofabrik oder „Die Welt der Meister“-Magazin, für ihr jahrelanges Engagement auch honoriert wurden.
Der Premieren-Tag war um Mitternacht noch nicht zu Ende; driftete langsam aber sicher in den privaten Bereich ab. Nachdem sich die Besucher ihre sogenannten Goodiebags abgeholt hatten – Taschen gefüllt mit Merchandise von Amazon MGM, Sony Pictures und Mattel –, blieb man vor dem Kino und somit auch vor den Toren Castle Grayskulls stehen, ließ gemeinsam den Film und den Premieren-Tag noch einmal Revue passieren. Der Teppich wurde bereits eingerollt, Skeletors Thron war schon abgebaut, aber Castle Grayskull stand vom Scheinwerferlicht angestrahlt noch. Und nach dem Film war sich jeder in diesem Moment sicher, dass die „Burg der Zeitlosen“, wie sie früher einst hieß, auch noch lange stehen bleiben wird. Wenn nicht, werden die Fans dafür sorgen und das Banner Grayskulls auch die nächsten vierzig Jahre hochhalten.

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Es liest sich kitschig, aber gerade diese späten Abendstunden nach dem Premieren-Trubel stellten eine Art von „magischen Moment“ dar. Niemand wollte, dass der Tag ein Ende fand, aber natürlich musste er dies. Auch wenn ich nun abschließend den Eindruck erwecke, meine Unabhängigkeit abzugeben – den schließlich bin ich stolzes Mitglied beim VdFK (Verband der deutschen Filmkritik) und tatsächlich als vielleicht (… ?) einzige Publikation im Bereich Phantastisches Kino vollends journalistischen Grundsätzen verpflichtet –, mache ich keinerlei Hehl, dass die pure Begeisterung für den Film und dessen Welt es schwer macht, rational zu bleiben.
Es war eine Freude, aber auch eine Ehre dabei gewesen sein zu dürfen. Nicht nur als Fan des Franchises, sondern auch als Vertreter der Special-Interest-Publikation Neon Zombie®. Schon vom Konzept her ist dieses stets Nische; muss Nische sein. An diesem Tag nahmen sich die Heroen Eternias aber die Zeit; für jeden. Für das Fandom, für Neon Zombie®, für alle Gäste. Danke Amazon MGM Studios. Danke Mattel. Danke Sony Pictures.
Somit bleibt abschließend nur noch eines zu sagen: Nach 39 Jahren kehren die Masters of the Universe auf die große Leinwand zurück. Ein 44 Jahre altes Franchise, welches Fans aller Altersgruppen umfasst. Die erste Generation geht bald in Rente, die jüngste Generation noch in die Grundschule. Ab dem 4. Juni gehen sie gemeinsam ins Kino. Es gab unzählige, teils radikale Neuinterpretationen. Das eine Original existierte nie. Es ist unmöglich alle Generationen an Fans zufrieden zu stellen. Manche lieben die Filmation-Cartoons, andere die Europa-Hörspiele oder DC-Comics. Es gibt Fans der „New Adventures of He-Man“ (1989) oder von „She-Ra – Prinzessin der Macht“, welches als Spin-off bereits 1985 eine dermaßen drastische Erweiterung darstellte, dass man es als eine Art von Soft-Reboot bezeichnen könnte. Der (unveröffentlichte) Mythos „Powers of Grayskull“ (1987) hat ebenso seine Fans wie Netflix‘ Spin-off-Sequel „Revelation“ (2022), das genau diesen referenzierte.
Habt Freude am Franchise und dessen Variationen. Habt Freude am Film. Habt Freude an der Welt. Und habt Freude daran, dass die Heroen von Eternia nach vier Jahrzehnten noch immer begeistern; und selbst wenn ihr euch mit der Inszenierung nicht mehr identifizieren wollt, dann habt Freude daran, dass zehnjährige Kids es können, dabei das Zauberschwert in die Luft halten und rufen „Bei der Macht von Grayskull, ich habe die Kraft!“.

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‐ Markus Haage
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