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Jetzt wird es etwas absurd: Disney benennt Boba Fetts „Slave I“ in „Boba Fett’s Spaceship“ um

verfasst am 5.Juli 2021 von Markus Haage

Die Welt ist im Wandel und macht auch vor der Vergangenheit keinen Halt. Fast nebenbei ging diese Woche die Nachricht durchs Netz, dass einer der populärsten Charaktere der „Star Wars“-Geschichte sich nun auch dem Wandel unterziehen muss. Abermals ändert man somit ein Stück Historie brachial, anstatt sie wenigstens halbwegs elegant anzupassen …

Als Boba Fett erstmalig in einem Cartoon anno 1978 auftauchte, entwickelte sich die Figur schnell zu einem Fan-Liebling. Mit „Das Imperium schlägt zurück“ („The Empire strikes back“, 1980) wurde er endgültig zu einem der populärsten Gesichter der „Krieg der Sterne“-Saga. Auch wenn er bereits in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ („The Return of the Jedi“, 1983) sterben musste – er verschwand im Maul des allesfressenden Sarlaccs –, forderten die Fans stets neue Geschichten um den wortkargen Kopfgeldjäger. In Comics überlebte er den Sarlacc, in der Prequel-Trilogie durfte er immerhin als Kind auftauchen, auch wenn sein Vater im Grunde seine Rolle in „Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger“ („Star Wars: Episode II – Attack of the Clones“, 2002) übernahm (nicht überraschend, wurde doch der Ursprung Boba Fetts in diesem Film als eine Klon-Variante seines Vaters etabliert). Nachdem das klassische Expanded Universe für die neuen „Star Wars“-Filme geopfert wurde, durfte er in der zweiten Staffel der Disney+-Serie „The Mandalorian“ (2019-) von den Toten abermals wieder zurückkehren. Somit ist sein Überleben auch im neuen Kanon offiziell. Mittlerweile produziert man unter dem Titel „The Book of Boba Fett“ (2021) eine eigene Serie und erhofft sich wohl damit die Marke „Star Wars“ nach den teils harsch kritisierten Kinofilmen neu aufstellen zu können. Doch wie erwähnt, ist die Figur mittlerweile 43 Jahre alt und entstammt einer teils gänzlich anderen Kulturlandschaft, die zumindest im Detail anscheinend nicht mehr auf eine heutige Zuschauerschaft übertragen werden kann. Neben Fetts ikonischer Rüstung gehörte zu der Figur auch immer sein nicht minder ikonisches Raumschiff, die „Slave I“, welches schon frühzeitig als eigenes Produkt vermarktet wurde. Zum Namen „Slave I“ ließ sich Lucasfilm Ltd. sogar die Namensrechte sichern.

Spielzeug-Variante der Slave I aus dem Hause Kenner zum Kinostart von „Das Imperium schlägt zurück“ anno 1980.
(© Kenner)

An diesem Namen hatte sich nie jemand gestört. Noch Neuauflagen der klassischen Toyline aus dem Jahre 2020 verwendeten diesen, sogar mit Trademark-Hinweis. Dies scheint sich nun geändert zu haben.

Vintage-Neuauflage von 2020.
(© Hasbro)

Fast nebenbei gab Jens Kronvold Frederiksen, der sogenannte „LEGO Star Wars Design Director“, in einem Interview mit JediNews.com bekannt, dass man fortan den Namen „Slave I“ nicht mehr verwenden und vorerst die generische Bezeichnung „Boba Fett’s Spaceship“ nutzen wird. Dies gilt wohl auch für alle anderen Hersteller von Merchandise-Produkten. Lego besitzt die Lizenz Charaktere, Raumschiffe und Schauplätze aus dem „Star Wars“-Universum zu verwerten. Boba Fetts Raumschiff gehörte natürlich stets dazu. Der Disney-Konzern, der 2012 Lucasfilm Ltd. aufkaufte und seitdem das „Star Wars“-Universum neu aufstellt, bat wohl intern darum, „Slave I“ zu streichen. Wortwörtlich sagte Frederiksen auf die explizite Nachfrage, ob der Name geändert wurde, folgendes:

“We’re not calling it Slave I any more. […] Everybody is. It’s probably not something which has been announced publicly but it is just something that Disney doesn’t want to use any more.”

Die Bezeichnung „Slave“ (deutsch: Sklave) besitzt in gewisser Hinsicht eine negative Konnotation, auch wenn sie in diesem Fall sicherlich nie beleidigend gemeint war, sondern eher den düsteren Außenseiter-Charakter der Figur Boba Fett verdeutlichen sollte. Mit dem Wort „Sklave“ möchte man aber natürlich nicht eines der Zugpferde des modernen „Star Wars“-Universums in Verbindung bringen, insbesondere in der US-amerikanischen Medienlandschaft. Mit der neuen Ableger-Serie „The Book of Boba Fett“ wird auch die Figur Boba Fett nun wieder weitaus stärker im Rampenlicht stehen, und somit natürlich auch sein ikonisches Raumschiff.

