Terminator – Die Erlösung (USA, 2009)

verfasst am 2.Juni 2009 von Markus Haage

„Wir kämpfen schon so lange und wir haben alle schon sovieles und soviele verloren. Aber ihr seid nicht allein. Widerstandszellen gibt es auf dem ganzen Planeten. Wir stehen am Abgrund. [...] Hier ist John Connor. Wenn ihr das hört, gehört ihr zum Widerstand.“

Apokalypse im digitalen Zeitalter. Goodbye, Stop Motion. Good Bye, Rückprojektion. Good Bye, Animatronics.

An die Atompilze gewöhnt man sich nach der Zeit…
(© Sony Pictures)

Eigentlich sollte es schon 1997 geschehen, um genau zu sein am 29.August 1997. Der Tag der Abrechnung, die Apokalypse, Soddom und Gomorrha auf globaler Ebene, das jüngste Gericht – total fucking mayhem, eben. Doch dank eines durch die Zeit geknallten T-800s, mit der freundlichen Unterstützung der dysfunktionalen Familie Connor (Vater toter Zeitreisender, Mutter staatlich geprüfte Wahnsinnige, Sohn Kleinkrimineller mit Kickermatten-Kumpels), wurde der Judgement Day um sieben Jahre verschoben – auf „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“, dem 24.Juli 2004. 14 Jahre später, nach dem nuklearen Holocaust, sind drei Milliarden Menschen hinüber – verhungert, verstrahlt, verbrannt – oder von den Maschinen hingerichtet. Die letzten Überbleibsel kämpfen auf eigene Faust gegen SkyNet, der fiesen K.I. mit Weltherrschaftsanspruch. Manche kämpfen nur um Nahrung, andere direkt gegen die Robotniks, aber alle ums Überleben. Der letzte Rest des verbliebenen Militärs versucht mit verzweifelten Kamikaze-Angriffen ohne Rücksicht auf eigene Verluste das Blatt im Krieg zu wenden. Doch ein Mensch kennt einen anderen, einen besseren Weg. Er weiß, dass der Krieg gegen die Maschinen nur zu gewinnen ist, wenn alle Menschen zusammenstehen. Über Funk verbreitet er seine Botschaft der Hoffnung…

Marcus Wright, eigentlich schon seit 20 Jahren tot. Eigentlich.
(© Sony Pictures)

In diese trostlose Welt stolpert Marcus Wright, der anno 2003 hingerichtet wurde, doch seinen Körper für ein zweifelhaftes Experiment spendete. Da er de facto die letzten 15 Jahre verpennt hat, ist er ohne Frage geschockt über den Untergang des Abendlandes, doch dank eines jungen Spunds namens Kyle Reese, der sich selbst als Teil des Widerstands bezeichnet, wird Marcus nicht als Zielscheibe für die Maschinen genutzt. Zusammen entschließen sie sich nach John Connor zu suchen, derjenige, der die Menschen zum Sieg verhelfen soll. Doch die menschliche Führung warnt vor Connor und bezeichnet ihn als falschen Propheten. Anstatt seinen Botschaften zuzuhören, sollten die Menschen ihnen im Krieg gegen SkyNet beistehen (und somit als Kanonenfutter für ihre Selbstmordkommandos dienen). Das Militär plant bereits einen finalen, nuklearen Überraschungsangriff – direkt ins Herz SkyNets – doch Marcus, der dank der abgeschossenen Pilotin Blair zu John Connor findet, erzählt diesem, das sein Freund Kyle Reese gefangen genommen und zu SkyNet gebracht wurden ist. John Connor weiß sofort, dass der Militärschlag der Menschen, sowie SkyNet selber, den Tod von Kyle Reese bedeuten könnte. Wodurch seine eigene Existenz – und damit die Zukunft der Menschheit – auf dem Spiel steht. Zusammen mit Marcus entscheidet er sich allein in SkyNets Machtzentrum vorzudringen, nicht mehr um die Zukunft zu verändern, sondern um sie zu wahren…

