Executor – Der Vollstrecker, The (Italien, 1983)

verfasst am 29.September 2008 von Markus Haage

„Ich gebe zu, zweigeteilt würde ich mir ziemlich beschissen vorkommen.“

Erwin C. Dietrich, alter Italo-Film-Haudegen, springt hier auf den Endzeitzug auf und präsentiert uns wohl einen der unbekanntesten, aber mit Abstand auch besten Apokalypse-Mayhem-Kracher seiner Ära.

(© Ascot Elite Home Entertainment)

Die Endzeit nach italienischen Verhältnissen: zwischen Kiesgruben und Schutthaufen liefern sich in Leder bekleidete Italo-Hünen mit angel-sächsischen Künstlernamen und etwas Mascara im Gesicht einen Kampf auf Leben und Tod. In ihren Rostlauben brettern sie die vom Sand halbverwehten Autostrade der Toskana rauf und runter, nur mit einem Ziel: Wasser, das nasse Gold der Endzeit.

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Und Wasser wird hier dringend benötigt, denn geregnet hat es seit Jahren nicht mehr (Auswirkung der Apokalypse), der Grundwasserpegel ist auf ein Minimum gesunken und in dem unterirdischen Biotop einer Gemüse-Community werden die Pflanzen eingehen, falls nicht binnen kürzester Zeit ein Eimer (oder mehr) H2O gefunden wird!

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Also machen sich die beiden wackeren Recken John und Teddy mit einem Tanklaster auf, um durch den apokalyptischen Staub der Endzeit zu düsen und irgendwo eine Wasserquelle zu finden. Genaugenommen hat John bereits eine Vermutung:

„Hinter den alten Steinhöhlen müssen wir noch ungefähr 30 Meilen Richtung Norden fahren. Also, ich meine bis zum alten Stadion. Und von da dann wieder 30 bis 35 Meilen nach Westen. Ich glaube, dass die Wasserquelle genau hier ist – unterhalb der Solaranlage!“

Doch bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg, weswegen John und Teddy sich selbstredend Geleitschutz mitgenommen haben.

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Mann, so einen geilen Geleitschutz könnte ich jeden Morgen auf der A2 auch gebrauchen…

Und der Sinn der Security auf vier Rädern ist auch berechtigt, denn das Böse in Form von Crazy-Bulls Rockergang kommt angerast! Bereits als nur eine Silhouette am Wüstenrand erscheint, weiß John sofort: „Verflucht! Das ist Crazy-Bull – der Schlimmste von allen!“ – und schlimm trifft es in der Tat. Komplett mit eigenen Clan-Logo (Totenkopp auf orangefarbendem Grund), gelben MotoCross-Helmen, Sonnenbrillen, Büffelfellen, Bikes’n’Trikes, Mopeds, Sandbuggys, gepanzerten Pick-Ups und amazonenhaften Leder-Kriegerinnen auf der Ladefläche, wird Johns Konvoi in die Zange genommen!

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Natürlich hat der Konvoi keine Chance und nach einer kurzen Runde Kick-Ass-Action wird der Truck gestoppt. Da John den Standort der Quelle nicht preisgeben kann und will, wird er von Crazy-Bulls Mannen gegeekt, die sich auf dessen Befehl Richtung Norden begeben, wo die ominöse Quelle sich befinden soll.

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Jetzt könnte der Streifen nach immerhin 26 Minuten zuende sein – doch der kleine Tommy, heimlich bei Johns Konvoi mitgereist, in der Hoffnung seinen Vater zu finden (der bei einem ähnlichen Unternehmen „verschwunden“ ist), muss Johns Tod nicht nur mitansehen, sondern danach auch durch die dystopischen Welten italienischer Filmemacher stapfen…allein.

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Dort trifft er (endlich) auf den titelgebenden Executor, der bereits während der Titeleinblendung durchs Feld gerast ist. Eigentlicher Rollenname: Tiger (in der italienischen Originalfassung heißt er übrigens ALIEN). Ein wahrer Heros, komplett mit Stirnband, Bart, Cowboy-Boots, offener Lederjacke, aber ohne Unterhemd, dafür mit nihilistischem Menschenbild. So wie ein Lone Ranger eben sein muss. Tommy hilft ihm aus dem Autowrack, welches natürlich kein normales Auto ist, sondern sein Kampfgefährte, der Exterminator genannt! Viel zum exterminieren kann die Laube derzeit aber nicht mehr, weswegen Tiger erst einmal zu Fuß weiter muss. Im Anhang Tommy, dessen Anwesenheit er als harter Einzelgänger ablehnt, aber mit dem er einen Deal macht. Er hilft Tommy das Wasser zu transportieren und dafür bekommt er vom kühlen Nass soviel wie er gebrauchen kann.

