Willies, The (USA, 1990)

verfasst am 16.Februar 2010 von Odo

„Hör’ Dir dieses vorlaute Küken an. Will mit den großen Hunden pinkeln und kriegst das Bein nicht hoch.“

„To get the willies“ bedeutet so viel wie „Zustände kriegen“. Doch davon kann zunächst keine Rede sein, als die drei Buddies Mike, Josh und Kyle des Nächtens im Vorgarten biwakieren und sich mit vorpubertären Sprüchen gegenseitig zu Tode langweilen. Schwung ins Wigwam kommt erst, als Mike (gespielt vom damals noch sehr jungen Sean Astin) eine abgeschmackte Urban Legend zum Besten gibt und so einen Wettstreit um das gruseligste Schauermärchen lostritt…

(© VZ-Handelsgesellschaft)

„The Willies“ bewegt sich überdeutlich im Fahrwasser von „Creepshow“, richtet sich jedoch aufgrund der vergleichsweise harmlosen Kurzgeschichten eher an jüngere Zuschauer. Insgesamt fünf Shorties geben die wackeren Camper zum Besten, wobei die ersten drei als ultrakurze Appetizer mit einer Länge von jeweils knapp 3 Minuten daherkommen.

Wir begegnen zunächst einer beleibten Dame, die im Fast-Food-Schuppen ihres Vertrauens eine Familien-Großportion Hähnchenteile bestellt und während des Verzehrs eine wenig delikate Entdeckung macht.

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Des Weiteren lernen wir einen alten Herrn kennen, der sich in der Geisterbahn entsetzlich langweilt, bis die dort gezeigten Schauergestalten plötzlich realer erscheinen, als ihm lieb ist.

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Nicht fehlen darf die geistig minderbemittelte Hundebesitzerin, die ihren frisch gebadeten Schatz zum Trocknen in die Mikrowelle packt. Epic fail! Wie dieses Intermezzo endet, kann sich jeder denken. Besagte Erzählung ist in der deutschen DVD-Fassung übrigens komplett abgängig, lässt sich jedoch im Bonus-Material in voller Länge genießen.

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Der vierte Grusler orientiert sich offenkundig an der Stephen King-Kurzgeschichte „Here there be Tygers“ und fällt mit runden 25 Minuten vergleichsweise üppig aus. Der kleine Danny muss sich hier von sympathischen (da Iron Maiden-Shirts tragenden) Schul-Rowdys drangsalieren lassen. Aufgrund mangelnder Körpergröße und fehlender Arschloch-Attitüde war an effektive Gegenwehr bis dato nicht zu denken. Doch Kollege Zufall meint es gut mit Danny und lässt ihn in der Toilette seiner Lehranstalt Bekanntschaft mit einem übelgelaunten Monster machen. Dieses nämlich macht sich mit Freuden und großem Appetit über Dannys bärbeißige Klassenlehrerin (Kathleen Freeman) her und verputzt die Radaubrüder zum Nachtisch. Doch welches Geheimnis steckt hinter diesem Ungeheuer und weshalb lässt es Danny unbehelligt?

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Klarer Höhepunkt von „The Willies“ ist die finale, mit satten 45 Minuten zu Buche schlagende Story „Flyboy“. Ein übergewichtiger Junge namens Gordy konfrontiert die Zuschauer hier mit einem mehr als obskuren Hobby. Seine liebste Freizeitbeschäftigung besteht nämlich darin, fachmännisch gemeuchelten Fliegen die Flügel auszureißen und die toten Insekten in selbst gebastelten Dioramen zu platzieren. Krönung seines abnormalen Schaffens ist eine Miniatur-Kirche mit einer predigenden Pfarrer-Fliege (sic!) und einem gekreuzigten Artgenossen als Jesus-Ersatz. Darüber hinaus verteidigt er eisern seinen Außenseiter-Status in der Schule, indem er selbstgebackene Plätzchen mit Spezialfüllung (tote Fliegen) an Klassenkameraden verteilt.

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Um an genügend „Material“ für seinen Fetisch zu kommen, bestückt er die ausgeklügelten Fallen mit einem besonderen Köder, den er in regelmäßigen Abständen aus Farmer Spiveys Garten klaut. Es handelt sich hierbei um hochwirksamen Spezialdünger, den der resolute Kauz in Eigenproduktion herstellt und eisern gegen Gorys wiederholte Raubzüge verteidigt. Wie sehr sich die beiden zugetan sind, beweist folgender Dialog:

Spivey: „Gordy Belcher, Du Fettsack! Was zur Hölle hast Du auf meinem Privatgrundstück zu suchen?“
Gordy: „Du alter Penner, geht’s Dich was an!?“
Spivey: „Ich hab Dich schon mal gewarnt. Kleines Ungeziefer, das in meinen Garten eindringt, wird ausgerottet! Ich habe überhaupt kein Verständnis für fette Schweinchen, die hier meinen guten Dünger stehlen und meinen Zaun demolieren!“
Gordy: „Und welcher Vollidiot hat das Loch da reingeschossen?“
Spivey: „Wenn ich Dich nochmal hier erwische, baller ich DIR ein Loch in den fetten Wanst! Nur ein Problem gäb es da, Dicker. Dein Hintern passt doch in keinen normalen Sarg!“
Gordy: „Du hast doch ein Hirn wie ne Fliege! Wenn Du ballerst, kommst Du in den Bunker!“
Spivey: „Fettsack, zieh sofort Leine! Zum allerletzten Mal, Dicker, es wird verdammt ernst! Oder möchtest Du Dir meine Radieschen von unten anschauen? Mach ne Fliege!“

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Eines Tages hat Spivey die Faxen dicke und schiebt dem Rotzlöffel eine ganz spezielle Mischung seines Wunderdüngers unter. Das Ergebnis lässt nicht lange auf sich warten und Gordy muss erkennen, dass auch Fliegen ganz schön nachtragend sein können…

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Fatality:
Auch wenn das Story-Quintett sowohl splatter-, als auch handlungstechnisch nicht an „Creepshow“ & Konsorten herankommt, ist mir der Streifen dennoch vier Köppe wert. Seine Stärken spielt „The Willies“ nämlich mit einer schmackhaften Doppelportion Trash aus: Darsteller mit der mimischen Ausdruckskraft eines Ottfried Fischer und Dialoge, gegen die selbst eine Darmspiegelung tiefschürfender wirkt. Kann man sich eine bessere Abendunterhaltung wünschen? Schon alleine wegen der ersten drei Minuten, in denen sich die Jungs mit maschinengewehrartiger Geschwindigkeit infantile Kleinkindersprüche um die Ohren hauen, lohnt sich eine Anschaffung des Films. Als Rausschmeißer hier ein kleiner Auszug:

Josh: „Besser, Du machst Dein großes Maul wieder zu, sonst zieht es!“

Josh: „Ich fang noch ein paar Glühwürmer, dann kann ich sein großes Maul ohne Laterne sehen.“
Mike: „Warum lässt Du diese armen Viecher nicht frei, Josh?“
Josh: „Lass doch Deinen Vogel frei!“

Josh: „Was ist ekliger als Kotzen?“
Kyle: „Dein Gequake ist das Ekelhafteste.“
Josh: „Was ist ekliger als eklig?“
Kyle: „Deine Fresse, Mann! Kannst Du nicht einmal Deine Kauleiste dichtmachen?“

Mike: „Soll ich Euch mal erzählen, was wirklich eklig ist?“
Josh: „Ist es ekliger als saure Heringe mit Schlagsahne und Ketchup?“
Mike: „Ja, darauf kannst Du einen lassen, Du Schweinchen!“

Odo

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