Da guckt selbst der Terminator komisch. Menschen, die sich wehren!
(© Sony Pictures)

Ach, ja. Was wurde im Vorfeld nicht rumgejault, als Warner Bros. verlauten ließ, dass „Charlie’s Angels“-Regisseur McG die Inszenierung übernehmen würde. Und zugegeben, McGs bisherige Vita ist zwar von finanziell sehr erfolgreichen Produktionen geprägt, aber diese dürfen wohl nicht gerade als künstlerisch wertvoll bezeichnet werden. Dies hatte er zwar auch nicht mit seinen knallbunten Knackarsch-Actionern „Charlie’s Angels“ vor, aber es war schon sehr schwer vorstellbar, dass gerade McG das Erbe Camerons antreten und einen der interessantesten Aspekte der Terminator-Saga verfilmen sollte – den Zukunftskrieg, der vorher lediglich in weniger als 15 Minuten angedeutet wurde. Um all den Zweiflern die Luft aus den Lungen zu nehmen: McG hat seine Arbeit mehr als ordentlich gemacht – und das sagt ein Terminator-Fanboy, der im Alter von 8 Jahren seine große Schwester dazu zwang, ihn zu „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ ins Kino zu schmuggeln (true story!). Auch wenn die Kritiker rund um den Globus den Film nahezu zerreißen, so kann ich die viele Kritik nicht ganz nachvollziehen. Erstens kennen sich viele mit der eigentlichen Terminator-Mythologie nicht besonders gut aus und zweitens heben zuviele Camerons Werk und die wenigen Minuten, die er uns von der Zukunft zeigte, auf einen zu hohen Thron. Cameron hatte den Vorteil, dass er eben nur wenige Momente der düsteren Zukunft zeigen brauchte. Er setzte vollends auf die Atmosphäre, die von diesen bedrohlichen Zukunftsbildern ausging und sich wie ein Schatten über seine beiden T-Filme legte. Allerdings reicht dies natürlich für einen eigenständigen Film nicht aus. Während Cameron „nur“ ein paar finstere Shots der Zukunft einbaute, die dem Zuschauer aufgrund ihrer ikonischen Darstellung im Hirn kleben blieben, musste McG eine Welt erschaffen, die sich nicht von Shot zu Shot hangelt, sondern in ihrer Realität Sinn ergibt und funktioniert. Nicht falsch verstehen, Camerons Werke sind brilliant – absolut brilliant – und seine Zukunftsvision funktioniert hervorragend als kurze, bedrohliche Ausschau, eben als ein Albtraum – aber davon kann kein 2-stündiger Film leben. Wer Camerons Zukunftsvision und das was er uns zeigt, wirklich hinterfragt, der wird schnell feststellen, dass dies keine Option für McG hätte sein können und wirklich nur dazu diente als albtraumhafte Sequenz einen Schatten über die Filme zu werfen. Eine Ansammlung von grauenerregenden Ikonen.

(© Studiocanal GmbH)
(© Studiocanal GmbH)
(© Studiocanal GmbH)
(© Studiocanal GmbH)

Vor einem abgebrannten Kinderspielplatz grinsen uns Berge von blankgeputzen Schädeln entgegen (Warum eigentlich? Hat da jemand mal 50.000 Menschen geköpft und die Körper weggeworfen? Wo sind eigentlich die Kiefer hin? Und wer hat die Schädel geputzt? Egal…). Um das menschliche Elend zu verdeutlichen, wärmen sich Kinder an ausgebrannten Fernsehern, junge Männer jagen Ratten um sie zu essen, während junge Frauen sich in der Ecke kauernd schlafen legen. Ein menschlicher Albtraum. Hundert Meter weiter beschießen sich HKs und Soldaten, während John Connor – als perfekte Zielscheibe – mit Fernglas über dem Kriegsgeschehen thront. Natürlich dient dies eben auch nur als ikonenhafte Bildnis, um seine Stellung in der Zukunft darzustellen – anstatt sie mühselig zu erzählen. Er ist der Anführer der gesamten menschlichen Résistance und dieses Image ist quasi seine „Überquerung des Delaware“.

