Werbung

60 Jahre „Star Trek“: Das Braunschweig International Filmfestival präsentierte „Star Trek II: Der Zorn des Khan“ im Planetarium Wolfsburg

verfasst am 20.September 2026 von Markus Haage

Science traf auf Fiction: 144 Filmfans aus der gesamten Region reisten am 18. September 2026 in das Planetarium Wolfsburg, um dort gemeinsam mit dem Braunschweig International Filmfestival und der TU Braunschweig nicht nur sechzig Jahre „Star Trek“ zu zelebrieren, sondern auch eine Reise im Geiste der Wissenschaft anzutreten.

Das Planetarium in Wolfsburg.
(© Markus Haage. All Rights Reserved.)

Am 8. September 1966 erstrahlte auf dem US-Fernsehsender NBC die erste Episode der Originalserie „Raumschiff Enterprise“ („Star Trek“, 1966-1969) über die Bildschirme. Niemand konnte damals ahnen, dass dieser Donnerstagabend den Beginn des wohl größten und langlebigsten Science-Fiction-Franchise der Welt markieren sollte. Es folgten neun Realserien, drei Animationsserien, unzählige Comics, Videospiele und Romane sowie natürlich vierzehn Spielfilme.

Einer davon, „Star Trek II: Der Zorn des Khan“ („Star Trek II: The Wrath of Khan“, 1982), stellt einen ganz besonderen Moment in der Trek-Historie dar und sollte am 18. September 2026 im Planetarium Wolfsburg stellvertretend für das gesamte Franchise mit einer dreifachen Projektion auf der Kuppel erstrahlen. Wohlgemerkt nicht irgendeiner Kuppel, sondern der größten Kuppel Niedersachsens, die eine ganz eigene, faszinierende Geschichte erzählen kann.

Der vulkanische Gruß wird geübt.
(© Markus Haage. All Rights Reserved.)

Mit DDR-Technik zu den Sternen

Das Planetarium war ursprünglich ein „Teil-Geschenk“ der DDR zum 40. Geburtstag der Stadt Wolfsburg im Jahre 1978. Die DDR lieferte den Projektor Spacemaster des Unternehmens VEB Carl Zeiss; die Autostadt Wolfsburg revanchierte sich mit der Lieferung von zehntausend VW Golf. Mit DDR-Spitzentechnik ging es vor 48 Jahren zu den Sternen. Der alte Spacemaster ist mittlerweile durch modernere Technik ersetzt worden; er ist – wenn auch nicht mehr im Betrieb – noch im Foyer des Planetariums zu bestaunen. Die neue Technik lädt nun nicht nur zu – im wahrsten Sinne des Wortes – abgespaceten Events ein, sondern eben auch zu klassischen Filmvorführungen in einem atypischen Rahmen, die an diesem Abend in Kooperation mit dem Braunschweig International Filmfestival cineastisch zu den Sternen geleiten sollten …

Ein letztes Selfie vor Filmbeginn.
(© Markus Haage. All Rights Reserved.)

Der erste Kontakt

Die Verbindung von „Star Trek“ und Braunschweig International Filmfestival (fortan: BIFF) scheint auf den ersten Blick verblüffend zu sein, gilt doch das BIFF als eher gediegenes Filmfestival, welches vor allem den europäischen und deutschen Dramafilm honorieren möchte. Doch wenn man genau hinschaut, stimmt dies schon lange nicht mehr. Clemens Williges kuratiert bereits seit mehr als zehn Jahren die populäre „At Midnight“-Reihe innerhalb des Festivals, die Genrefilme und Events aus den Sparten Horror, Science-Fiction und Fantasy zelebriert und kontextualisiert. Mittlerweile stellt die Reihe ein eigenes Highlight innerhalb des Festivalbetriebes dar.

Besondere Veranstaltungen außerhalb des Kinosaals, wie etwa eine 16mm-Vorführung von Murnaus „Nosferatu – Symphonie des Grauens“ (1922) in einem gotischen Gotteshaus mit Live-Musik auf der Kirchenorgel, sind ebenfalls keine Seltenheit, sondern eher die Norm. Auch außerhalb Braunschweigs. Demnach überrascht es auch nicht, dass das „B“ in BIFF nun nicht mehr allein für die Stadt Braunschweig steht …

Mit dem Planetarium Wolfsburg ging man bereits im April 2023 erstmals eine Partnerschaft ein und präsentierte gemeinsam Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ („2001: A Space Odyssey“, 1968) vor ausverkauftem Haus. Man wollte damit neue Spielorte außerhalb der städtischen Grenzen Braunschweigs einbeziehen, die sich nicht strikt nach dem Festivalkalender richten müssen und das BIFF somit auch ganzjährig überregional präsent halten können.

