Critters – Sie beißen! (USA, 1986)

verfasst am 28.April 2001 von Markus Haage

„Was gibt's Neues?“
- „Stell' dir vor, in der Zeitung steht, dass John Travolta früher einmal Kellnerin in Fort Myers war.“

Alarm auf dem (Kn)asteroiden Sektor-17: trotz aller futuristischer Sicherheitskonzepte (Einzelhaft) und -anlagen (Stahlgitter) entflieht ein Haufen extraterrestrischer Knackis ihrem Highsecurity-Gefängnis – mit einem geklauten Raumfrachter düsen sie fort aus der Galaxis ihrer Einkerkerung und krachen direkt auf Mutter Erde. Die Alarmsirenen schrillen, der Super-GAU ist eingetreten. Denn die Flüchtigen sind keine gescheiterten Verbrecher-Existenzen aus den schattigen Winkeln Mos Eisleys, sondern…

(© Warner Home Video)

„Critters“, die Krone des anglo-amerikanischen SciFi-Horrors der 80er. Während sich die „Gremlins“ erfolgreich die Birne in den Kinos einschlugen und (ebenfalls) erfolgreich die „Hobgoblins“, sowie „Ghoulies“, den Videomarkt auseinandernahmen, musste es mindestens eine vierte Partei geben, die auf der Erfolgswelle des „Kleine Monstren zerkloppen Kleinstadt“-Schemas mitschwamm. So will es das Gesetz der Filmwelt – und dieses wird von Hollywood knallhart durchgesetzt. Also, ran an die Bouletten. Smalltown, America muss mal wieder als Schauplatz merkwürdiger Ereignisse herhalten. Diesmal knallen außerirdische Allesfresser (erwähnte Critters) in die amerikanische Idylle. Bewaffnet mit scharfen Zähnen, Giftpfeilen auf dem Rücken und der Fähigkeit sich beliebig in die Vertikale auszubreiten, terrorisieren sie eine Schweinefarm. Einzige Rettung: außerirdische Kopfgeldjäger mit grüner Birne und dicken Wummen, aber miserablen Orientierungssinn.

(© Warner Home Video)
(© Warner Home Video)

Denn während die Critters die Farmersfamilie Brown in Angst und Schrecken versetzt, latschen die Bountyhunter stumm durch Grovers Bend, anliegende Kleinstadt, und schießen auf alles was ihrer Meinung nach einem Critter aussieht (Bowlingkegel, Kirchenorgeln, …das Anzunehnemde halt). In der Zwischenzeit muss der gewiefte Farmerssohn Brad seine Familie vor den heimtückischen Brachial-Angriffen (Angriff ist die beste Verteidigung!) der Critters schützen. Mann gut, dass er nebenbei Bomben baut…so kann die erste Angriffswelle zurückgeschlagen werden…

(© Warner Home Video)
(© Warner Home Video)

Bevor man sich versieht, ist der Streifen bereits zu Ende. Die Critters werden mittels Rohrbombe atomisiert, die Bounty-Hunter zum Trio, die Browns dürfen ihre Farm renovieren und New Line Cinema, das Produktionsstudio, darf sich über ein neu-etabliertes Franchise freuen, welches immerhin drei Fortsetzungen nach sich zog, von denen der erste Ableger mittlerweile Kultstatus besitzt. Während die Fortsetzungen zu einem wilden Comedy-Horror mutierten, darf vorliegender erster Teil noch als reiner SciFi-Grusel angesehen werden. Auch wenn einige Lacher weise gestreut sind (absichtlich als auch unabsichtlich). Regisseur Stephen Herek generiert einen schnittigen, kurzweiligen Grusel, der sich voll in den 80er-Pop-Matsch setzt.

(© Warner Home Video)

Die fachkundige Leserschaft wird nun wissen, was sie erwartet: Nebel, Neon, Dauerwellen. Abgesehen von diesen Standards dürfen wir Billy Zane mit vollem Haar begutachten, sowie Terrence Mann als Johnny Steele (der Bounty Hunter mit Nackenspoiler), welcher innerhalb der Filmwelt auch den Titelsong „Power of the Night“ beisteuert – eine Mischung aus Def Leppard auf Drogen und zu engen Hosen. Demnach: geil.

Den Rest hält Herek gut in Schuss, er weiß was er wie zeigen kann, begibt sich auf sicheres Terrain (hier ein bissel Over-Acting, da ein paar Stereotypen plus einen Schuß Klischees – um den Grusel nicht zu ernst wirken zu lassen, sind ja immerhin Critters), ohne zuviele Gefahren einzugehen. Den richtigen Horror-Comedy-Abschuß gibt’s erst in Teil 2, und der wird einen umhauen. Von daher darf „Critters – Sie beißen!“ als ein zwar sehr typischer und straighter, aber auch verdammt unterhaltsamer SciFi-Grusler angesehen werden – der, meines Erachtens, zur filmischen Allgemeinbildung (und in jede größere DVD-Sammlung) gehört – wenn man sich für dieses Genre und Jahrzehnt interessiert.

Fatality:
„Critters – Sie beißen!“ ist geradliniger, stylisher SciFi-Grusel, tief in den 80ern verwurzelt. Solche Streifen, zusammen mit „Gate – Die Unteriridischen“ und „The Lost Boys“, hat man in den frühen 90ern im Videoregal der großen Geschwister gefunden, heimlich begutachtet und davon am darauffolgender Tag voller Stolz den Mitschülern berichtet. Dafür vier Schädel.

Markus Haage

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Über Markus Haage 2113 Artikel
Mein Name ist Markus Haage, Chefredakteur und Herausgeber vom Neon Zombie-Magazin. Es gibt nicht sonderlich viel spektakuläres über mich zu erzählen. Ich führe ein sehr langweiliges Leben. Aber falls es doch jemanden interessiert, freue ich mich immer über einen Besuch meiner Website www.markus-haage.de! Danke im Voraus!