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Als aufgesetzter Menschenfeind sträubt sich Tiger am Anfang zwar, aber hey, als Endzeit-Held unterliegt dies allem eh nur dem Motto „Harte Schale, weicher Kern“. Doch als sie sich wieder aufmachen wollen, platzt Crazy-Bull mit seinem Trupp in die Szenerie. Tiger macht ihm natürlich das Angebot, ihm den Standort der Quelle zu nennen – aber nur wenn er ein ordentliches Gefährt bekommt, mit dem er wieder verschwinden kann.

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Gesagt getan – doch Tiger der alte Hund haut einfach so ab – mit Verweis auf den Jungen, der es besser weiß. Tommy, nun in den Händen Crazy-Bulls weigert sich ihnen den Ort der Quelle zu nennen und so wird er zweigeteilt…! HAH! Aber mit zwei Dingen haben Crazy-Bulls Mannen nicht gerechnet. Erstens: Tommy hat einen kybernetischen Kraftarm, von daher macht die Tatsache, dass er diesen nun verloren hat, nicht allzuviel aus (zumindest sterben wird er nicht). Zweitens: Tiger besitzt doch noch tief in seinem Inneren einen Fünkchen Loyalität und so kracht er mit seinem Moped direkt in die Folterorgie und rettet Tommy und seinen Arm – welchen er vorsorglich mit Paketklebeband erstmal wieder provisorisch dranklebt (irgendwie muss der echte Arm des Schauspielers ja gut sein…). Natürlich wird das nicht ewig halten, weswegen sich beide zum alten Technik-Kauz Peperoni aufmachen. Ehemaliger Raumfahrer, nun Eremit mit Kenntnissen in Biomechanik. Natürlich hilft er Tommy und gibt ihn sogar ein Bier… Und dann noch eins… Und noch eins…

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…was zu einem kleinen Eklat führt. Denn während Peperoni Tommy repariert (und abfüllt), findet Tiger den Exterminator, sein altes Fahrzeug, wieder – und noch dazu Trash, seine alte Liebschaft. Beide kehren zu Peperoni zurück und finden Tommy vollkommen besoffen wieder. Eigentlich keine große Sache, wenn da nicht Peperonis geile Antwort wäre…

„Na, hast du es geschafft?“
– „Er ist besoffen.“
„Wieso besoffen?“
– „Ja, er ist besoffen!“

Der neue Cyborg-Arm scheint dennoch hervorragend zu funktionieren, wenn man sogar eine angeschnittene Bierdose damit zerquetschen kann…

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Tiger und Trash machen sich indes zur ominösen Wasserquelle auf, die sich in einer alten Siedlung befindet. Doch auch dort lauern Gefahren, denn das Wasser wird von einer Horde Mutanten mit Flammenwerfern bewacht. Zum Glück sind die Mutanten nicht gegen Tigers Laserpistole immun, und so wird dieses kleine Action-Intermezzo recht schnell beendet.

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Danach wird der Tanklaster aufgefüllt und es geht in Richtung Tommys Heimat, denn seinen Peeps dürstet es bereits nach Wasser, doch natürlich fehlt noch das Grande Finale! Und dafür stehen bereits Crazy-Bulls Endzeitknüppel bereit. Wie es sich für den Helden gehört, stellt er sich alleine der Übermacht, damit es aber nicht zu schnell zuende geht, muss er natürlich noch in eine ausweglose Situation geraten, die NUR durch das Eingreifen seiner Freunde gelöst werden kann. Der gute Peperoni wählt den Märtyrer-Tod und Tommys Cyborg-Arm entpuppt sich als astreine Handgranaten-Schleuder (ach, was’n Zufall). Bleibt nur noch Tiger und dieser darf im alten Western-Stil Crazy-Bull ins Jenseits befördern.