Die Namensänderung wurde demnach sicherlich aus an sich löblichen Gründen vorgenommen, allerdings passiert diese dann leider doch auf eine recht unelegante Weise. Sicherlich hätte man Boba Fett ein neues Raumschiff mit neuem Namen (aber vom gleichen Typ) geben können, indem man in „The Book of Boba Fett“ einfach etabliert, dass sein altes Schiff zerstört wurde. So wäre die Namensänderung halbwegs nachvollziehbar und inhaltlich elegant gewesen – vielleicht geschieht dies auch tatsächlich noch –, aber man entschied sich nun bereits vorher Tatsachen zu schaffen.

Ökonomisch mag dies durchaus Sinn ergeben. Wie erwähnt, können bisher lediglich die neuen Realserien Fans und Kritiker gleichermaßen begeistern. Wenn diese auf absehbare Zeit das Gesicht des neuen „Star Wars“ werden sollen, so kann es wohl nicht im Interesse des Disney-Konzerns sein in irgendeiner Art und Weise irgendeinen Teil der globalen Zuschauerschaft zu verprellen. Problematisch wird es allerdings, wenn hier nun auch rückwirkend In-Universe-Historie dafür abgeändert werden muss. Denn die neuen erfolgreichen Serien spielen allesamt in der „Vergangenheit“, rund um die Ära des Imperiums, und nicht der Gegenwart des neuen „Star Wars“-Universums (somit nach „Der Aufstieg Skywalker“). Boba Fett war immer ein Gangster und Kopfgeldjäger. Nun werden auch bei ihm, einem über vierzig Jahre alten Charakter, die Ecken und Kanten abgeschliffen, um massenkompatibler oder weniger anstößig zu werden. Aus einem Bösewicht soll nun vielleicht ein Antiheld gemacht werden. Dass Disney auf solche Details einen so groß Wert legt, überrascht kaum noch, obwohl die Bezeichnung „Slave I“ in den Filmen oder Serien nie fiel. So wurden zahlreiche Serien und Filme für ihren hauseigenen Streaming-Dienst Disney+ nachträglich verfremdet. Schimpfwörter wurden entfernt oder Anzüglichkeiten, die nicht mehr als zeitgemäß gelten, digital bearbeitet. Dieser nachträglich erschaffene Safe Space, der im besten Fall nirgends mehr anecken soll, verfremdet aber nicht nur die Vergangenheit, sondern nimmt den Werken oftmals auch ihren rauen Charme.

„Krieg der Sterne“ („Star Wars“, 1977) wurde zu einem Erfolg, weil man das Konzept der „used future“ verfolgte, die teils vollkommen im Kontrast zur damals populären Science-Fiction stand. Dies galt natürlich nicht nur für das Design der Welt(en), sondern auch ihrer Charaktere. Boba Fett ist kein Held und wurde auch nie als Held konzipiert, aber er ist eben heutzutage gerade deswegen populär und muss nun als Zugpferd für eine sehnsüchtig erwartete Serie etwas weniger sinister wirken. Natürlich ist es nur die Bezeichnung eines Gefährts, aber eben auch Teil eines Charakters. Ob das Raumschiff nun beim Namen genannt wird oder eben nicht, ist erst einmal sekundär. Eine außerirdische Welt, die sich den zeitgenössischen Trends der irdischen Realität vollkommen unterwirft, braucht man kaum besuchen. Gerade weil diese kaum Herausforderungen an den Zuschauer stellen kann. Der Trend nun auch die Vergangenheit abzuändern, da man sie kommerziell neu ausschlachten möchte ohne aber die Ecken und Kanten zu übernehmen, die diese Vergangenheit populär machte, ist mit großer Skepsis zu betrachten. Es ist eben noch ein Unterschied, Neues aus Altem zu entwickeln oder Altes für Neues abzuändern, um jeden zu gefallen, auch wenn die Gründe dahinter sicherlich nobel erscheinen.

Wie sich der Charakter Boba Fett weiter entwickeln wird, ist natürlich rein spekulativ. Hoffen wir, dass die Serie der Figur und ihrem Vermächtnis gerecht wird und auch die Gründe honoriert, für die Fett so populär ist und nicht versucht diese aus falscher Rücksichtnahme auf den Gemütszustand eines modernen Publikums zu verfremden.

Markus Haage

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Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!