Darauf verwies Festivalleiterin Karina Gauerhof bereits vor drei Jahren bei der Aufführung von Ridley Scotts legendären Sci-Fi-Horrorfilm „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ („Alien“, 1979). Auch damals war Neon Zombie® und Neon Midnight® anwesend (ein Artikel zum gelungenen Event findet sich online hier oder in verlängerter Form im Print-Magazin Nummer 34).

Das Jubiläum von „Star Trek“ bot dazu nun eine weitere Gelegenheit; das Raumschiff Enterprise kehrte zum BIFF zurück. Wenn auch nicht ins Hauptprogramm, sondern außerhalb der Reihe, dafür aber eben an diesen einen ganz besonderen Ort, der die neue Verortung des Festivals perfekt widerspiegelte: das Planetarium in Wolfsburg. Damit schloss sich auch für Clemens Williges, der als Vertreter des Festivals anwesend war, ein gewisser Kreis. Es war nicht nur das Jubiläum eines Sci-Fi-Franchises, sondern auch ein persönlicher Abschluss.

Clemens Williges bestaunt die größte Kuppel Niedersachsens.
(© Markus Haage. All Rights Reserved.)

Man könnte meinen, dass das Franchise aufgrund der Größe und Massenpopularität den Bogen in das popkulturelle Kino zu sehr spannt – Stanley Kubricks „2001“ und Ridley Scotts „Alien“ stellten zwar Blockbuster, aber eben auch technische Meilensteine und inszenatorische Meisterwerke mit künstlerischem Anspruch dar –, doch der Spagat zwischen Kunst und Kommerz gelang dem BIFF schon vor dreißig Jahren. Die Kombination war demnach nicht neu, sondern schon vor Jahrzehnten etabliert. Ein damaliges Ausrufezeichen im Programm.

Treffen der Generationen

Clemens Williges erwähnte in seiner Einführung, dass er bereits Mitte der 1990er-Jahre dem Verein des Braunschweig International Filmfestivals beigetreten ist. Eine seiner ersten Ideen war es, das Festival inhaltlich etwas zu öffnen. Zum 30-jährigen Jubiläum von „Star Trek“ im Jahre 1996 schlug er demnach vor, innerhalb des Festivals eine kleine Retrospektive zu präsentieren. Nicht ganz ohne Widerstände. Die damalige Führungsriege gehobenen Alters stand dem populären Sci-Fi-Kino Hollywoods noch etwas skeptisch gegenüber, willigte aber letztlich ein. Mit der daraus resultierenden „Star Trek-Filmnacht“, die an einem Abend drei Spielfilme aus dem Trek-Universum als 35-mm-Filmkopien in Originalsprache präsentierte, konnte Williges nicht nur erste eigene Akzente im Programm setzen, sondern auch einen Achtungserfolg verbuchen.

Das Programmheft vom BIFF 1996.
(© Markus Haage. All Rights Reserved.)

Zur Erinnerung brachte er für das Publikum mehrere Festivalbroschüren von 1996 mit, die die drei Trek-Filme vorstellten. Hierbei handelte es sich um „Star Trek II: Der Zorn des Khan“, „Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart“ („Star Trek IV: The Voyage Home“, 1986) und „Star Trek VI: Das unentdeckte Land“ („Star Trek VI: The Undiscovered Country“, 1991), der im Programmheft als „Weltraumkrimi“ beschrieben wurde, der „die Klingonen endlich differenziert darstellt“. Was für eine wundervolle Formulierung. Laut Williges waren es die besten drei Teile der Spielfilmreihe, die damals noch acht Filme (mittlerweile vierzehn) umfasste; oder eben die Trek-Filme mit den geraden Nummern, wie er scherzhaft anmerkte.

„Ich hab’ 1996 als frisches Vereinsmitglied die alten Herren, die so in meinem Alter von Heute [waren], überzeugen müssen, [dass] es toll wäre, zum 30. Jubiläum von ‚Star Trek‘ eine Kinonacht zu machen. Natürlich mit den guten Filmen! Also, sprich: Immer mit den Filmen mit einer geraden Zahl.“

Und dieser „Trend“ begann natürlich mit dem zweiten Teil: „Star Trek II – Der Zorn des Khan“.

