Ruinen (USA, 2008)

verfasst am 27.März 2010 von Markus Haage

„Wie meinst du das, die Pflanzen haben geklingelt?“

Once upon a time in Mexiko: dickbäuchige Mayas mit Colt ballern griechischen Studenten das Hirn aus dem Schädel. Ihr Vergehen? Das Betreten der Ruinen! Welcher Ruinen? DER…jajaja, ich lasse den dämlichen Spannungsaufbau, rein ins Vergnügen…

Eigentlich wollten sie ja nur in den Urlaub…
(© Paramount Pictures)

Kurz vor der Absolvierung ihrer akademischen Laufbahn, genießt ein Zweier-Pärchen College-Studenten das Leben im heißen Mexiko. Drinks, Sonne, Swimming Pool. Eintönig, aber lässig. Als sie zufällig auf den Deutschen Mathias (mit einem t) treffen, entscheiden sie sich an ihrem letzten Urlaubstage ihn zu einer alten Maya-Ruine zu folgen, die selbstredend im tiefsten Dschungel des mexikanischen Nirgendwos steht. Mathias’ Bruder Heinrich, Archäologe von Beruf, war dorthin vor wenigen Tagen mit seinem Team aufgebrochen und hat seitdem nichts mehr von sich hören lassen. Entweder hat er einen Sensationsfund gemacht, den er vor den neidischen Augen der herzlosen Archäologie-Welt so lange geheim halten will, bis alle bürokratischen Hürden genommen sind, die ihn daran hindern, Ruhm und Ehre einzustreichen – ooooodddddeerrrrrrrr er ist tot. Ist natürlich ein Horrorfilm. Fachkräfte auf dem Gebiet der frühzeitigen Filmstory-Identifizierung werden wissen, was nun folgen wird. Stramm marschiert der Trupp Amis, inklusive Mathias und einem griechischen Mitbringsel, auf die Ruine zu. Keine Spur von Heinrich. Keine Spur von Irgendetwas. Nur die Ruine, überwuchert mit Pflanzen. Da uns der Kameramann das merkwürdig grüne Gewächs überproportional lange vorführt, wissen wir auch sogleich – hier stimmt was nicht! Doch bevor wir Eins und Eins zusammenzählen können, prescht eine Horde Maya-Cowboys hervor. Sie bedrohen die Gruppe und fordern sie auf zurück in die Ruinen zu gehen. Da Cholan-Tzeltalan, Sprache der Maya, leider nicht als Lingua France durchgeht, hat die Gruppe hier ein echtes Kommunnikationsproblem. Sie denken die Maya wollen bloß die Ruine schützen und die Kamera des Trupps einfordern, die Maya hingegen wollen eigentlich die Gruppe daran hindern die Ruinen je wieder zu verlassen. Wie ernst sie das meinen, erfährt unser Twen-Trupp nachdem der Alexis Sorbas unter ihnen nicht nur einen Pfeil in die Brust, sondern auch noch eine Kugel in seinen Kopp platziert bekommt. Schreiend rennen sie die Ruinentreppen hinauf, ohne zu wissen, dass es von dort kein Entkommen geben kann. Auf der Spitze der Maya-Pyramide angekommen, finden sie die Überreste von Heinrichs Team. Das Fleisch wurde ihnen von den Knochen genagt…

Jetzt auch noch Regen!
(© Paramount Pictures)

„Die Ruinen“ gehört zu den wenigen Filmen, die ich die letzten Jahre (mehr oder weniger) bewusst gemieden habe. Nicht weil der Film einen schlechten Ruf gehabt hatte, sondern weil ich den Streifen vollkommen falsch eingeschätzt hatte. Ich war der Überzeugung, dass „Die Ruinen“ nicht mehr als die übliche Slasher-Mär darstellen würde, in dem junge amerikanische College-Studenten von einem rücksichtslosen Schlitzer in bester Torture-Porn-Manier hingerichtet werden – bloß eben vor exotischer Kulisse. Natürlich lag ich mit dieser Einschätzung vollkommen daneben – dennoch bedeutete dies, das ich „Die Ruinen“ immer links liegen lies. Ob im Kino oder der Videothek, mein Augenmerk galt anderen Filmen, welche ironischerweise nicht viel mehr boten als ich von „Die Ruinen“ eigentlich erwartet hatte. Doch gerade durch meine grobe Fehleinschätzung des Films, wurde ich umso mehr vom Plot und der Darstellung überrascht. „Die Ruinen“ ist mit Sicherheit viel, eines aber nicht: der typisch-amerikanische Slasher-Trash.

Ich glaube, das Bild ist ein Spoiler…
(© Paramount Pictures)

Dies liegt vor allem an der Entwicklung der Geschichte. Beginnt der Film eben typisch wie viele Genrekollegen mit der obligatorischen Einführung der sorgenfreien Charaktere, die ihrer Jugend und Naivität fröhnen, so prescht er recht schnell und überraschend in Horrorgefilde vor. Kaum an den Ruinen angekommen, wird der Erste ihrer Truppe von den Einheimischen niedergeschossen. Der Clou: die Motivation für die Ermordung ist nachvollziehbar. Denn was die Gruppe Twens nocht nicht weiß und begreift, ist, dass der eigentliche Feind, der Tod und Terror bringt, das grüne Gewächs um sie herum ist. Schaut man es nur mal schräg an, schon ist man von dem Fluch betroffen, den die Maya so sehr fürchten. Entweder das Grünzeug frisst einem das Fleisch von der Haut – oder nutzt den Körper seines Opfers als Wirt, um sich effektiv zu verbreiten. Kam man einmal mit den Pflanzen in Kontakt, ist man dem Tode geweiht. Die Maya wissen das, dank einer Kommunikationsbarriere wird die Gruppe Twens es erst noch schmerzvoll erfahren müssen.

Carter Smith inszeniert seinen Vegetations-Horror überraschend ruhig und setzt auf relativ wenige Schock- und Gore-Effekte. Wobei hier gesagt werden muss, dass die Unrated-Fassung natürlich einige gewaltsame Szenen expliziter darstellt (ohne den Film allerdings inhaltlich zu bereichern – wie es so oft der Fall ist…) und bereits die Kinofassung insbesondere für eine FSK-16-Freigabe einige Gewaltspitzen enthält. Noch vor 10 Jahren wäre der Film mit sehr großer Sicherheit nicht ohne Indizierung durchgekommen. Dennoch wäre die Thematik von vielen anderen Regisseuren durchaus gewaltsamer inszeniert wurden. Die sehr klug gesetzten Gewaltspitzen haben vielleicht auch etwas damit zu tun, dass Regisseur Carter Smith letztlich das Buch „Dickicht“ seines Bruders Scott verfilmte, der ebenfalls das Drehbuch beisteurte. Die Unrated-Fassung enthält während des Abspanns eine weitere End-Szene, die für eine Fortsetzung im größeren Rahmen sehr interessante Möglichkeiten offen lässt. Hoffen wir, dass das Bruder-Paar in naher Zukunft eine Fortsetzung zusammenzimmert, die diesmal eine Großstadt in Ruinen verwandelt…

Fatality:
Mit „Die Ruinen“ wurde das Genre nicht neu erfunden – dennoch ist es eine erholsame Reise in bekannte Horror-Gefilde, die auf ein Sequel hoffen lässt.

Markus Haage

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Über Markus Haage 2113 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!