Die Geschichte ändert sich stetig…
(© Sony Pictures)

Also, macht euch frei von den Cameron’schen Zukunftsbild. In McGs Zukunft trägt die Résistance keine Schulterpolster und Baseballmützen – auf hellrote Laserstrahlen wurde dankenswerterweise auch verzichtet (wobei dies nicht bedeutet, dass diese eben nicht noch eingeführt werden – der Film spielt ja erst im Jahre 2018). Und so spann man eine neue, nicht minder triste Zukunft zusammen, die lediglich inhaltlich mit Camerons Werk verknüpft ist…allerdings abhängig davon, was man denn als Terminantor-Kanon bezeichnen möchte. Nach „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“, wurde die Terminator-Timeline geändert. Der Judgement Day war fortan nicht mehr 1997, sondern 2004. Auch wenn viele Fans aufschrien, dass damit Camerons Vision geschändet wurde, so war dies letztlich nur konsequent (unabhängig von der Qualität des dritten Teils). Denn Herr Cameron selber ließ sich ein mehr als großes Hintertürchen für eine Fortsetzung, einen eigenen dritten Teil, offen. Hätte er dies nicht getan, dann hätte John Connor aufgehört zu existieren. Denn ohne Tag der Abrechnung, kein Kyle Reese, der durch die Zeit reist und Sarah Connor im Tiki Motel den Kessel heizt, den Schornstein bürstet, den Specht einnistet (oder wie auch immer ihr es nennen möchtet…) – und somit auch kein John Connor. Ein ontologisches Paradoxon. Dies bedeutet aber auch, dass selbst im Falle der Verhinderung des Judgement Days und somit der Nicht-Existenz John Connors, der Tag der Abrechnung eingetreten wäre (ja, da kann schon einmal der Kopf qualmen…), da er durch seine Nicht-Existenz ihn nicht hätte verhindern können (das sogenannte Großvater-Paradoxon: Man kann nicht in die Zeit zurückreisen und seinen Großvater töten – denn dann wird man nicht geboren und kann eben nicht in die Zeit zurückreisen und seinen Großvater töten…*Hirn qualm*). John überlebt allerdings den zweiten Teil – was auch Camerons alternative Ende im Jahre 2029 belegt – und somit kann der Logik folgend, der Zukunftskrieg nicht verhindert worden sein (oder wie bereits erwähnt: der Krieg hätte so oder so nicht verhindert werden können…). Haken an der Sache: Camerons alternatives Ende, welches auch im Filmroman von Randall Frakes auftaucht, spielt in einer friedlichen Zukunft, in der John Connor US-Senator und Vater ist. Cameron selber schnitt dies Ende heraus, da es – wie er HEUTE sagt – nicht zum Grundton des Films gepasst hätte. Auf dem Laserdisc-Kommentar aus den 90ern wird hingegen behauptet, dass das Ende herausgeschnitten wurde, da es letztlich ja eben keinen Sinn ergab (ohne Judgment Day, kein Connor…). Somit ist die Sache klar: Mit „Terminator 2“ wurde der Tag der Abrechnung nicht verhindert – doch die Menschen sind ihres eigenen Schicksal Schmieds („No fate but what we make.“) und von daher gelang es immerhin das Jüngste Gericht zu verzögern – wie in „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ etabliert. Kyle Reese selber sagte in „The Terminator“, dass der Zukunftskrieg, so wie er ihn erlebte, nur eine mögliche Zukunft sei (Zugegeben: Interpretationssache). Darauf baute „Terminator 3“ auf – und „Terminator Salvation“ hätte hieraus seine größten Stärken ziehen können. Hätte. Wenn die Fanboys aus dem dunkelsten Tiefen des Internets nicht gewesen wären…

