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Jurassic World: Das gefallene Königreich (USA, 2018)

verfasst am 7.Juni 2018 von Markus Haage

Das Logo zu "Jurassic World: Fallen Kingdom".
(© Universal Pictures)

2015 überraschte „Jurassic World“ alle Box-Office-Prognostiker. Obwohl die mittlerweile dritte Fortsetzung innerhalb des Franchise als sicherer Erfolg galt, ahnte kaum jemand vorab, welch unglaublich gute Zahlen sie einfahren würde. 1,6 Milliarden Dollar setzte der Film an den internationalen Kinokassen um und war damit zeitweise der viert-erfolgreichste Film aller Zeiten. Es stand damit außer Frage, dass eine weitere Fortsetzung produziert werden würde. Aber wollte man tatsächlich abermals zur Insel zurückkehren ..?

Das legendäre Artwork zum ersten Film anno 1993.
Das legendäre Artwork zum ersten Film anno 1993.
(© Universal Pictures)

Ganze fünf Filme umfasst das „Jurassic Park“-Franchise mittlerweile. Der erste Teil aus dem Jahre 1993, von Steven Spielberg inszeniert, löste eine regelrechte Dino-Mania aus und gehörte zu den erfolgreichsten Kinoproduktionen der 1990er-Jahre. „Vergessene Welt: Jurassic Park“ („The Lost World: Jurassic Park“) konnte anno 1997 ähnlich gute Einspielergebnisse erzielen, auch wenn Kritiker und Publikum sich einig waren, dass er inhaltlich an den Originalfilm nicht mehr anknüpfen konnte. Bereits hier versuchte man, der eigentlich simplen Story neue Aspekte abzuringen und die Dinos aus ihrem gewohnten Habitat, der Isla Nublar und Isla Sorna, zu entführen. Nach „Jurassic Park 3“ von 2002, einer einfach gestrickten Adventure-Story unter der Regie von SFX-Veteran Joe Johnston („Captain America“, „Rocketeer“), ging die Reihe in eine vielleicht wohl verdiente Ruhepause von mehr als dreizehn Jahren über. 25 Jahre nach dem bahnbrechenden ersten Teil kommt nun mit „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ der mittlerweile fünfte Film des Franchises in die Kinos. Mit einem überwältigendem weltweiten Einspielergebnis von mehr als 1,6 Milliarden US-Dollar (nicht inflationsbereinigt) überraschte der Vorgänger „Jurassic World“ 2015 selbst die optimistischsten Box-Office-Analysten. Dass dieser Film ein Hit wird, stellte vorab niemand infrage. Dass er sich allerdings zu einem solch großen Sommer-Blockbuster entwickeln und zeitweise sogar den viert-erfolgreichsten Film aller Zeiten darstellen würde, konnte niemand erahnen.

Teil 4 entwickelte sich zu einem bahnbrechendem Blockbuster.
Teil 4 entwickelte sich zu einem bahnbrechendem Blockbuster.
(© Universal Pictures)

Eine weitere Fortsetzung war damit aus wirtschaftlicher Sicht nicht nur nur logisch, sondern wurde inhaltlich auch schon in „Jurassic World“ in einer Nebenhandlung vorbereitet. In einem Interview mit Regisseur Juan Antonio Bayona, der den neuen Film inszenierte, gab dieser auch unumwunden zu, dass sich Colin Trevorrow, Regisseur vom Vorgänger „Jurassic World“, auch immer eine neue Trilogie vorstellte. Trevorrow steht für den vorliegenden zweiten Film dieser Trilogie als Regisseur nicht zur Verfügung, da er eigentlich die Episode IX des „Star Wars“-Universums verfilmen sollte (mittlerweile trennten sich Lucasfilms und Trevorrow und J.J. Abrams übernahm die Regie). Für den bereits angekündigten dritten „Jurassic World“-Film wird er aber wohl auf den Regiestuhl zurückkehren.

Die Gretchen-Frage für jede weitere Fortsetzung war demnach, wie man die eigentlich einfache Storyline sinnvoll weiterführen könnte, ohne sich zu wiederholen. Denn die Dinosaurier sind am Ende eben nur Tiere. Sie schmieden keine Pläne, entwickeln keine Konzepte. Will man ihnen begegnen, muss man sich ihnen selber aussetzen. Die bekannte „Weiße Hai“-Problematik. Man muss glaubwürdige Szenarien kreieren, in der Menschen (somit Charaktere) auf die Dinosaurier treffen. Bereits für „Vergessene Welt“ entschied man sich, den Park zu verlassen und zumindest für das große Finale des Films einen Tyrannosaurus Rex durch die Großstadt San Diego zu jagen. Doch schon für Teil 3 kehrte man wieder auf die tropische Insel zurück, auch wenn die Parkanlage nur noch brach da lag. Zumindest versuchte man mit der Einführung eines neuen Dinosauriers, hier dem gigantischen Spinosaurus, der Filmreihe neue Schauwerte abzuringen. Auch wenn Teil 3 sicherlich seine unterhaltsamen Momente besaß, konnte er der Filmreihe keine neuen Inhalte hinzufügen. Auch Universal Pictures erkannte dies wohl und verbrachte Jahre damit, eine weitere Fortsetzung zu entwickeln.

