„Große Sturm werden kommen“, heißt es am Ende von James Camerons ewigen Klassiker „The Terminator“. Und „große Sturm“ kam. Auf der Leinwand. 42 Jahre nach Erstveröffentlichung präsentierte Capelight Pictures die 4k-Restauration des Films bundesweit in den Kinos.

(© Markus Haage. All Rights Reserved.)
Wenn es ein Werk gab, das das Hollywood-Kino der 1980er-Jahre maßgeblich (mit)geprägt hat, dann sicherlich James Camerons Debütfilm „The Terminator“ (1984). Ein Sci-Fi-Horror, der Arnold Schwarzenegger endgültig in den Olymp der Actionstars hievte und eine der langlebigsten Filmreihen des Phantastischen Kinos erschuf. Über Jahrzehnte versuchte man die Geschichte fortführen (siehe Review zu „Terminator: Dark Fate“) – diese besaß mit einer Deleted Scene übrigens ein perfektes, in sich geschlossenes Ende! –, aber letztlich schaffte es nur Cameron mit einem für damalige Verhältnisse wahnwitzigen Bombast-Sequel – das Budget betrug damals über einhundert Millionen US-Dollar (nicht inflationsbereinigt) – seinen eigenen Triumph zu wiederholen.
Auch wenn „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ („Terminator 2: Judgment Day“, 1991) im Kern eher die Charakteristika eines Remakes besaß, war der Film dermaßen erfrischend inszeniert und popkulturell einflussreich, dass es fast schon als eigenständiges Werk bezeichnet werden kann. Die Fortsetzung wurde ein globaler Hit; einer der definierenden Actionfilme seiner Generation, der insbesondere das Special-Effects-Kino maßgeblich vorantrieb und als einer der letzten großen Sci-Fi-Werke gilt, welches viele traditionellen und modernen Tricktechniken miteinander meisterhaft vereinte. Animatronics, Rückprojektion, Stop-Motion, klassische Illusionen, aber eben auch CGI.
Doch mit dem großen Budget kam auch eine große Verantwortung; dieses musste refinanziert werden. „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ war somit auch schon als ein Eventfilm konzipiert – so ganz anders als das Original –, der den cineastischen Diskurs des Sommers 1991 auf allen Ebenen bestimmen sollte. Auch fernab der Leinwand. Merchandise en masse wurde produziert. Es war der Höhepunkt von Schwarzeneggers Karriere als unangefochtener Actionstar des Hollywood-Kinos.
Dass sich dies so entwickeln würde, war nach der Veröffentlichung des ersten Films nicht absehbar. Denn „The Terminator“ stellt all das dar, was „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ eben nicht war: ein fast schon intimer Alptraum, aus brutalen Kompromissen zusammengeschweißt. Science-Fiction, Action und Horror meisterhaft miteinander kombiniert, aber eben rau inszeniert. Wenig elegant, recht grob. „Terminator 2“ hingegen war ein bombastisches Action-Feuerwerk; ein Epos, bei dem jeder Cut perfekt saß und jede Einstellung choreografiert wirkt. Der ultimative Kontrast zum Vorgänger. Deswegen ist es wenig überraschend, dass dieses Sequel – neben anderen Schwarzenegger-Klassikern – über die Jahre schon zahlreiche zelebrierte Wiederaufführungen erhielt. Erstmalig 2017 und am Ende dieses Monats erneut.
Perfektes Pacing und Timing, unglaublich kreative Kameraeinstellungen, das zeitlose Setdesign! Der Film könnte mit minimalen Requisiten-Updates problemlos in der Gegenwart spielen! Die gesamte Inszenierung lässt unzählige aktuelle Produktionen wirklich alt aussehen.
– „Film-Event: ‚Terminator 2‘ 3D, Helmstedt (August 2017), August 2017“
Doch vorher durften die Filmfans das Original in den Kinos sehen. Und zwar ebenfalls deutschlandweit als Teil der sogenannten „Best of Cinema“-Reihe, die Studiocanal einst ins Leben rief. Jeden ersten Dienstag wird ein Kultfilm oder Filmklassiker zurück in die Lichtspielhäuser gebracht. Am 04. August 2026 war dies „The Terminator“. Fans aus ganz Deutschland strömten in ihre Lieblingskinos. Für mich persönlich fiel die Wahl abermals auf das Roxy in Helmstedt. Ein Kino, das mich seit meiner Kindheit begleitet. Da war ich nicht der einzige. Ein Leser merkte an, dass er hier bereits 1984 „The Terminator“ sah. Er schlich sich damals aufgrund seiner Minderjährigkeit herein.

