Troll 2 (USA, 1990)

verfasst am 26.Februar 2001 von Markus Haage

„Die Stadt, in der wir hier sind, heißt rückwärts ja GOBLIN!“

1986 erschien bei Empire-Video ein gewisser Film namens „Troll“, in dem ein kleinwüchsiger Schauspieler im wabbeligen Kostüm eines Ewok-Hooligans eine Mietswohnung in eine Art Gewächshaus des grenzdebilen Gemüse-Horrors verwandelte. Nichts Besonderes. Bis es 1990 geschah.

(© Koch Media GmbH)

Claudio Fragasso, italienischer Filmmagier von Weltruhm, nahm sich der Thematik namens „Hey, wir haben hier dieses Kostüm und diesen Filmtitel! Schnell, dreht, meine Sklaven, dreeeeht!“ an und kreierte einen DER Trashfilme des ausgehenden 20.Jahrhunderts, welcher am 3.Oktober 1990 einen triumphalen Einzug in die heimischen Videotheken hielt. Das Datum kann kein Zufall gewesen sein.

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„Troll 2“ ward geboren. Worte können kaum ausdrücken, was man hier zu sehen und zu hören bekommt, aber ich kann versprechen, dass es die Erwartungen jedes Trashfilmfans erfüllen und dessen Herz zum Platzen bringen wird.

Der kleine Joshua macht sich mit seiner Familie auf den Weg in ein kümmerliches Städtchen namens Nilbog. Bereits der Stadtname verheißt nichts Gutes. Originalgetreues Filmzitat:  „Oh, Dad! Die Stadt, in der wir hier sind, heißt rückwärts ja GOBLIN!“ Wenn dies kein todbringendes Omen ist… Kurze Zeit später spukt sein verstorbener Opa durch die Gegend, Teenager mit dämonischer Dauerwelle schreien sich die Seele aus dem Leib, grüner Schleim rauscht wie ein Sturzbach die Leinwand herunter, Menschen werden gemästet, Goblins stolpern durchs amerikanische Unterholz. Filmzauber pur. Was geht hier vor? Im Orte Nilbog malträtieren und fressen seltsame Kleindarsteller in Sack und Leinen Menschen. Aber halt! Wie man während des großartigen Storyaufbaus erfährt, sind die Bewohner von Nilbog (oben genannte Goblins oder laut Filmtitel eben Trolle) Vegetarier… Hm, wie lässt sich dies nun mit der ungezügelten Lust der Goblins auf Menschenfleisch vereinbaren? Des Rätsels Lösung: Metamorphose – denn die Menschen werden, bevor sie häppchenweise mit Nilbog-Milch dem Schlund der Goblins heruntergespült werden, in GEMÜSE verwandelt („Wir sind Vegetarier in Nilbog! Hier, nimm Nilbog-Milch! Sie ist sehr vitaminreich und kostet nichts.“). Klingt logisch. Wer hat schon nicht einmal von vegetarischen Filmmonstern fabuliert, die ihre Opfer nicht nur fressen, sondern vorher in Grünzeug transformieren?

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15-Dollar-Statisten in braunen Overalls taumeln – durch ihre unförmigen Gummimasken orientierungslos gemacht – durch eine Kulisse aus Unterholz und Leidenschaft, die wortwörtlich Leiden schafft. Aus ihren Mündern spucken sie mit Mehl verdickten Waldmeistersaft, welcher aber nur teilweise aus den wabbelnden Gummimasken süppt. Dazu wird aus dem Off ein nicht zuordnungsbares Gemurmel eingespielt, während Schauspieler (im echten Leben hauptberuflich Zahnärzte, hier Hauptdarsteller. Wirklich!) versuchen, große Emotionen wie etwa Schmerz und Schrecken zu vermitteln – erfolglos. Die Darsteller, (freiwillig?) Maskierte wie (unfreiwillig?) Unmaskierte, liefern sich einer Produktion der B-Movie-Drückerkolonnen aus und schleppen sich durch 95 Minuten großartigen Videospaß. Filme wie dieser brauchen keine große Umsetzung und keinerlei Qualität. Sie adeln sich selbst, indem sie konsequent auf jeden Funken Würde, Anstand und Ernsthaftigkeit verzichteten. Ob nun freiwillig oder unfreiwillig ist unklar, ich tendiere eher zu unfreiwillig.

(© Koch Media GmbH)
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Wir haben es hier nicht mit radebrechenden Frack-Vampiren aus den englischen Hammer-Studios oder humpelnden Zombies von der toskanischen Steppe zu tun. Nein, hier geht es um echten, harten, jahrelang auf VHS gereiften Megatrash. Drehort: Utah. Endstation: Wahnsinn. Keine Gnade. „Troll 2“ hat nicht nur meinen, sondern auch den Filmgeschmack zahlreicher anderer junger Menschen dauerhaft zerstört. Und es gefällt mir.

(© Koch Media GmbH)
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Nette Anekdote: „Troll 2“ genießt mittlerweile mehr als nur Kultstatus. Viele Jahre, nachdem der Film gedreht wurde, hat sich eine weltweite Fanbase entwickelt, welche wohl in ihrer Kindheit lieber trashige Videos konsumierte anstatt Klavier zu lernen (ich schließe mich da nicht aus). Ebenfalls eine Dokumentation über den Film mit dem Titel „Best. Worst. Movie.“, unter der Regie des ehemaligen Hauptdarstellers entstanden, erscheint demnächst fürs Heimkino. Man gebe nur „Troll 2“ bei den gängigen Videoportalen ein und lässt sich von der Welle an Filmschnipseln und Fan-Videos unaufhaltsam wegspülen. Die DVD ist aber dennoch ein Muss für jeden Film- und Trashfreund und im Double-Feature-Paket mit dem ersten Teil der unsäglichen Troll-Trilogie (Teil 3 gibt es dank deutscher Titel-Konstruktion auch noch) im gut sortierten Fachhandel für obskuren Filmgeschmack erhältlich.

Markus Haage

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Über Markus Haage 2109 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!