(© Sony Pictures)
(© Sony Pictures)

McG machte im Grunde vieles richtig und hielt sich an die einzige Konstante im Terminator-Universum: Das die einzelnen Variablen, die zum Judgement Day führen, verändert werden können, aber nicht der Judgment Day selber. Und somit veränderte jeder „Terminator“-Film die eigentliche Zeitlinie. Kyle Reeses Flashbacks in Teil 1 sind somit Teil SEINER Vergangenheit – aber nicht zwingend der Zukunft. Im ersten Trailer zu „Salvation“ wurde dies bereits angesprochen („This is not the future my mother warned me about.“) – von daher verfolgte McG den richtigen Pfad und etablierte den Judgement Day nun als eine nicht zu verhindernde Konstante im Terminator-Universum. Eine ähnliche Philosophie verfolgten bereits die populären Serien „Battlestar Galactica“ (die K.I.), sowie „Lost“ (die Zahlen) – irgendwann kommt der Punkt an dem die Menschheit sich selber auslöscht. John Connors Schicksal, sein Leben, seine gesamte Existenz, ist unweigerlich mit dem Judgement Day verknüpft und er MUSS zum Führer der menschlichen Résistance aufsteigen – denn nur so ist er überhaupt in der Position seinen Vater, Kyle Reese, zurückzuschicken (und sein eigenes Leben zu sichern). Lediglich der Weg dahin kann verändert werden. Natürlich bedeutet dies auch, das es ursprünglich eine vollkommen andere Zeitlinie gab, in der Kyle Reese eben nicht Johns Vater war, aber trotzdem von ihm zurückgeschickt wurde – John Connor hat seine Existenz damit selber untrennbar mit dem Judgement Day verbunden. Sie sind nun zwei Einheiten. Ying und Yang, Gut und Böse, Schwarz und Weiß. Und das ist IMHO eine geniale Entwicklung – ob Cameron aber jemals soweit gedacht hat? Nein. Aber die Autoren von „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ als auch „Salvation“ haben dieses geniale Zusammespiel immerhin in den Ansätzen genutzt…

VideoRaider Skullo drückte es in einer kurzen Email-Diskussion mit mir so aus:

„So wie es in „Zurück in die Zukunft“ ist, also, dass alle Entscheidungen quasi ein Paralleluniversum erschaffen, wird es wohl nicht sein – simple Begründung: Gäbe es das, wären Zeitreisen unmöglich, da sonst bei der Zeitreise mehrere Zeitreisende aus den verschiedenen Universen in einem Punkt der Vergangenheit divergieren würden (5 Paralleluniversen => 5 zurückgeschickte Kyle Reese in einem Punkt => Resultat Verschmelzung => nicht mehr lebensfähig).

Die Begründung mit dem technischen Einschwingungen (es gibt nur eine Zeitline, die geändert werden kann) finde ich persönlich am logischsten: John Connor ist nicht John Connor! Am Anfang der Zeitschleife hatte John Connor einen anderen Vater als Kyle Reese, indem er ihn zurückgeschickt hat, hat er die Zeitlinie geändert (praktisch Selbstmord für den ersten Connor). Jeder Zeitsprung ändert die Zeitlinie, bis sich eine feste Zeitlinie etabliert hat, die nicht mehr geändert werden kann => es gibt keine Paradoxien mehr, daraus folgt zwangsläufig, dass jeder zurückgeschickte Terminator, der Connor töten soll, scheitern wird. Genau so jeder Versuch Connors, SkyNet in der Vergangenheit zu verhindern.“

