Nachruf: Jorge Grau ist verstorben.

verfasst am 26.Dezember 2018 von Neon Zombie

Der spanische Filmemacher, Maler und Autor Jorge Grau verstarb im Alter von 88 Jahren. Zu seinen Werken zählte auch der spanisch-italienische Horrorstreifen “Das Leichenhaus der lebenden Toten” (“No profanar el sueño de los muertos”, 1974), der zu den wegweisenden Klassikern des modernen Zombie-Genres zählt, die die Mythologie des menschenfleischfressenden Untoten nach George A. Romeros “Die Nacht der lebenden Toten” (“Night of the Living Dead”, 1968) maßgeblich mitgeprägt haben. Auch gilt “Das Leichenhaus der lebenden Toten” als prägender Vorreiter der Italo-Zombie-Welle. Glenn Kay, Autor des Buches “Zombie Movies: The Ultimate Guide”, bezeichnete den Film als den “most effective and disturbing Spanish film of the period”.

“Das Leichenhaus der lebenden Toten” wurde in den USA als Drive-In-Feature zusammen mit Wes Cravens Kulthorror “Mondo Brutale” (“The Last House on the Left”, 1972) präsentiert und trug dort zeitweise den Titel “Don’t Open the Window”. Die Werbekampagne dazu inspirierte Edgar Wright zum Fake-Trailer “Don’t” für Quentin Tarantinos und Robert Rodriguez’ “Grindhouse” (2008). In Großbritannien nannte man den Film wiederum “The Living Dead at the Manchester Morgue”, obwohl dieser hauptsächlich in South Gate (nahe Manchester) spielt (zumindest die Eröffnungsszene ist in Manchester City angesiedelt). Um den Film ranken sich zahlreiche Mythen. So sollte eine “bestialische” Szene enthalten gewesen sein, in der ein Zombie einen Augapfel isst. Diese Einstellung ist in keiner Fassung enthalten, auch wenn es Indizien für ihre Existenz gibt (ein merkwürdiger, ruppiger Schnitt, als einer der Zombie nach dem Auge greift). Der Film hielt sich dennoch mit weiteren Gewaltdarstellungen nicht zurück und ist in Deutschland nach §131 bundesweit beschlagnahmt.

Insgesamt führte Jorge Grau bei 21 Filmen Regie und schrieb zudem zahlreiche Drehbücher. Darunter fiel auch das Horror-Werk “The Legend of Blood Castle (“Ceremonia sangrienta”, 1973), der in Deutschland leider nie veröffentlicht wurde und kaum bekannt ist, obwohl er durchaus einen bedeutenden Vertreter des spanischen Nischenkinos der 1970er-Jahre darstellt.

Grau starb im Alter von 88 Jahren im Kreise seiner Familie.

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