Ursprüngliches Concept-Art von Carlos Huante für einen niemals realisierten vierten Teil.
Ursprüngliches Concept-Art von Carlos Huante für einen niemals realisierten vierten Teil.
Carlos Huante)

Zwischen der Veröffentlichung von „Jurassic Park 3“ und „Jurassic World“ lagen immerhin dreizehn Jahre, in denen man mehrmals versuchte die Geschichte sinnvoll aber eben neu weiterzuerzählen. Es handelte sich hierbei nie um ein Reboot, sondern immer um ein direktes Sequel. Bereits 2012 tauchte Concept-Art von ILM-Designer Carlos Huante zu den gescheiterten Nachfolgern auf, die die inhaltliche Ausrichtung sehr gut veranschaulichten. Dieses basierte auf einem Drehbuch von William Monahan („The Departed“) und John Sayles („Die Geheimnisse der Spiderwicks“), welches bereits 2005 verfasst wurde. Demnach wurden die Gen-Versuche von InGen, Betreiber des Jurassic Parks, auch mit anderen Spezies fortgeführt. Hybriden aus Mensch und Dinosaurier hätte man in Zusammenarbeit mit dem Militär gezüchtet. Sicherlich eine drastische Weiterentwicklung, die letztendlich aber auch nur schlüssig gewesen wäre. Denn schließlich sind alle Dinosaurier im Jurassic Park nichts Weiteres als Mutanten. Sie entstanden aus einem Mix aus Frosch- und (fehlerhafter) Dinosaurier-DNA nach den zeitgenössischen Vorstellungen der Mitarbeiter von InGen. Diese (in-Universe-)Vorstellungen gelten unter einigen Forschern mittlerweile als überholt. Somit war der Jurassic Park nie etwas anderes als ein Mutanten-Park. Diese Idee der gezüchteten Hybriden erschien Universal Pictures wohl als zu drastisch oder eigenwillig, sodass sie diese nicht mehr weiterverfolgten und sich mit „Jurassic World“ einem eher traditionellen Neustart, der die Vorgängerfilme inhaltlich aber respektierte, verschrieben. Interessant ist es dennoch, dass sich Grundideen aus den gescheiterten Konzepten im Film wiederfanden.

Regisseur Juan Antonio Bayona am Set.
Regisseur Juan Antonio Bayona am Set.
(© Universal Pictures)

„Jurassic World“ verstand sich noch als eine direkte Fortsetzung, die allerdings auch als eine Art Reboot fungieren kann. Mit der Einführung des Indominus Rex, einem rein künstlichen Dinosaurier-Mutanten aus dem Genlabor, begann man endgültig die Sci-Fantasy-Wurzeln des Franchise, die immer vorhanden waren, zu akzeptieren. Dieses eigentlich krasse Konzept wurde in ein dem Publikum bekannten Setting gepackt. Abermals eröffnet ein neuer Jurassic Park, nun unter dem titelgebenden Namen Jurassic World, und abermals können die Sicherheitsvorkehrungen die Menschen nicht vor den Dinosauriern schützen. Trotz des großen finanziellen Erfolges, der sicherlich auch der ewigen Verneigung und nostalgischen Referenz an das Original zu verdanken ist, war klar, dass man bei einer weiteren Fortsetzung nicht abermals auf die Inseln zurückkehren konnte – dies tat man nun schon viermal vorab -, sodass bereits erste Verweise auf einen neuen Plot gestreut wurden. Die Dinosaurier, hier vor allem die Raptoren, sollen als Waffe vom Militär eingesetzt werden. Das ihre Kontrolle nicht gelingen kann (oder darf), ist natürlich vorgegeben, denn sonst hätte man keine Handlung. Und um die Neuausrichtung zu verdeutlichen, machte bereits der erste Trailer zu „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ klar, dass man wohl nie wieder auf die Insel(n) zurückkehren kann. Ein alles vernichtender Vulkanausbruch soll dies inhaltlich verhindern. Zumindest für die große Hauptinsel Isla Nubular, auf der sich beide Parks befanden (ob die Isla Sorna aus „Vergessene Welt“ noch Kanon ist, ist nicht belegt).

