Ninja the Protector (Hongkong, 1986)

verfasst am 28.August 2010 von Odo

„Es ist der Weg des Ninja, alles andere hinter seinem Auftrag zurückzustellen!“

Im Herzen eines VideoRaiders hat Großmeister Godfrey schon immer einen besonderen Platz eingenommen. Schließlich feuerte der China-Mann eine so astronomische Anzahl todbringender Trash-Torpedos in die VHS-Player seiner willfährigen Anhängerschaft, dass selbst dem diensteifrigsten Schreiberling der Rezensionsstoff nicht ausgeht. Schon rein anstandshalber sollten deshalb alle Geschmacksverirrten mindestens einen dieser Schädelsprenger auf Lager haben. Dass es sich bei dem vorliegenden Exemplar um einen von Ho’s gefürchteten Ninja-Kloppern handelt, dürfte dabei wenig überraschen: Alleine zwischen 1980 und 1990 entstanden mehr als 40 dieser Genre-Exponate. Große Entertainment-Qualitäten darf man bei diesen Fließbandproduktionen nicht zwingend erwarten, nur das Wort „Ninja“ im Filmtitel ist so sicher wie das Kampfgrinsen von Florian Silbereisen. Der Rest des Titels ist thematisch in den seltensten Fällen kohärent zum Inhalt. „Zombie vs. Ninja“ muss z.B. nicht zwangsläufig die stoffliche Anwesenheit mordlüsterner Untoter bedeuten. Hauptsache, es klingt geil. Und wenn einem passionierten Güllefilm-Verkoster dann noch prollige Werbezeilen der Marke „Ihr Plan ist teuflisch – ihr Auftrag tödlich!“, „Sie leben um zu töten!“ oder „Ninjutsu – die tödliche Waffe!“ entgegen flattern, ist es um dessen rationales Denkvermögen eh längst geschehen. Doof nur die nicht selten folgende Erkenntnis, dass die Hülle wieder mal schmackhafter war als der Inhalt…

(© EuroVideo Medien GmbH)

Dass man bei Sichtung einer Ho-Gurke keine großen Überraschungen erwarten darf, sollte klar sein. Und so wird auch dieses mal auf hilariöse Ninja-Kost gesetzt, die es nur ihrem verdauungsfreundlichen Richard Harrison-Aroma zu verdanken hat, dass dem Zuschauer der mentale Darmverschluss erspart bleibt. Als Superbulle mit crazy Ninja-Skills darf Ausnahmedarsteller Harrison wie gewohnt seine Brusthaare in die Kamera halten…und nebenbei einen internationalen Falschgeldring ausheben. Anführer der Bad Guys ist der skrupellose Geschäftsmann Bruce Marley, welcher, klar, ebenfalls die Kunst des Ninjutsu beherrscht. Besondere Merkmale: Guckt böse und sieht in Kampfmontur aus wie Rotkäppchen nach einer Hormonbehandlung.

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Die restlichen Figuren kommen entertainmentmäßig deutlich blasswangiger daher, stammen sie doch gänzlich aus den Untiefen der berüchtigten IFD-Archive. Konkret wurden locker 3/4 des Plots aus der Stock-Footage-Kloake gefischt. Dank dilettantischem Overdubbing und doofer Neusynchro entspinnt sich in Verbindung mit den von Ho gedrehten Szenen das übliche Storydesaster. Da hätten wir z.B. Marleys Handlanger und Hauptverteiler der Blüten, Albert Wong. Susan Chang, die eine Agentur für Fotomodelle betreibt, organisiert die Verteilung des Falschgelds. Kontaktmann von Harrison ist ein gewisser Warren Lee, der bei Susan Chang eingeschmuggelt wurde und dort als Model arbeitet. Das wiederum gefällt Warrens Freundin Debbie nicht, da sich ihr Intimus nun nicht mehr um die Resozialisierung seines kleinkriminellen Bruders David kümmern kann. Debbie selbst fühlt sich ebenfalls vernachlässigt, weshalb sie sich wie jede andere normale Frau sofort die Pulsadern aufschlitzt. Überhaupt scheinen in diesem Machwerk familiäre Probleme eine weitaus größere Rolle zu spielen als das, was mich als treuen Ho-Gefolgsmann dazu bewogen hat, mein Portemonnaie zu zücken. Übel choreografierte Schlägereien und gruselige Rammelszenen am Strand runden diese Orgie des grenzwertigen Geschmacks vortrefflich ab.