Meines Erachtens die beste, einzigste und auch interessanteste Lösung für das (sehr) wackelige Zeitreise-Paradoxon-Gerüst auf dem die „Terminator“-Filme aufgebaut sind. Und so sponn McG eine neue Zukunft zusammen, in der die Variablen verändert wurden. Dies schien allerdings den meisten Fanboys nicht zu schmecken. Als das Shooting-Script zum Film online ging, war das Geschrei groß – so groß, dass die Produzenten kalte Füße bekamen. Im ursprünglichen Drehbuch, starb John Connor am Ende des Films, und Marcus Wright, Terminator von Beruf, schnitt sein Gesicht ab und transplantierte es sich quasi selber. Der Tod John Connors war natürlich ein absolutes Sakrileg – aber nicht nur das. Da Marcus Wright quasi ein trojanisches Pferd SkyNets war, erschoß dieser am Ende noch Kate Brewster, Connors Frau – sowie Kyle Reese, Connors Vater. Dieses Ende zeugte wirklich von Mut und man kann nur spekulieren mit welchen genialen Twist der fünfte Teil begonnen hätte (eine komplette Trilogie war ja bereits zum damaligen Zeitpunkt geplant, Connors Tod wäre vielleicht nur temporär gewesen oder hätte zu einer vollkommen neuen, alternativen Zukunft geführt). Tja, aber leider kamen die Fanboys dazwischen, die vehement auf Camerons Vision pochten. Aber was wissen wir denn von Camerons Zukunft? Alles was wir gesehen und gehört haben stammt aus dem Jahre 2029 – „Terminator Salvation“ spielt allerdings im Jahre 2018, 11 Jahre davor. Von daher kann man Kyle Reeses Aussagen in „The Terminator“ nicht zwingend als Vorbild nehmen, da sie sich auf seine Gegenwart, das Jahr 2029, beziehen. Auch der offizielle Film-Roman von Randall Frakes zu „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“, der 1:1 auf Wishers und Camerons Original-Drehbuch basiert, beschreibt uns nur oberflächlich die Jahre nach dem nuklearen Holocaust und konzentriert sich vollends auf den Sieg gegen die Maschinen, am 11.Juli 2029. Zwar widmet der Roman immerhin die ersten 25 Seiten dem Zukunftskrieg, allerdings beschränken sich diese auf dem Kriegsschauplatz Los Angeles’ und eben dem Tag des Sieges – nebenbei werden kleinere Daten und Fakten eingestreut…

(© Sony Pictures)

• John Connor war nicht von Anfang Anführer der Résistance.
• In der Anfangszeit mussten sich die Menschen auch gegen marodierende Bande durchkämpfen (Zitat: „Kyle Reese selbst hatte seine Ängste in jenen Jahren entwickelt, da er sich in den Nachkriegsruinen verstecken musste und gegen Killercyborgs und abtrünnige Menschen kämpfte.“).
• Die eigentliche Résistance bestand anfänglich nur aus einem Haufen verlumpter Freiwilliger (Zitat: „Doch John Connor hatte das erbärmliche Häufchen Überlebender um sich geschart und in eine verlumpte Widerstandsgruppe verwandelt. Stück für Stück hatte die Menschheit begonnen, Boden von den metallenen Herrschern zurückzuerobern.“).
• In den späteren Kriegsjahren wird der Krieg zu einem bedeutenden Teil von afrikanischen und süd-amerikanischen Einheiten geführt, da die gesamte westliche Welt zerstört wurde (Zitat: „Dies war die erste wahrhaft internationale Armee. Die Freiwilligen kamen aus den Ländern, die am wenigstens vom Krieg verwüstet worden waren.“).
• Es ist ein globaler Krieg, dessen Hauptschauplatz zwar in den USA liegt, aber überall auf der Welt ausgetragen wird (Zitat: „Überall auf der Welt tobten an diesem Tage Gefechte gegen Skynets Truppen. Doch die beiden wichtigsten Schlachten wurden in Cheyenne Mountain, Colorado, wo Skynets Computerbanken untergebracht waren, und hier an der Westside, wo sich das eigentliche Herzstück der Angreifer befand, ausgetragen.“).
• Sarah Connor starb 2009 – als John 25 Jahre alt war und eine Gruppe Kindersoldaten befehligte (Zitat: „Der Nachschubtransport aus Mexiko war in den Hinterhalt einer Abteilung von JKs geraten. Es gab keine Überlebenden. […] Sarah Connor hatte diesen Transport angeführt. […] Als sich die Nachricht verbreitete, begannen Menschen zu weinen, die sie nur von ihrem Ruf her kannten. Sarah Connor war eine beinahe ebenso bedeutende Legende wie ihr Sohn.“).