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Der Sieg ist davon getragen, Tiger hat Tommy beschützt, den Zugang 😉 zu Trash wiedergefunden, Peperoni wird als selbstloser Heros in Erinnerung bleiben und ein Wunder geschieht auch noch! Es fängt an zu regnen! Ne, moment mal… Am Ende regnet es… Womit sich eigentlich die gesamte Story des Films (und alle ihre Opfer) selbst in Frage stellt.

(© Ascot Elite Home Entertainment)

Beim nächsten Mal: Einfach vorher den Wetterbericht lesen…

„The Executor – Der Vollstrecker“ ist ohne Frage ein Streifen der auf der „Mad Max 2“-Erfolgswelle mitschwamm. Genaugenommen handelt es sich bei vielen Handlungselementen um eine exakte Kopie (Ähnlichkeiten zu anderen Sci-Fi-Krachern wie sogar „Rückkehr zum Planet der Affen“ sind ebenfalls vorhanden), aber mal ehrlich, wem interessiert dies wirklich? In Barbarenfilmen wird regelmäßig irgend ein Hüttendorf in den Bergen niedergemetzelt (einziger Überlebender: Der spätere muskelbepackte Held), in Endzeitfilmen stiefelt ein Lone Ranger durch die Baggerlöcher europäischer Tagebaue, in der Regel auf der Suche nach Wasser, Benzin oder mit der letzten schwangeren Frau im Gepäck. Hier ist es eben Wasser. Wer jetzt aber denkt, deshalb nur Einheitsbrei vorgesetzt zu bekommen, der irrt sich gewaltig, denn „The Executor“ gehört wohl zu den besten Endzeit-Babys, die Mutter Italien jemals ausgepresst hat. Gerade deswegen ist es so überraschend, dass der Film doch recht unbekannt ist. „Stryker“, „Rush“ und den „Last Warrior“ kennt jeder – doch Tiger muss sein Dasein weiterhin in Einsamkeit fristen, obwohl der Film schon recht früh auf DVD veröffentlicht wurde und somit unter den Italo-Endzeit-Trashern lange Zeit als einziger digitaler Vertreter vor der Tür stand. Schade, denn der Streifen ist… wirklich… gut. Ja, klar. Hier haben wir es natürlich mit keinem „Mad Max“ zu tun, aber das Wörtchen Trash ist für den Film fast schon zu schlecht. Ich könnte jetzt die Liste der Review-Standards runterleieren, aber dies liest wohl eh keiner… Deshalb sagen ich es einfach mal so: „ The Executor“ = Top!

Verantwortlich dafür ist Giuliano Carnimeo, einigen Kennern wohl als Regisseur des unsäglich-geilen „Ratman“ im Gedächtnis geblieben. Damit hätten wir aber den Bekanntheitsgrad der Cast- und Crew-Riege noch lange nicht auf ein Maximum geschraubt. Hauptdarsteller Robert Jannuci (Tiger) war fortan zwar nie mehr gesehen, aber Alicia Moro (Trash) schrie sich nochmal durch „Slugs“, Luca Venantini (Tommy) durfte mit Bud Spencer durch „Aladin“ auf ‘nem Teppich segeln und bei Luciano Pigozzi (Peperoni) kommt uns ein gewaltiger Italo-Trash-Hammer ins Gesicht geflogen. Ein (kleiner) Auszug aus seinem Lebenswerk: „Das Alien aus der Tiefe“, „Zombi 3 – Ein neuer Anfang“, „Roboman“, „Einer gegen das Imperium“ und „Jäger der Apokalypse“ – und das war nur die Spitze des Eisberges…

Natürlich trägt ein solch genialer Cast immens zur Atmosphäre des Films bei, aber auch in der Umsetzung haben wir es hier noch mit einem gehobenen Produktionsniveau zu tun. Klar, alles Kiesgruben und keine Offenbarung. Dafür mit dem vorhandenen Mitteln sorgfältig in Szene gesetzt und mit einem unglaublich geilen Synthie-Soundtrack unterlegt. Verstecken braucht sich der Streifen definitiv nicht. Also, holt ihn endlich aus der Versenkung!

Fatality:
Italiens bester Endzeit-Mayhem? Vielleicht. Ganz sicher aber in der Königsklasse apokalyptischer Abendfüller.

Markus Haage

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Über Markus Haage 2108 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!