Aber reicht die Verlagerung des Settings wirklich aus, um der Filmreihe neue Impulse zu geben, wenn strenggenommen bereits die erste Fortsetzung „Vergessene Welt“ dies vor 21 Jahren schon versuchte? Die Antwort lautet ja, wenn man in den bereits geplanten Fortsetzungen die Story folgerichtig weiterdichtet und diese Jurassic World dafür massiv ausbaut.

Ein alter Bekannter: Auch Dr. Henry Wu, der Frankenstein der Filmreihe, ist wieder dabei.
Ein alter Bekannter: Auch Dr. Henry Wu, der Frankenstein der Filmreihe, ist wieder dabei.
(© Universal Pictures)

„Jurassic World: Das gefallene Königreich“ begibt sich endgültig in die Science-Fantasy und bedient sich hierbei inhaltlich als auch inszenatorisch teils stark dem Horrorgenre, sogar in einigen Einstellungen der Ikonografie der klassischen Universal-Monster-Movies. Bei der Auswahl des Regisseurs dürfte dies aber nicht besonders überraschend gewesen sein, inszenierte der Spanier Juan Antonio Bayona vorab doch den viel gefeierten Horrorfilm „Das Waisenhaus“ („El orfanato“, 2007). Dass er aber auch sanftmütiges Fantasy-Drama überzeugend umsetzen kann, bewies er mit der Romanverfilmung „Sieben Minuten nach Mitternacht“ („A Monster Calls“, 2016). Somit die perfekte Wahl, um Colin Trevorrows Vision weiterzuführen. Bayona schafft es der Filmreihe neue inszenatorische Aspekte abzuringen, die allerdings im Verbund mit dem ihm vorgegebenen Werkzeug nicht immer perfekt miteinander harmonieren. Computereffekte und Horror lassen sich schwer vermischen. Die Angst (beim Zuschauer) ergibt sich aus der Überzeugung, dass das Grauen auch in dessen fiktiver Welt real ist. Und so ist man sichtlich bemüht, dieses zu erzeugen, scheitert aber letztlich daran (auch wenn Animatronics zum Einsatz kommen). Ein Thrill ist vorhanden, doch unterliegt dieser deutlich dem 25 Jahre älteren Originalfilms, indem noch Effektmeister Stan Winston in vielen Szenen animatronische Effekte einsetzte. Inhaltlich baut „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ auf den Nebenhandlungen des direkten Vorgängers auf. Die Idee, Dinosaurier als Waffe nicht nur zu nutzen, sondern sie eben als Waffe mittels Gentechnik auch zu züchten, ist nur konsequent. Die Schöpfung (der Mensch) schwingt sich zum Schöpfer auf, indem sie nicht nur Leben versucht nachzuahmen, sondern auch völlig neues Leben zu erschaffen. Hier kratzt man aber nur leicht an der philosophischen Oberfläche, die sich anbietet, denn für den Film bedeutet es schlicht: Abermals stapft eine neue Dinosaurier-Kreation über die Leinwand und jagt die Protagonisten durch dunkle Gänge.

Eine neue Brut aus dem Labor.
(© Universal Pictures)

Trotz der teils mutigen Entscheidungen und der endgültigen Verneigung vor den exzentrischen B-Movie-Wurzeln der Filmreihe sowie der Verknüpfung mit dem Horrorgenre, wirkt der Film stellenweise leider arg redundant. Ein ständiges Déjà-vu überkommt dem Zuschauer. Viele Action-Setpieces als auch vereinzelte Szenen oder gar Einstellungen kennt man bereits in anderer Form aus den Vorgängern. Der Filmreihe fällt es noch sichtbar schwer, sich von dem großen Erstlingswerk zu verabschieden, auch wenn beispielsweise John Williams’ grandioser Score nur noch vereinzelt als Erinnerungsfetzen angespielt wird. Und so referenziert der neue Film sogar die Referenzen aus dem Vorgänger, die eben Spielbergs Blockbuster von 1993 huldigen sollten. Dies sei ihm aber wohlwollend verziehen, denn schließlich feiert der Film tatsächlich den großen Abschied von der Isla Nublar. Ein weiterer Besuch ist inhaltlich wohl ausgeschlossen.