Lediglich der Tod Sarah Connors kollidiert mit McGs Werk – da Sarah laut T3 allerdings 1997 an Krebs starb, haben wir es zwangsweise mit einer alternativen Zeitlinie zu tun. Bedeutet: Die Zeit wurde zwangsweise durch Camerons „The Terminator“ und „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ verändert – eine andere Schlußfolgerung kann man kaum treffen – dies würde auch das um fast 10 Jahre verfrühte Auftauchen des T-800s erklären. Der Rest von Camerons Zukunftsvision passt wunderbar zu „Terminator Salvation“ – der massive Fanprotest war somit, zumindest inhaltlich, nicht einmal in den Ansätzen gerechtfertigt, zumal niemand wusste inwiefern der Tod Connors in Teil 5 und 6 behandelt (vielleicht verhindert?) wurden wäre. Ähnliches gilt auch für die Entscheidung Menschen für SkyNet arbeiten zu lassen. Im Grunde ist auch dies nur eine logische Konsequenz – aber über die Umsetzung kann man sich natürlich streiten.

Kopfschuss!
(© Sony Pictures)

Und als ob das noch nicht genug gewesen war, forderte Christian Bale mehr Screentime, denn das eigentliche Drehbuch konzentrierte sich auf Marcus Wright – und Connor spielte nur eine Nebenrolle, die lediglich am Ende des Films in Erscheinung trat. Zu wenig für Herrn Bale – aber sein Auftreten schien den Produzenten verlockend genug zu sein, um massive Drehbuchänderungen vorzunehmen. Das war allerdings noch lange nicht alles. Aufgrund des enormen Budgets von 200 Millionen Dollar wurde dem Film lediglich ein PG-13-Rating und eine maximale Länge von 120 Minuten aufgelegt. Das Ergebnis: Ein Film voller Kompromisse.

„Terminator Salvation“ hastet von Actionszene zu Actionszene und lässt seinen Charakteren dadurch sehr wenig Raum für eine eigene Entwicklung. Viele Szenen, die wir bereits in den Trailern zu sehen bekamen, fehlen im fertigen Film – sogar der T-1 hat es nicht mehr in die finale Fassung geschafft. Dies bedeutet natürlich, dass viele großartige und hervorragend ausgearbeitete Elemente des Films viel zu kurz kommen. John Connors Kampf mit dem hiesigen Militär, Marcus Wrights Wanderung durch das post-nukleare Los Angeles, das Leben nach dem jüngsten Gericht wird oftmals alles nur angedeutet. Es wird gemunkelt, dass McGs finale Schnittfassung rund 40 Minuten länger war – nachdem man bereits auf zu drastische Szenen im Vorfeld verzichtete. Ich kann letztlich nur mutmaßen, aber aus der eigentlich recht drastischen Kannibalismus-Szene (aus dem Original-Script, dass die „Fans“ ablehnten), in der, der marode Zustand der menschlichen Gesellschaft dargelegt wurde, wurde letztlich ein schnödes PG-13-Gekloppe. Klar ist die Message noch immer deutlich – doch leider wirkt es bei weitem nicht mehr so finster und erdrückend…