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Einzig auf die vom Meister persönlich gedrehte Ninja-Action ist Verlass. Überzeugend wie immer agiert auch Ausnahmetalent Richard Harrison, der sich routiniert mit dem immer gleichen Gesichtsausdruck durch sämtliche emotionalen Stadien stümpert. Schwerst beeindruckend kommt der Endkampf zwischen Harrison und seinem Widersacher daher: Waffenschwingende Ninjas auf Motorrädern, die wie in einem mittelalterlichen Lanzenturnier aufeinander zurasen, hat man so noch nicht gesehen.

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Anrührend auch die pseudo-esoterischen Lebensweisheiten aus dem Ninja-Lehrbuch. Intellektuelle Highlights diesmal:

„Das ist ein Ninja-Ritual. Wenn ein langes Schwert über einem kurzen liegt und sie mit einem roten Tuch bedeckt sind, bedeutet das eine Herausforderung. Eine Herausforderung, die man nicht ablehnen darf!“

„Als Ninja zu leben, heißt als Ninja zu sterben! Wir sprengen die Fesseln von Zeit und Raum. Wenn wir einen Auftrag übernehmen, dann fürchten wir nichts! Erhebt sich ein Feind gegen uns, eliminieren wir ihn. Erwächst uns ein Hindernis, überwinden wir es! Und wir kennen keine Furcht. Einmal ein Ninja, immer ein Ninja!“

Fatality:
Hat man erst mal ein paar dieser Ninja-Heuler gesichtet, kennt man irgendwie alle. Nach dem Baukastenprinzip wiederholen sich bestimmte Merkmale ständig aufs Neue: Story? Nicht wichtig. Guter Ninja gegen böser Ninja reicht als roter Faden völlig aus. Als Vorwand für die Zwistigkeiten darf sich die Gegenseite meist mit kriminellen Machenschaften unbeliebt machen. Drogen, Prostitution, Waffen, Falschgeld. Je klischeehafter, desto besser. Musik? Besser gut geklaut als schlecht erfunden. Bevor untalentiertes Pack für ohrenkrebserzeugende Kompositions-Unfälle bezahlt wird, bedient man sich lieber bei den Klassikern. So darf sich der Zuschauer nicht wundern, wenn ihm plötzlich der Soundtrack aus „Das Ding aus einer anderen Welt“ durch die Gehörgänge wabert…oder der Titelscore aus „Re-Animator“ und „Halloween“.

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Schauspieler? Verzichtbar. Im Stock-Footage-Material gibt es schließlich genug darstellerisches Talent zu bewundern. Im i.d.R. unterhaltsamen, vom Prinzipale höchstselbst heruntergekurbelten Rest, sieht man deshalb meist nur vermummte, schwerterwedelnde und rauchbombenschleudernde Stuntmen in farblich grenzwertig gestalteten Kostümen durch die Pampa hopsen. Und wenn sich wirklich mal ein Akteur unmaskiert zeigt, gilt der Leitspruch: So doof kann gar keiner aus der Wäsche gucken, als dass er nicht auf der Besetzungsliste eines Ho-Elaborats landen würde. Alternativ wird auch auf verzweifelte Ex-Schauspieler zurückgegriffen, deren letzte ernstzunehmende Rolle vor der ersten Mondlandung datiert. Richard Harrison, meine Blicke wandern in Deine Richtung.

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Simon says: Zwei Köppe. Käsiges Stock-Footage-Material, das mein Pein-O-Meter in waffenscheinpflichtige Höhen treibt, erlaubt kein euphorischeres Fazit. Dieses Genre bietet definitiv unterhaltsamere Möglichkeiten, sich die Reizleitungsorgane zu rösten.

Odo

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