(© Markus Haage. All Rights Reserved.)
In diesem Kino sah ich erstmalig „Ghostbusters II“ (1989) und „Jurassic Park“ (1993) genauso wie „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“, für den ich ebenfalls viel zu jung war. Meine große Schwester schmuggelte mich anno 1991 herein. Ein Filmerlebnis, das mich zutiefst geprägt hat. Für Teil 1 war ich wahrhaftig zu jung; dieser lief auch nicht im Kino, sondern musste noch aus der Erwachsenen-Abteilung der lokalen Videothek geliehen werden. Demnach sah ich die Fortsetzung auch zuerst und diese prägte mich in den Jugendjahren weitaus stärker. Erst später erkannte ich die Besonderheit des Originals und schätze den Film mittlerweile weitaus mehr als das bombastische Sequel. Auf der großen Leinwand konnte ich den Film allerdings nie sehen. Somit stellte die Wiederaufführung von Capelight Pictures auch für mich eine Art von Premiere dar. Es war ein mehr als nur ein Kinobesuch; es war ein Erlebnis.
Oftmals werden solche Wiederaufführungen von Gelächter begleitet. Nicht einmal hämisch gemeint, doch die veralteten praktischen Effekte erheitern vor allem jüngere Zuschauern, die in einer digitalen Entertainment-Welt aufgewachsen sind. So war es zumindest bei George A. Romeros Kultur-Schocker „Zombie“ („Dawn of the Dead“, 1978), als dieser in seiner ungeschnitten Fassung nach mehr als drei Jahrzehnten Beschlagnahmung wieder über die deutschen Leinwände erstrahlen durfte. Neon Zombie war damals in Braunschweig vor Ort und erinnert sich …
Während der Vorstellung des Films verließen vier Zuschauer, zwei Paare, den Kinosaal. Eine interessante Erfahrung. War ihnen das Werk vielleicht zu brutal? Erlebten wir hier eine Art Konfrontation von Sehgewohnheiten oder Erwartungen? Hatte die raue, teils selbstironische und aus heutiger Sicht vielleicht datierte Inszenierung einfach keine Wirkung mehr auf sie? Eine Antwort konnte man darauf leider nicht erhalten, allerdings fing eine Zuschauerin mehrmals hysterisch an zu lachen. Wohlgemerkt bei Szenen, die eigentlich keinerlei komödiantischen Grundton besaßen. Dies wäre rein spekulativ, aber vielleicht wirkt der Film bei jüngeren Zuschauern, die ihn erstmalig unter ihren aktuellen Sehgewohnheiten erleben, selbst im düsteren Argento-Cut ‚komisch‘.
– „Sondervorstellung: George A. Romeros ‚Zombie‘ (‚Dawn of the Dead‘) in den deutschen Kinos!“, November 2020
Fairerweise muss erwähnt werden, dass Romeros Zombie-Spektakel stets das Rockkonzert unter den Horrorfilmen darstellte und in der US-Originalversion sogar starke komödiantische Züge besaß. Dies gilt für „The Terminator“ nicht, wenn man von gewissen kauzigen Eigenheiten der deutschen Synchronisation absieht („Hasse auch g’rad dieses gaaanz grääääälllllleeeee Licht gesehen!?“). Camerons (eigentlicher) Debütfilm bliebt ein atemloser Alptraum, dessen raue Inszenierung dem Zuschauer durch die Projektion erst vollends bewusst wurde. Man erkannte viele praktische Effekte nun natürlich besser, diese milderten das Seherlebnis aber gar nicht ab. Sie ließen den Film noch „mechanischer“ wirken. Als der T-800 sich in seinem versifften Hotelzimmer das eigene Auge herausschnitt und Stan Winstons Animatronic deutlich zu erkennen war, lachte niemand. Der Zuschauer nahm deutlich eine Maschine wahr; genau das, was Arnold Schwarzeneggers Rolle auch darstellen sollte. Mensch und Maschine verschmolzen.
Ob dies wirklich die Intention des Regisseurs oder die Interpretation eines Zuschauers ist, sei einmal dahingestellt. Ihre bedrohliche Wirkung haben die Effekte aber immer noch. Man kann meinen, dass eine alte 35mm-Kopie mit leichten Kratzern und Unschärfen, dem Charakter des Films eher gerecht kommen würde. Dagegen lässt sich kaum argumentieren – insbesondere, wenn sich die 4k-Restauration fast schon klinisch sauber präsentiert –, aber die restaurierte Fassung offenbarte dafür eine ganze neue Perspektive.

(© Markus Haage. All Rights Reserved.)
Als 4k-Restauration auf der großen Leinwand, sah man den Film sprichwörtlich mit anderen Augen. Nun auch noch aus der Sicht eines Erwachsenen, der diesen Sci-Fi-Horror unendlich viele Male bereits gesehen hat. Aber eben stets in einer komprimierten Version; auf einem Bildschirm. Nicht auf einer Leinwand umhüllt von Dunkelheit, die in den ersten Sekunden nur von Silhouetten von Trümmerlandschaften und lila schimmernden Laserstrahlen durchbrochen wurde, bevor die monotone Stimme aus dem Off einsetzte und die englische Texttafel vorlas („Die Maschinen erhoben sich aus der Asches des nuklearen Feuers …“). Das bekannte Terminator-Theme von Brad Fiedel ertönte; zuerst leise, wie ein pochender Herzschlag und baute sich stets lauter auf. Was danach kam, ist bekannt. Eine 90-minütige Tour-de-Force durch das nächtliche Los Angeles der 1980er-Jahre. Ein Sturm; wie es am Ende des Films hieß.
Als der Abspann einsetzte, herrschte tatsächlich absolute Stille. So gut wie alle Zuschauer blieben sitzen; es dauerte bis – wohl aus reinen Sicherheitsgründen – das Saallicht eingeschaltet wurde. Und selbst dann stand man nicht auf. Erst als die letzte Note, oder der letzte pochende Herzschlag des Main Themes, abgespielt wurde, verließ man den Saal. Der Stimmung zufolge, beeindruckt und bedrückt „The Terminator“ noch heute. Der Sturm war nicht vorüber; gefühlt – vielleicht auch dem beginnenden K.I.-Zeitalter geschuldet – beginnt er erst.
(© Markus Haage. All Rights Reserved.)
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‐ Markus Haage
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