Die gute alte T-Rex-Dame ist weiterhin mit an Bord. Zum Leidwesen der Hauptcharaktere.
(© Universal Pictures)

Inwiefern die anderen Teile, allen voran „Vergessene Welt“, noch Kanon sind, bleibt übrigens weiterhin unbeantwortet, auch wenn „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ sich diesem Vorgänger am ehesten bedient. Warf man „Jurassic World“ vor, in bestimmten Punkten ein Remake von „Jurassic Park“ gewesen zu sein, trifft dies auf diese Fortsetzung in Bezug auf „Vergessene Welt“ wohl abermals zu. Als Zuschauer kennt man bestimmte Storybeats bereits. Die Jagd auf die Dinos, ihr Abtransport auf das Festland, der neu eingeführte und unbekannte Businessman, der den maximalen Profit aus den Tieren herausholen will und schon seit Jahren für das Unternehmen arbeitet… Hier geht der Film aber leider nicht ganz so elegant vor, wie Spielbergs Fortsetzung es tat. Neue Nebencharaktere werden eingeführt, die für die Mythologie der gesamten Filmreihe von fundamentaler Bedeutung sind und diese rückwirkend massiv erweitern (und auch verändern). Man spürt, dass dies so nie beabsichtigt war, aber eben geschehen muss, um der Reihe einen neuen inhaltlichen Drive zu geben. So wird ein Jugendfreund von Richard Hammond, Gründer des Jurassic Parks, vorgestellt, deren Wege sich aber schon vor Jahrzehnten trennten. Gemeinsam forschten sie an der Erschaffung neuen Lebens, wenn auch mit anderen Zielen. Es ist eben diese unterschiedliche Zielsetzung, die nun in einer Nebenhandlung dem gesamten Franchise neues Leben einhauchen soll. Demnach bemüht sich der Film immens eine neue Welt zu erschaffen, die sich nicht mehr auf die traditionellen Parks (oder die traditionelle und fünfmal wiederholte Rahmenhandlung) beschränkt. Etwas holprig bedient man sich hierfür aber eben doch noch den Ikonen der Vergangenheit. So ist es Dr. Ian Malcolm, gespielt von Jeff Goldblum, der nun die Jurassic World willkommen heißt. Man kann nur mutmaßen, wohin diese führen wird. „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ gibt hier noch keine klare Antwort. Der Film fungiert als Mittelteil einer Trilogie, die wohl wiederum den Mittelteil einer großen Saga darstellen wird. Der Park muss abgearbeitet, aber eben die „neue“ Welt auch eingeführt werden. Man spürt, dass dem Film inhaltlich Grenzen aufgesetzt wurden. Er kann kein Vollgas geben, sondern muss sein Tempo drosseln, indem er vor allem die bekannten Situationen der vorangegangenen Filme abgewandelt wiederholt und in der Nebenhandlung die eigentliche Geschichte erzählt. Davon könnten spätere Filme dennoch stark profitieren, lässt die Kinofilme an sich aber leider episodenhaft oder eher wie Kapitel anstatt in sich abgeschlossener Werke wirken. Das serielle Erzählen erreicht die große Leinwand und wer weiß, wieviele Geschichten die Macher hinter den „Jurassic World“-Filmen noch erzählen wollen. Bei Erfolg sicherlich viele.

Die Welt der Dinosaurier geht unter...
Die Welt der Dinosaurier geht unter…
(© Universal Pictures)

Fatality:
„Jurassic World: Das gefallene Königreich“ hat es nicht leicht. Als Mittelteil muss er altes beenden und neues beginnen, und so fühlt sich der Film streckenweise wie ein Epilog zum Vorgänger an. Eine auf zwei Stunden gestreckte Post-Credits-Scene. Diese weiß aber zu unterhalten, wenn auch nicht mehr zu überraschen. Regisseur Bayona ist redlich bemüht, inszenatorisch neue Wege zu beschreiten, und sollte Universal Pictures den Mut besitzen, die hier abermals angeteasten Nebenhandlungen konsequent auszubauen (siehe unrealisierte Konzeptzeichnungen von 2005), dann könnte die Filmreihe nicht nur eine drastische inhaltliche Wendung hinlegen, sondern noch für viele, viele Jahre und über sehr viele Filme verblüffend neue Geschichten erzählen. „Jurassic Park“ könnte das neue „Planet der Affen“ werden, und das wäre eine unheimlich interessante Entwicklung. Ob dies tatsächlich geschehen wird, kann nur die Zukunft zeigen. Bis dahin bleibt „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ ein unterhaltsamer Sci-Fantasy, der sich vom eröffnenden Abenteuer-Actioner in einen Horror-Thrill verwandelt, hierbei allerdings noch viel zu sehr auf die etablierten und bekannten Tricks der vergangenen Filme setzt.

Markus Haage

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Über Markus Haage 2118 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!