Anstatt eines ultimativen Endzeit-Actioners blieb ein Rumpf, der eher als großer Sommer-Endzeit-Blockbuster daherkommt. Eingangs erwähnte ich, dass McGs seine Arbeit mehr als ordentlich gemacht hat – und dazu stehe ich auch weiterhin. „Terminator Salvation“ bietet großartige Actionunterhaltung – und wenn die berühmt-berüchtigten Sommerblockbuster immer in diesem Endzeitgewand daherkommen, dann bin ich der erste der in der Schlange steht. Aber das „Terminator“-Franchise ist natürlich mehr als ein reiner Sommer-Blockbuster. Oder sollte es zumindest sein. Hier McG nun vollkommen die Schuld in die Schuhe zu schieben wäre falsch, auch wenn er als Regisseur eigentlich die volle künstlerische Kontrolle haben sollte. Aber ähnlich wie bei anderen großproduzierten SciFi-Werken der letzten Jahre („I am Legend“, „Wolverine“), hat das Studio das letzte Wort – und wenn das Studio für ihre 200-Mille-Produktion eine Spielzeit von unter 2 Stunden, um soviele Kino-Slots wie möglich zu nutzen, und ein PG-13 einfordert, dann sind vielen Regisseuren hier die Hände gebunden. Befehl lautet Runterschneiden – und dann muss die Schere angesetzt werden. Bei „Terminator Salvation“ spürt man richtig, an welchen Stellen essentielle Handlungsschnitte vorgenommen wurden. Dadurch gewinnen die Action-Szenen an viel zuviel Gewicht – und die Action wirkt nur noch wie ein Band, dass das Handlung-Korsett zusammenschnürt.

Optisch hingegen versteht es McG sehr gut die apokalyptische Welt umzusetzen – auch wenn er, wie erwähnt, auf zu drastische Darstellungen verzichten musste. Die Evolution des Terminators ist grandios und ergibt Sinn. Auch die Einführung neuer T-Typen (Moto-Terminator, Hydrobot) war eine richtige Entscheidung (Warum sollte SkyNet keine Marine haben, wenn die Menschen zum Schutz ihre gesamte Militärführung sinnvollerweise auf U-Boote verfrachtet?). Lediglich der Harvester, der quasi Menschen einsammelt und sie zu SkyNet Central bringt, hätte nicht zwingend in den Film eingebaut werden sollen. Man kann es zwar so hindrehen, dass es Sinn ergibt – aber es wirkt einfach unnötig und aufgezwungen – eben ein reiner Eyecatcher, der auch inhaltlich viel zu weit entwickelt zu sein scheint.

(© Sony Pictures)

Aber auch hier scheint das PG-13-Rating zu „grauenerregende“ Bilder verhindert zu haben. Der berühmte T-600, von dem Kyle Reese im ersten Film noch sprach („The 600 series had rubber skin. We spotted them easy.“) darf nur im Dunkeln unter Leinen bedeckt auftauchen – sein ursprüngliches Auftreten im hellen Tageslicht, erschien wohl zu furchteinflössend…

(© Sony Pictures)
(© Sony Pictures)

Sieht man von diesen Kompromissen ab, so generiert McG eine destruktive aber lebhafte Zukunftswelt und lotet die Grenzen des PG13-Ratings aus (in Deutschland wird der Streifen trotzdem eine FSK-16-Freigabe erhalten). Ein weiteres Kompliment muss man Danny Elfmann machen. Auch wenn Brad Fiedels klassischer Terminator-Score fehlt, so schuf Elfmann ein dynamisches, kraftvolles, neues Hauptthema und verbindet dies mit Fiedels industriellen Klängen. Der Vorspann, eine Hommage an „The Terminator“, sollte wirklich in Kinos mit der bestmöglichen Soundanlage genossen werden.

