Roboman – Halb Maschine, halb Mensch! (Italien, 1988)

verfasst am 7.Mai 2001 von Markus Haage

„Menschliche Gehirnzellen geben Befehle, die von einem Roboter ausgeführt werden!“

Roboman – oder:  die gelungene Fusion zwischen Gehirn und Stahl!

(© Best Buy Movie)

Geil, Chipstüte nicht mal bis zur Hälfte aufgerissen, schon drücken sich die verschwitzten Gesichter geschundener B-Movie-Statisten gegen die Mattscheibe. Hockend in einem Flugzeugcockpit, welches von außen von einer Horde Niedriglöhner hin und hergewackelt wird, soll uns vorgegaukelt werden, dass die US-Army gerade eine neue Geheimwaffe namens Omega-One testet, die nur von einer alten B-52 aus zu kontrollieren ist. Der Feldversuch geht daneben, die Komparsen können aufhören am Flugzeug zu wackeln, der Geheimwaffe am Boden brennen die Schaltkreise durch. In einer gewaltigen Explosion knallen bereits nach 20 Sekunden Film die Credits an die Mattscheibe. Unsere US-amerikanischen Flugzeugpiloten sind dahingerafft, ihr kurzer Auftritt zur Eröffnung dieses fulminanten Cybot-Dramas ein Volltreffer. Von wem? Von Vincent Dawn, italienischer Film-Magnat mit einer Schwäche für Pseudonyme (bürgerlicher Name: Bruno Mattei). Dieser prügelt hier eine Horde toskanischer Statisten in den philippinischen Dschungel, um diese dann von einem Robotermenschen zerkloppen zu lassen. Roboman sein Name, gescheitertes Militär-Experiment mit Sprachstörung, der zu allem Übel auch noch schizophren veranlagt ist und nicht nur durch seine wilde Ballerei, sondern auch ausgiebigen  Selbstgespräche auffällt („Höchste Bereitschaftsstufe einschalten! Zu Befehl. Feinde anpeilen! Zu Befehl. Gefecht vorbereiten! Zu Befehl. Feinde ohne Ausnahme vernichten! Zu Befehl.“). Das Militär scheint auf diese neue Errungenschaft sehr stolz zu sein…

(© Best Buy Movie)
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„Omega-One ist wesentlich mehr als nur eine Maschine. Er hat etwas menschliches an sich. Präzise ausgedrückt: er ist die perfekte Verschmelzung von Mensch und Maschine! Besonders stolz bin ich auf die gelungene Fusion zwischen Gehirn und Stahl. Menschliche Gehirnzellen geben Befehle, die von einem Roboter ausgeführt werden!“

…doch letztlich ist es wohl nur eine Mischung aus leerer Bierdose, Latex-Slip und Auto-Scooter-Resten. Dafür bewaffnet mit ’ner fetten Laserwumme. Und wenn Roboter in B-Movies Laserwummen besitzen, ballern sie damit auch im Minutentakt wahl- und ziellos durch die Gegend (obwohl durch verpixelte Kameraschwenks suggeriert werden soll, dass die Cybots über ein ausgeklügeltes Suchsystem verfügen). Interessant hierbei ist, dass sie dabei in der Regel nur Bäume treffen, die anscheinend mit flüssigen Nytroglyzerin voll gesogen sind. Oder aber auf den Phillipinen explodieren Bäume von alleine. Auch möglich. Nun,ja, zumindest in diesem Film scheint es so zu sein – und die filmische Realität schlucken wir als Unterhaltungsbonbon gerne.

(© Best Buy Movie)
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Doch in diesem Wirrwarr aus detonierendem Dickicht und kybernetischen Krawall muss es selbstredend einen Gegenpol geben, der das Gute verkörpert, der die Apokalypse durch den finsteren Roboman verhindern kann (falls und ob Roboman überhaupt jemals aus dem Dschungel herausfindet und seine Gelenke vorher nicht einrosten). Keine Frage, ein Job für Reb Brown. Hat der Menschheit in den 70er Jahren bereits als Captain America mehrmals aus der Klemme geholfen (für Amerikaner im Fernsehen zu bewundern gewesen, für Deutsche immerhin auf Videobänder gepresst). Bei dieser Vita somit beste Voraussetzungen, um den Roboman niederzuringen. Da so ein Film aber 90 Minuten geht, nützt es nicht viel Reb diese Zeit lang alleine durch den Forst zu hetzen – also muss ein dreckiges Dutzend herangekarrt werden, welches alle Klischees abseitiger Spielfilmproduktionen aus Italien erfüllt. Bitte sehr, die letzte Hoffnung der Menschheit…

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„Hier sehen sie Corporal Neil Corey, Waffenexperte – ein Mann wie aus Stahl. Private Larry Guarino, ein exzellenter Fährtensucher, genannt Didi – oder Didi-Bob. Arthur Bray, er war Stabsarzt in Vietnam, genannt Papa Doc. Sonny Peel wird Blood genannt. Nun Quo, der beste Späher weit und breit, nennt sich Quang. Er hat einen sechsten Sinn, der ihn vor Gefahren warnt. Und hier der Kopf der Truppe: Major Murphy Black. Ein Officer der sämtliche Tapferkeitsorden verliehen bekam.“

Das dieser kunterbunte Trupp an gescheiterten Existenzen letztlich nur Kanonenfutter darstellt, verwundert den Zuschauer dann doch etwas. Nach bereits 30 Minuten steht Reb alleine im Dschungel herum – na,ja, fast. Eine Wissenschaftlerin (gut – Topmodel mit Brille) stolpert noch recht ungelenkig in die Filmhandlung, aber auch nur damit Reb was zu beschützen hat. Obwohl dies eigentlich so nicht stimmt – da es letztlich sie ist, die Reb beschützt und Roboman mit selbstgebrannten Napalm das Leben schwer macht… Hmh. Irgendwie ergibt der ganze Film keinen Sinn.

(© Best Buy Movie)
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Ach, ja… Italienischer C-Schmonz zwischen Wahn und Wahnsinn. Kenner der Materie haben hier bereits erkannt: ein Rippoff populärer Hollywood-Stoffe. Ähnlich hat es Regisseur Mattei bereits bei – ach, all seinen Filmen getan und das schließt „Roboman“ natürlich mit ein. Wobei man allerdings ehrfürchtig erwähnen muss, das für das Drehbuch immerhin Claudio Fragasso verantwortlich ist. Trashfans durch einschlägige Produktionen wie etwa „Troll 2“ bekannt. Als Grundgerüst diente Schwarzenegges Action-Vehikel „Predator“, reingekloppt wurde noch etwas „RoboCop“ – fertig ist das Direct-to-Video-C-Movie. Und wer glaubt, dass dies schon alles war, selbst vor dem Recycling des eigenen filmischen Schaffens schreckt Mattei nicht zurück und schneidet einfach Szenen aus seinem Kriegs-Actioner „Double Target“ herein. Sogar das Roboman-Kostüm wurde nicht eigens für diesen Film geschneidert. Fragt man sich, ob für diesen Film überhaupt irgendetwas selbst gemacht wurde, oder er nicht nur einfach in der Mittagspause gedreht wurde. Ich tippe auf Mittagspause. Irgendwann zwischen Linseneintopf und Wurststulle.
Man kann den Film ungefähr folgendermaßen beschreiben: es gibt zwei Autos – eines heißt „Predator“, das andere heißt „RoboCop“. Und diese beiden Autos fahren mit 300km/h direkt aufeinander zu. Was übrig bleibt ist eine Massenkarambolage namens „Roboman“.

Markus Haage

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Über Markus Haage 2108 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!