Geisterschiff der schwimmenden Leichen, Das (Spanien, 1974)

verfasst am 23.September 2002 von Hellhaim

Das Deck knatscht, die Knochen knacken, junge Frauen schreien! Sie ritten, sie schlichen – nun schwimmen sie! Über Deck wandeln sie und unter zahlreichen Titeln verstecken sie sich. Willkommen an Bord, willkommen auf dem…

(© Laser Paradise)

Nachdem die reitenden Leichen in den einschlägig bekannten Vorgängerfilmen bereits zu Fuß und zu Pferde Menschen niedermetzelten (entweder durch rumstehen oder rumstechen), schippern sie diesmal mit einem alten Kahn über die sieben Weltmeere. Einen inhaltlichen Bezug zu den vorangegangenen Filmen besteht nicht. Da die „Reitende Leichen“-Saga allerdings sehr wenig Wert auf Kontinuität setzt, hätten sie diesmal auch mit ’nem Doppeldecker durch die Lüfte preschen können. Aber der Wassertank eines nicht zu definierbaren Filmstudios schien noch gefüllt gewesen zu sein, also hat man die olle Filmrequisite irgendeines Seefahrer-Schinkens einfach eingenebelt und aufs Wasser gelassen. Zum Glück für zwei geistig unterentwickelte Frauen, deren Frisuren ihnen wohl die Sauerstoffzufuhr zum Hirn abdrückt. Denn diese haben sich auf hoher See im dicken Nebel verfahren und suche Hilfe und Rat auf dem Geisterschiff der schwimmenden Leichen. Klar, sieht ja auch sehr einladend und belebt aus.

(© Laser Paradise)
(© Laser Paradise)

Natürlich finden sie dort keine Hilfe, sondern nur Tod und Terror. Aus den Särgen vom Unterdeck steigen die Leichen hervor und scheuchen unsere verängstigten Hautpdarsteller vor der Kameralinse hin und her. Gemählich, versteht sich. Denn an ihrem Agilitätsfaktor haben sie bis heute nicht gearbeitet. Warum auch. Scheint ja zu funktionieren. Insbesondere dann, wenn die potentiellen Opfer anstatt wegzurennen lieber 10 (gefühlte) Minuten in die Kamera schreien. Die Mädels scheinen jedoch Glück zu haben – ein weiterer Trupp verschlägt es an Bord, der ebenfalls vom Pech verfolgt ist (wieviele moderne Schiffe in einer Nacht an derselben Stelle doch kaputt gehen können…). Gemeinsam stellen sie fest, dass sie auf dem verfluchten Kahn festsitzen und bei Nacht wieder um ihr Leben ringen müssen…

(© Laser Paradise)
(© Laser Paradise)

Ja, ja, ist schon grausam, was junge Damen auf hoher See erleben müssen. Noch viel schlimmer ist es für den deutschen Zuschauer, ist doch dieser schröööckliche Grusler in deutschen Landen beschlagnahmt. Kein Scherz, nach dem Nutten-Paragraph 131 darf „Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen“ in der Bundesrepublik Deutschland weder öffentlich beworben, aufgeführt oder vertrieben werden. Man könnte meinen, dass dies ein Beschluß von anno 1978 sei – als Opa und Oma von der Gerichtsbarkeit noch etwas empfindlicher gewesen sind. Nichts da – denn am 01.03.2000, sprich: 21.Jahrhundert, wurde der Beschlagnahmungsbeschluß bestätigt. Gründe hierfür sind im Vergleich zu modernen Torture-Porns recht amüsant, vorenthalten möchte ich sie euch nicht:

„Der Film erhält gewaltverherrlichenden Charakter durch folgende Szenen:
53. Min.: In ca. 4-minütiger Länge wird gezeigt, wie die lebenden Leichen auf einem Schiff eine junge Frau verfolgen. Eine Krallenhand legt sich um ihren Hals und würgt sie. Blut tritt aus dem Hals aus. Die offene Wunde ist zu sehen. Nach kurzer Zeit wird der Kopf der Frau abgeschlagen. In Nahaufnahme ist die Schnittstelle zu sehen sowie auch das spritzende Blut.
93. Min.: Einer weiteren jungen Frau wird mit einem Messer in die Brust gestochen und danach ihr Herz herausgerissen. Diese Szene ist ebenfalls in Großaufnahme zu sehen.
157. Min.: Ein Skelett verbrennt (Großaufnahme).
Es wird auf den Beschluss de AG München Bezug genommen. Der Film wird aufgrund seines gewaltverherrlichenden Charakter zu verbieten sein.“

Tja, und was einmal verboten ist, soll verboten bleiben. So war es immer und soll es bleiben. Damit darf der Filmfreund des spanischen Horrors – zumindest offiziell – nur auf eine zerfledderte FSK-16-Version zurückgreifen. Somit weicht die Farbe Rot komplett aus dieser bereits recht blutarmen Grusel-Kiste. Was bleibt sind Nebel, Schreie, Kerzenlicht und Wasser. Und die Androhung einer Fortsetzung am Ende. Kam auch, was ein qualitatives Paradoxon darstellt. Warum erklärt der Film selber.

Fatality:
Ein europäischer Horrorfilm alter Schule, der im Grunde wie seine Vorgänger nur ein Remake des ersten Teils darstellt. Ob die Leichen nun reiten oder schwimmen (was sie hier nicht einmal tun) ist eigentlich vollkommen wurscht. Fans der Serie wird es als weiteres Kapitel der Saga genügen, alle anderen dürfen es als ein amüsantes Relikt vergangener Film-Zeit betrachten.

Hellhaim