Wo wir schon einmal beim Thema Hommage sind – natürlich zitiert McG die vorangegangenen Filme. Manchmal wirkt es etwas platt. Oft ist es jedoch sinnvoll eingesetzt – ohne das es aufgezwungen wirkt. Der Vorspann, wie erwähnt, orientiert sich an den orignalen „The Terminator“-Vorspann. Ebenso der eröffnende Lauftext, der hier als computergenerierte Militärmeldung eingeblendet wird. Natürlich darf das berühmte „I’ll be back!“ nicht fehlen – genauso wie weniger bekannte Zitate aus den vorangegangenen Filmen („What time? What year?“, „Come with me, if you want to live!“). Beim Durchwühlen von SkyNets Datenbanken finden sich auch kurz Einträge zum T-1000 und T-X und natürlich über den Bau der Zeitkapseln. Selbst Guns ’n’ Roses’ „You could be mine“ verwendete McG wieder – und der Über-Terminator – Arnold himself – wird ein GROßARTIGES Cameo haben, auch wenn es (IMHO) schöner gewesen wäre, wenn Roland Kickinger, der Arnold doubelte, komplett in dem Film auftreten würde (Kickinger wäre der perfekte Terminator!). Das „Terminator“-Franchise muss (?) sich endlich von Arnold befreien und für sich alleine stehen – egal wie sehr der Zuschauer Herrn Schwarzenegger damit verknüpft.

Bleiben nur noch die Schauspieler übrig, die alle ihre Rolle souverän spielen, inwiefern sie ihren Charakteren wirklich Tiefe verleihen konnten, bleibt aber aufgrund des Schnittmassakers vollkommen offen. Als Fehlbesetzung sehe ich Christian Bale nicht, aber das aufgezwungene Umschreiben seiner Rolle, hat ihm bei der Darstellung sicher nicht geholfen. Es ist letztlich zu wenig, um eine Hauptrolle auszufüllen – denn diese gebührt, wie ursprünglich gedacht, alleine Sam Worthington, der den Charakter Marcus Wright glänzend spielt.

Halb Mensch, halb Terminator.
(© Sony Pictures)

„Terminator: Salvation“ abschließend zu bewerten fällt etwas schwer. Denn auf der einen Seite haben Warner Bros.’ Schnittauflagen, das PG-13-Rating aufgrund des monströsen Budgets und die Fan-Quälereien im Vorfeld den Film auf ein reinen Sommerblockbuster reduziert – dafür aber immerhin ein Sommer-Blockbuster der sich keine Atempause gönnt, großartige Action-Unterhaltung bietet, die gespickt ist mit fantastischen Effekten und einen mehr als nur beeindruckenden Sound-Design (ich rieche ’nen Oscar dafür…) und das alles in der Endzeit angesiedelt. Dafür 4 Schädel. Aber natürlich sollte dies für einen „Terminator“-Film zu wenig sein und ich wünschte die Produzenten hätten die EIER gehabt, ihr ursprüngliches Konzept durchzuziehen – und auf ein, zwei große Actionszenen zu verzichten, Geld zu sparen und ein R-Rating zu kassieren. Ach, ja, ich weiß… Wenn’s so einfach wäre…

Fatality:
Fantastischer Sommer-Blockbuster, der mit ’nem „Director’s Cut“ zu einem richtig guten Terminator-Film mutieren könnte. Wenn ihr fünf Euronen in der Tasche habt, dann knallt sie eurer Kinofachkraft auf den Tresen. Entweder ihr bekommt ’nen Blockbuster-Knaller oder ’nen abgespeckten Terminator. In meiner Kino-Welt, in der man im großen Filmpalast derzeit nur die Wahl zwischen „Nachts im Museum 2“, „Hanna Montana – Der Film“, „Illuminati“ und „Star Trek 11(TAUSEND)“ hat, kann man dabei nur gewinnen …oder? ODER?

Markus Haage

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Über Markus Haage 2113 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!