Ein Klassiker des Sci-Fi-Kinos

„Star Trek II – Der Zorn des Khan“ ist nicht nur ein Klassiker innerhalb des 60-jährigen Franchises, sondern auch des Science-Fiction-Films der 1980er-Jahre. Die Computereffekte schrieben Filmgeschichte. Eine solch aufwendige digitale Animation wie die des Genesis-Projekts hat es so zuvor in keinem anderen Spielfilm zu bestaunen gegeben. Innerhalb der Reihe war der zweite Teil wiederum ein Wendepunkt. Das Franchise galt mehr oder weniger als tot. Der Versuch, im Zuge des Erfolgs von „Krieg der Sterne“ („Star Wars“, 1977) die alte Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“ (1966-1969) für die große Leinwand wiederzubeleben, ergab durchaus Sinn, stellte sich aber als schwieriger heraus als gedacht.

Der Klassiker unter den Trek-Filmen.
(© Markus Haage. All Rights Reserved.)

„Star Trek: Der Film“ („Star Trek: The Motion Picture“, 1979) entstand ganz in einem philosophischen Zeitgeist. „Star Trek“ wollte mehr sein; nicht nur Weltraumabenteuer. Der erste Spielfilm war weniger „Star Wars“, sondern eher „2001: Odyssee im Weltraum“. Weder Fans noch Publikum waren sonderlich beeindruckt. Zu zäh, zu langatmig, zu schwerfällig, zu gewollt intellektuell. Fast fünfzig Jahre später hat sich der Blick darauf vollends geändert – wie so viele andere Werke auch, hat der Film sein Publikum letztlich gefunden –, aber zum Klassiker der Reihe wurde der erste Teil nie. Dieses Privileg erarbeitete sich die direkte Fortsetzung.

Für das erste Sequel erfand man „Star Trek“ quasi neu. Alles wurde neu in Szene gesetzt, mit Ausnahme des Schiffsdesigns, ohne dabei inhaltlich die Vergangenheit zu ignorieren. Denn das Herz der Handlung stellt ein Bösewicht aus der klassischen Originalserie dar; die Geschichte versteht sich somit als ein einfacher Rachefeldzug, der allerdings durch geschickt eingesetzte Nebenhandlungen komplex verpackt und dramaturgisch anspruchsvoll vertieft wurde. Alle Nebenfiguren erhalten ihre Momente. Das Zusammenspiel der Figuren gelang kaum besser. Ein perfekt getaktetes Werk, das seine Helden menschlich wirken ließ, weil ihre eigene Hybris von einem Gegenspieler herausgefordert wurde, dessen Arroganz und Selbstüberschätzung sie dazu zwang, sich selbst zu hinterfragen. Nie endete ein „Star Trek“-Film tragischer und hoffnungsvoller zugleich.

Zurück in die Gegenwart

Die Idee hinter „Star Trek“ ist damit aktueller und vielleicht auch wichtiger denn je. Dies betonte auch Brenda Frey, pädagogische Mitarbeiterin des Planetariums, die das Event organisierte und die Besucherinnen und Besucher im Namen des Planetariums mit folgenden Worten begrüßte:

„Das, was uns eint, ist die Kultur von Raumschiff Enterprise. All das, was wir gerade so ein bisschen vermissen. Sechs Jahrzehnte, wo zumindest die Vision erzählt wurde, dass friedliches Zusammenleben zwischen Andersdenkenden möglich ist. […] und solange wir ‚Star Trek‘ gucken, wird dies auch weiter so gehen.“

Und so überrascht es auch nicht, dass das Foyer sich bereits frühzeitig, fast zwei Stunden vor Filmbeginn, mit Fans aller Altersgruppen und allen kulturellen Hintergründen füllte. Viele kamen kostümiert angereist; oftmals in Uniformen der Sternenflotte. Interessante Beobachtung: Vor allem das „Goldene Zeitalter“ von „Star Trek“, das mit „Star Trek: Das nächste Jahrhundert“ („Star Trek: The Next Generation“, 1987–1994) eingeleitet wurde und von Serien wie „Star Trek: Deep Space Nine“ (1993–1999) und „Star Trek: Raumschiff Voyager“ („Star Trek: Voyager“, 1993–1999) massiv ausgebaut wurde, war vertreten, aber eben nicht nur. Brenda Frey selbst trug einen klassischen roten Uniformrock der Originalserie „Raumschiff Enterprise“ aus den 1960er-Jahren, so wie man ihn von Lieutenant Uhura (Nichelle Nichols) aus der Originalserie kannte.

