Kinder des Zorns (USA, 2009)

verfasst am 23.November 2009 von Markus Haage

„He who walks behind the rows has protected us from the outside world! [...] But a time of tribulation has come. A test is at hand!“

2009 schickte sich der neu-formierte US-PayTV-Sender SyFy an, die „Kinder des Zorns“ abermals auf die Zuschauer loszulassen. Nach bereits sieben Filmen dürfte man annehmen, dass ein gewisser Sättigungseffekt beim Publikum noch vorhanden sein sollte, aber nachdem SyFy erklärte, dass es weder an einem weiteren Sequal, noch an einem Prequal interessiert sei, auch nicht an einem Remake des 84er-Smashers, sondern Stephen Kings Novelle erstmalig im Spielfilmformat realisieren will, hatten sich die Gemüter der Horrorfans wieder beruhigt. An einer Fortsetzung war wohl niemand mehr interessiert, die 84er Interpretation ist trotz ihrer vielen Freiheiten bei Fans des Genres äußerst beliebt und gerade Remakes stehen unter Horror-Fanatics nicht sehr hoch im Kurs, weswegen die Ankündigung einer richtigen Verfilmung der Vorlage spannend verfolgt wurde. Am 26.09.2009 feierte der Film auf SyFy seine Premiere, wenig Tage später erschien ein Unrated-Cut auf DVD. Die Frage ist nun, konnte Kings beliebte Kurzgeschichte nach unzähligen Anläufen adäquat umgesetzt werden?

(© Capelight Pictures)

Burt und Vicky, ein sich ewig streitendes Paar, durchfährt in ihrem alten Ford den Mittleren Westen, um nach Kalifornien zu gelangen. Auf ihrer langen Fahrstrecke, die sie durch die entlegensten Landschaften der USA führt, überfahren sie aus Versehen ein junges Kind, der urplötzlich aus einem Maisfeld hervorgerannt kam. Vollkommen unter Schock geben sie sich gegenseitig die Schuld an dem Unfall, entscheiden dann den toten Körper des Jungen nicht auf der entlegenen Straße leigen zu lassen, sondern in die nächste Stadt zu bringen.

(© Capelight Pictures)
(© Capelight Pictures)

Doch meilenweit ist keine Ortschaft zu finden. Fast 80 Meilen müssen sie durch die Einöde tuckern, bis sie endlich in das scheinbar verschlafene Städtchen Gatlin kommen. Dort angekommen stellen sie fest, dass die Stadt verlassen zu sein scheint. Burt entscheidet sich gegen den Willen von Vicky in einer alten Kirche nach Hilfe zu suchen. Vicky bleibt indes im Auto sitzen…

(© Capelight Pictures)
(© Capelight Pictures)

Doch schon bald macht sich der Grund für die verlassene Stadt sichtbar: eine Kinder-Sekte hat vor 12 Jahren alle Erwachsenen der Stadt, auch ihre eigenen Eltern, niedergemetzelt. Nun herrschen sie nicht nur über die Stadt, sondern widmen ihre Jugend und Kindheit ihrem neuen Gott, nur als Derjenige, der hinter den Reihen geht genannt und führen über seinen Propheten Isaac seinen Willen aus.

(© Capelight Pictures)
(© Capelight Pictures)

Vicky, mittlerweile umzingelt von einem Mob aus bewaffneten Kindern, wird in ihrem Auto angegriffen und brutal ermordet. Burt der ihre Schreie wahrnimmt, rennt aus der Kirche hinaus, findet aber nur noch die Kinder und das Autowrack vor. Nachdem die Kinder ihre Ziele offenbart haben, schafft er es aus der Stadt zu flüchten – in ein naheliegendes Maisfeld. Die Kinder verfolgen ihn, doch wissen sie, dass sie nicht viel Zeit haben ihn zu finden. Denn nachts erwacht Der, der hinter den Reihen geht, im Maisfeld – und niemanden ist es erlaubt dann dort zu verweilen…

(© Capelight Pictures)
(© Capelight Pictures)

Nach mehr als sechs Verfilmungen hat man als Zuschauer keine allzu hohe Erwartungen an einer Neu-Verfilmung des Stoffes, umso überraschter ist man bei der Begutachtung. Regisseur Donald P. Borchers schafft es den Stoff nicht nur neue Elemente abzuringen, sondern Kings Vorlage auch erstmals originalgetreu umzusetzen – was natürlich auch der Tatsache zu verdanken ist, das King persönlich am Drehbuch mitarbeitete. Die Änderungen, die vorgenommen wurden, sind minimal und im Rahmen des unterschiedlichen Erzählrhythmus von Film und Novelle verständlich. Interessant hierbei ist ein Vergleich zwischem der ersten Verfilmung, ein Kurzfilm namens „Disciples of the Crow“, der in Deutschland auf Video erschien, und natürlich dem Kinofilm von 1984. Alle drei Version legen etwas andere Schwerpunkte und sind unterschiedlich in ihrer Erzählweise und Umsetzung zu bewerten.

(© Madison Video)
(© Capelight Pictures)

Das Remake hält sich, wie erwähnt, recht dicht an die Vorlage und lässt im Gegensatz zum Kurzfilm wenig Interpretationsmöglichkeiten offen. Es ist eine in sich abgeschlossene Geschichte, die hoffentlich nicht wieder sechs Fortsetzungen nach sich ziehen wird.

Regisseur Donald P. Borchers kreiert seine Version sehr lebhaft, mit originellen, teils ungewöhnlichen Kameraeinstellungen, schnellen Schnitten und einer, wenn man es so nennen kann, durch die warmen Farben dürren Atmosphäre. Ebenfalls die Darsteller können überzeugen, ohne zu sehr zu nerven. Was bei Filmen mit mordenden Kindern selten der Fall ist… Einziges Manko ist eigentlich nur, dass Teile der Original-Novelle zu getreu umgesetzt wurden – wer die Messerwurf-Szene sieht, wird wissen was ich meine. Es liest sich hervorragend, filmisch vorgetragen wirkt es manchmal etwas zu aufgesetzt. Gleiches gilt übrigens auch für den Gore-Faktor, der besonders in der Unrated-Fassung zuviele Gewaltspitzen enthält, die vom eigentlichen Horror ablenken. Es ist kein großer Störfaktor, aber manchmal ist weniger einfach mehr.

Fatality:
Das Remake überrascht. Zum einem da es eine recht genaue Umsetzung der Vorlage ist, zum anderen weil der Regisseur versuchte in der Umsetzung neue Wege einzuschlagen, die auch geglückt sind. Gute King-Verfilmungen zu finden sind rar. Sehr rar. Da müssen die Highlights auch mal hervorgehoben werden, auch wenn der Film aufgrund seiner Qualität ebenfalls für sich alleine stehen kann.

Markus Haage

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Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!