Brenda Frey und Clemens Williges führten in den Film ein.
(© Markus Haage. All Rights Reserved.)

Die Fans selber waren aber nicht nur Besucherinnen und Besucher, sondern gestalteten das Programm und die Präsentation mit. Familie Geschke, passionierte Trekkies (oder Trekker, wie Clemens Williges den Begriff formulierte), erstellte ein Rahmenprogramm, das sie im sogenannten Forschungslabor des Planetariums präsentierte. Heitere Fragen aus sechzig Jahren Trek-Geschichte gab es zu beantworten und Exponate aus der persönlichen Sammlung zu präsentieren. Ob deutschsprachige Romane aus den 70er-Jahren, Computerspiele aus den 90er-Jahren oder Modelle aus den 2000ern – fast jeder Aspekt der Fankultur wurde zumindest im Detail liebevoll gewürdigt. Es waren diese kleinen Akzente, die einen großen Unterschied machten.

Devotionalien aus 60 Jahre „Star Trek“.
(© Markus Haage. All Rights Reserved.)

Stolz präsentierte Thorsten Geschke auch eine eigene Sammlermappe mit zahlreichen Autogrammen, die er über Jahre mühsam angesammelt hatte. Nicht nur von Christopher Lloyd, der den klingonischen Antagonisten Commander Kruge in „Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock“ („Star Trek III: The Search for Spock“, 1985) mimte, sondern gar von Robert Wise, Regisseur von „Star Trek: Der Film“ („Star Trek: The Motion Picture“, 1979).

Science trifft auf Fiction, Trekkies auf Wissenschaftler

Doch bei der Zelebrierung der Fiction blieb es nicht, denn insbesondere bei „Star Trek“ gingen Science und Fiction immer Hand in Hand. Studierende der TU Braunschweig unter Leitung von Prof. Dr. Ferdinand Plaschke präsentierten als Vorprogramm ab 17 Uhr reale wissenschaftliche Erkenntnisse und Konzepte einer möglichen interstellaren Raumfahrt und beantworteten Fragen der anwesenden Fans insbesondere in Bezug auf die Welt(en) von „Raumschiff Enterprise“ und den realen Grundlagen, auf denen die Reihe aufbaut. Was sind Tachyonen? Wie bemisst sich die Raumzeit? Wie funktioniert das Beamen? Kann der Warp-Antrieb irgendwann einmal umgesetzt werden? Ist es überhaupt vorstellbar, jemals schneller als das Licht zu reisen? Aus Respekt vor der Wissenschaft werden an dieser Stelle diese Fragen nicht beantwortet.

Studenten der TU Braunschweig erklärten die Wissenschaft hinter „Star Trek“.
(© Markus Haage. All Rights Reserved.)

Nach der Filmvorführung ergaben sich aber in lockerer Runde noch weitere durchaus interessante Gespräche zwischen Wissenschaftlern, Fans und Mitarbeitern, die in der Erkenntnis mündeten, dass nächstes Jahr sich das fünfzigjährige Jubiläum der Raumsonde Voyager 2, die am 20. August 1977 ins Weltall gestartet war, jährt. Zwei Wochen später folgte Voyager 1. Beide sind natürlich noch heute in den Tiefen des Weltalls unterwegs und entfernen sich mit jeder Sekunde weiter von der Erde. Ein mehr als guter Grund, im Spätsommer 2027 in das Planetarium Wolfsburg zurückzukehren und dort vielleicht Robert Wises „Star Trek: Der Film“ zu präsentieren, der V’ger (oder: Voyager) anno 1979 zurück in unser Sonnensystem bringen wollte.

Der Abend ging zu Ende; die Reise aber noch lange nicht.
(© Markus Haage. All Rights Reserved.)

Weitere „Star Trek“-Events im Planetarium Wolfsburg in Zusammenarbeit mit dem Braunschweig International Filmfestival und der TU Braunschweig dürften damit nur eine Frage der Zeit sein. Bis es aber wieder in die unendlichen Weiten geht, findet im November 2026 erst einmal das reguläre Filmfestival statt. Und wer zwischenzeitlich auf Erden ins Weltall abdriften möchte, kann jederzeit das Planetarium besuchen. Es lohnt sich. Immer.

Einige ausgewählte Bilder vom Event:

Markus Haage

Werbung
Produkt bei Amazon.de bestellen!
Über Markus Haage 2310 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!